«Das Verschulden wiegt bei Ihnen beiden relativ schwer. Sie haben mit Ihren rabiaten Erziehungsmethoden das Urvertrauen Ihrer Kinder erschüttert», sagte Gerichtspräsidentin Susanne Nese den beiden Angeklagten bei der Urteilsbegründung. Es sei Aufgabe der Eltern, Narben an Körper und Seele der Kinder zu verhindern, und es sei schlimm, wenn ausgerechnet die Eltern selbst solche Narben verursachen.

Das Basler Strafgericht verurteilte die 40-jährige Frau sowie ihren 51-jährigen Ehemann gestern wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht zu bedingten Geldstrafen. Nese betonte, insbesondere die Frau habe bereits stark unter der temporären Fremdplatzierung ihrer Kinder gelitten, nur deshalb liege noch eine Geldstrafe drin.

Der ehemalige Fischer aus Sri Lanka lebt seit 1990 in der Schweiz, die Frau heiratete ihn 2003 in Colombo und folgte im Jahr 2005 in die Schweiz. Er arbeitet in der Reinigung, sie als Pflegerin. Mehrmals musste die Basler Kantonspolizei wegen häuslicher Gewalt einschreiten.

Im Januar 2016 setzte eine Lehrerin eine Gefährdungsmeldung ab, weil der damals siebenjährige Sohn humpelnd und zu spät in die Schule kam und erzählte, wie die Mutter ihn geschlagen hatte. Ähnliche Vorwürfe bestätigte danach auch der zwei Jahre jüngere Sohn.
Die Frau gab zu, dass sie gelegentlich mit dem Bambusstock zuschlage, wenn ihre Söhne nicht gehorchten. Auch der Mann hatte früher einzelne Schläge zugegeben, sagte dann aber an der Hauptverhandlung gestern im Strafgericht, er habe seine Söhne nie geschlagen.

Beweislage reicht nicht aus

Die Vorwürfe gingen allerdings deutlich weiter. Staatsanwältin Franziska Fischer forderte für die Ehefrau eine bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Freiheitsberaubung: Sie habe die Kinder zur Strafe auch im Winter auf dem kalten Balkon knien lassen oder in die dunkle Toilette gesperrt.

Der schlimmste Vorwurf: Im April 2012 soll die Frau einen der Söhne mit nacktem Hintern auf die Herdplatte gesetzt haben, weil er sich zuvor in die Hosen gemacht hatte. Die Frau bestritt dies, gab aber einen Schlag mit einem Kochlöffel zu. Gerichtspräsidentin Susanne Nese beschrieb die auf einem Foto dokumentierten Verletzungen als «Brandmal», es sei eindeutig der Abdruck einer grossen Kelle oder eines Schöpflöffels. Das Gericht wertete den Schlag als einfache Körperverletzung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Geschichte mit dem Balkon und der Toilette blieb ungeklärt: Das Gericht kam hier zu Freisprüchen, weil die Beweislage nicht ausreichte. Ein Vertreter des Kantonalen Kinder- und Jugenddienstes attestierte der Mutter, die Situation sei heute sehr gut: Die Familie wird noch immer eng betreut.