Wahlen

Basler EVP zaubert eine Regierungskandidatin aus dem Hut

Die Riehener Gemeinderätin Christine Kaufmann kandidiert für den Regierungsrat.

Die Riehener Gemeinderätin Christine Kaufmann kandidiert für den Regierungsrat.

Die konservative Mittepartei tritt mit der Riehener Gemeinderätin Christine Kaufmann an.

Das Kandidatenfeld für die Regierungswahlen im Herbst schien komplett zu sein. Dies, nachdem die Basler SVP diese Woche verkündet hatte, dass sie mit dem Anwalt Stefan Suter antreten wird. Mit der GLP hatte die grösste Nichtregierungspartei ihren Anspruch kundgetan – mehr war nicht zu erwarten.
Gut versteckt in einer Medieneinladung mit dem Betreff «Wahlen» verkündete gestern aber auch die Evangelische Volkspartei, dass sie mittun werde. Sie wird mit der Riehener Gemeinderätin Christine Kaufmann ins Rennen steigen – ein Geheimnis, das die EVP am nächsten Donnerstag an einer Pressekonferenz lüften wollte. Kaufmann begründet die Kandidatur damit, dass die EVP «einen Politiker oder eine Politikerin aus der Mitte» in der Regierung haben wolle. Dazu zählt Kaufmann nicht mal den CVP-Kandidaten Lukas Engelberger, der «zum bürgerlichen Block» gezählt werden müsse. Sie selbst sieht sich als geeignete Herausforderin an, weil sie jahrelange Erfahrung «in der Exekutive, aber auch in der Legislative» habe, so die einstige Grossrätin. Selbstlob sei nicht ihr Ding, meint sie. Aber auch aus der Berufswelt bringe sie das Rüstmaterial mit. «Ich habe in KMU, aber auch in der Verwaltung gearbeitet», sagt Kaufmann.

Der Grund für die Kandidatur

Die Wahlchancen Kaufmanns sind marginal. Selbst bei den politisch Verbündeten hinterlässt der Alleingang der EVP Stirnrunzeln. Die Basler CVP-Fraktionspräsidentin Andrea Knellwolf sagt über die Fraktionspartnerin, welche niemanden in die Pläne eingeweiht hatte: «Diese Kandidatur ist eine blöde Idee.» Als Partei mit einem derart niedrigen Wähleranteil habe die EVP «keine Legitimation» für einen Regierungssitz. Knellwolf sieht «vom Schiff aus» kaum Chancen, aber betrachtet die EVP-Ambitionen auch nicht als Gefahr für ihren Regierungsrat Lukas Engelberger. Dass es zum Zerwürfnis mit dem Fraktionspartner kommen könnte, darüber zerbricht sie sich nicht den Kopf. Denn: «Meine emotionale Bindung zur EVP hält sich in Grenzen.»

Joël Thüring von der SVP beurteilt die Sache etwas anders. Zwar sagt er mit einem Seitenhieb gegen die Grünliberalen: «Die Frage ist, ob es eine sechste linke Kandidatur braucht.» Aus Sicht der EVP könne er das Vorgehen dennoch nachvollziehen. Das hat einen Grund. Tatsächlich dürfte bei dieser Kandidatur weniger die Regierung im Vordergrund stehen, als die gleichzeitig stattfindenden Grossratswahlen. Auf diesen Herbst hin ändert Basel-Stadt das Wahlgesetz. Kleinere Parteien wie die EVP haben eine grössere Chance als bis anhin, Abgeordnete ins Basler Parlament zu schicken. Eine eigene Regierungskandidatur bietet da eine gute Plattform, die Partei prominent zu inszenieren.

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