Sebastian Frehner

Basler Ex-Nationalrat erntet, was er politisch gesät hat

Der Basler Ex-Nationalrat Sebastian Frehner lobbyiert künftig offen für Pharma, Banken und Versicherungen.

Der Basler Ex-Nationalrat Sebastian Frehner lobbyiert künftig offen für Pharma, Banken und Versicherungen.

Die Abwahl kam für Sebastian Frehner (47) zeitlich ungelegen. Gerne hätte der Basler SVP-Politiker eine halbe Legislatur länger im Nationalrat verbracht. Er hätte das Beziehungsnetz noch enger knüpfen können, das ihm einen finanziell gesicherten Übergang ins Beratungsgeschäft erleichtert hätte. So kam es zum Bruch – und zu einem verzögerten Start als Berufslobbyist.

Ganz pannenfrei erfolgt nun auch der Neustart nicht. Bevor Frehner selbst kommunizieren konnte, begrüsste ihn die europäische Lobby-Organisation FIPRA als neuen «Special Advisor». Die Finsbury International Policy & Regulatory Advisers, so der vollständige Name der Organisation, ist darauf spezialisiert, ehemalige Mandatsträger einzubinden, um für die Klientschaft politischen Einfluss geltend zu machen.

Bisher gehörte in der Schweiz einzig die PR-Agentur Hirzel.Neef.Schmid dem Netzwerk an. Frehner soll vor allem für Kunden aus der Pharmaindustrie, dem Banken- und Versicherungsbereich sowie aus der Konsumgüterindustrie tätig sein.

Verwaltungsrat bei Paxedra

Der junge Alt-Politiker nutzt für das neue Geschäft nicht seine Adoro AG, sondern tritt unter dem Namen Paxedra auf. Diese Firma besteht seit April 2019, wurde vom Jung-SVPler David Trachsel geführt, und als Verwaltungsrat amtierte der Treuhänder Mathieu Jaus. Doch verdeckt gehörte die Paxedra bereits bisher Frehner. Seit gestern ist er nun auch im Handelsregister offiziell als neuer und einziger Verwaltungsrat eingetragen.

Die Paxedra ist gemäss Webauftritt eine auf Public Affairs spezialisierte «Boutique, die Sie an der Hand nimmt und aufs politische Parkett führt». Konkrete Mandate sind bis auf eine Ausnahme bisher keine bekannt: die Geschäftsführung der «Vision Konsum». Diese im vergangenen Sommer gegründete Konsumentenorganisation setzt sich nach eigenen Angaben «für wettbewerbskonforme Preise, für hohe Qualität und für ein breites Sortiment» ein. Frehner ist dort ebenso Vorstandsmitglied wie der Ex-BKB-Präsident Andreas Sturm. Präsidiert wird der Verein von der Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger.

Von Beziehungen und Erfahrungen profitieren

Frehner hat aus seiner Nähe zur Wirtschaft nie einen Hehl gemacht. Die «NZZ am Sonntag» bezeichnete ihn als Opportunisten, weil er sich von Krankenversicherungen ebenso einspannen liess wie von der Pharmaindustrie, der Tabakindustrie oder von Süsswassergetränk-Herstellern. 

Gegenüber dem linken Onlinemagazin «Republik» äusserte sich Frehner genau so offen: «Wo ist das Problem?», fragte er die Journalisten, die ihn auf seine vielfältige Lobbyarbeit ansprachen. Wer als junger Mensch politische Karriere mache, müsse von den Beziehungen und Erfahrungen profitieren; «das kann in der Zeit danach von grossem Nutzen sein». Die Zeit der Ernte ist für ihn nun gekommen.

Autor

Christian Mensch

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