Basler Fasnacht
Diese Veranstaltungen sorgen in der Basler Innenstadt und online auch 2021 für Fasnachtsstimmung

Die «drey scheenschte Dääg» fallen zum zweiten Mal der Pandemie zum Opfer. Doch die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler lassen sich nicht unterkriegen. Unter dem Motto «Ainewäg» stellen sie für die nächsten Wochen ein breites Ersatzprogramm auf die Beine.

Oliver Spiess
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Domo Löws Werke können in der Brigitta-Leupin-Galerie beschaut und reserviert werden, im Bild das Acrylgemälde «Doppelboogetruee».

Domo Löws Werke können in der Brigitta-Leupin-Galerie beschaut und reserviert werden, im Bild das Acrylgemälde «Doppelboogetruee».

Bild: zvg/Galerie Brigitta Leupin

Pandemie hin oder her, nach der zweiten Absage der Basler Fasnacht ist für das Comité klar: Gefeiert wird «ainewäg». In der Fasnachtszeitung «Diggi Boscht» kündet es unter anderem den virtuellen Morgestraich der Spezi-Clique an. Am 22. Februar um 4 Uhr morgens soll der Straich auf dem Youtube-Account der Clique beginnen.

Aber auch im nicht-virtuellen Raum werden sich die verlorenen Festtage bemerkbar machen. «Wer mit offenen Augen durch unsere Stadt geht, wird an vielen Orten an die Fasnacht erinnert oder gar verzaubert», verspricht das Comité und empfiehlt: «Gehen Sie auf Entdeckungsbummel!» Nebst dem bereits seit längerem angekündigten Fasnachtsspaziergang finden diverse andere Veranstaltungen statt. Die bz hat die geplanten Festivitäten zusammengestellt.

Schaufensterspektakel rund um den Rümelinsplatz: Die «guten Geister hinter der Fasnacht» bei der Arbeit

33 Geschäfte rund um den Rümelinsplatz beteiligen sich an der Schaufensteraktion.

33 Geschäfte rund um den Rümelinsplatz beteiligen sich an der Schaufensteraktion.

Bild: zvg/Galerie Eulenspiegel

Ein Hotspot wird in der Fasnachtswoche vom 22. bis 27. Februar der Rümelinsplatz sein. Dort verwandeln sich Schaufenster in Ateliers und Kunstgalerien. Die Köpfe hinter der Veranstaltung sind Gregor Muntwiler, Leiter der Galerie Eulenspiegel, Laternenmaler Pascal Joray sowie dessen Bruder und Filmemacher Nicolas Joray. Das kreative Alternativprogramm rund um den Rümelinsplatz soll multimedial Einblick in die Arbeit der «guten Geister hinter der Fasnacht» geben.

In 13 Schaufenstern dokumentiert Pascal Joray die Arbeit fasnächtlicher Kunstschaffender malerisch und mit begleitenden Texten und Skizzen. 14 weitere Schaufenster bespielt Nicolas Joray mit «sprechenden Fotografien». Es sind Porträts jener «guten Geister», per QR-Code können dazu mit dem Smartphone Kurzinterviews angehört werden.

Einen Höhepunkt stellen die «lebenden Schaufenster» dar. Am Fasnachtsdienstag, dem 23. Februar, können dort Künstlerinnen und Künstler beobachtet werden, die live ihre Larven, Laternen und Helgen malen, Kostüme schneidern oder gar Piccolo- und Trommelstunden geben.

Und während in der Galerie Eulenspiegel zwölf Kunstschaffende eine digitale Benefizausstellung zu Gunsten der Musikschulen der Basler Fasnacht zum Besten geben, verwandelt sich das Hotel Basel gar in ein Fasnachtsatelier. Eine «surreale Fasnachtsbaiz» verspricht das Programm, geschmückt mit über hundert Larven und bespielt von Fasnächtlerinnen und Fasnächtler, die dem Publikum ihre Arbeit näherbringen.

«Schnitzeljagd durch Raum und Zeit» in Rudolph Bolo Mäglins altem Fasnachtskeller

Entstanden ist die Idee einer interaktiven Onlineschnitzeljagd bei der Suche nach einem Ersatz fürs geschäftliche Weihnachtsessen.

Entstanden ist die Idee einer interaktiven Onlineschnitzeljagd bei der Suche nach einem Ersatz fürs geschäftliche Weihnachtsessen.

Bild: zvg/Screenshot

Ein Fasnachtsevent der ganz anderen Art präsentieren die beiden IT-Profis Marco Osterwalder und Lukas Mäglin. Am Anfang stand, wie sie sagen, eine nicht allzu weit hergeholte Feststellung: «Uns isch denn die (offesichtligi) Idee ko, dass vieli Fasnächtler jo gar nüt z’due hänn Ändi Februar.» Und so entschieden sich die beiden, ein virtuelles Spiel eigens für die Fasnacht zu programmieren.

Im Zentrum steht der verstorbene Basler Schriftsteller und Dichter der Fasnachtsnovelle «Der Ruesser», Rudolph Bolo Mäglin. Ihm sollen die Spielenden helfen, auf einer «Schnitzeljagd durch Raum und Zeit» in seinem alten Keller längst vergessene Fasnachtsartefakte wiederzufinden.

Dabei steuern die Teilnehmenden die Hauptfigur interaktiv mit Sprachbefehlen, da die Schatzsuche per Zoom-Videokonferenz stattfinden soll. Termine können auf der Website vereinbart werden, der Spielspass dauert rund zwei Stunden und verspricht laut Herstellern nichts Geringeres als «d’ Gnuegdueig, corona-konform d’ Fasnacht grettet z’ ha».

Fasnachtskunst in der Brigitta-Leupin-Galerie, einzigartige Trommeln am Spalenberg und Festgewimmel im Bilderbuch

Kunstmaler Thomas Thüring ist einer der zwölf Kunstschaffenden, die im Rahmen des Projekts «Drummelkunscht» ein Unikat schufen.

Kunstmaler Thomas Thüring ist einer der zwölf Kunstschaffenden, die im Rahmen des Projekts «Drummelkunscht» ein Unikat schufen.

Bild: zvg/Galerie Brigitta Leupin

«E Naase voll Fasnacht» verspricht Brigitta Leupin in ihrer Kunstgalerie am Münsterberg. Dort stellen der Künstler und Gründer des Larvenateliers Charivari, Roman Peter sowie die Laternenmaler Domo Löw, Christoph Knöll und Fredy Prack ihre Werke aus. Bis Ende März können samstags und während der Fasnachtswoche Termine für Besichtigungen im kleinen Kreis vereinbart werden. Maximal drei Personen dürfen sich gleichzeitig durch die Ausstellung führen lassen.

Auch die Sarasin-Art-Galerie in der Spalenvorstadt präsentiert sich bis Ende Monat im fasnächtlichen Kleid. Im Rahmen des Solidaritätsprojekts «Drummelkunscht» entstanden in Zusammenarbeit mit dem Schlebach-Trommelbau zwölf einzigartige Trommeln von zwölf Basler Künstlerinnen und Künstlern. Darunter etwa der fünffache Blaggedde-Designer Pascal Kottmann, der Laternenmaler Lorenz Grieder oder der Kunstmaler Thomas Thüring. Die Unikate können ebenso wie die in der Brigitta-Leupin-Galerie ausgestellten Werke im Internet beschaut und erworben werden.

Wer ein Stück Fasnacht ins eigene Heim holen will, der oder dem ist mit den Fasnachtshuus-Produktionen geholfen. Der vergangenes Jahr ins Leben gerufene «Fasnachts-Stammdisch» ging in seine zweite Staffel. Die Gespräche mit den mehr oder weniger bekannten Fasnachtspersönlichkeiten sind auf der Website des Vereins Fasnachtshuus abrufbar. Zudem erschien jüngst das Wimmelbuch «Gäll, du findsch mi nit?», mit dem der Verein zur Sensibilisierung und Einführung von Kindern in die Welt der Basler Fasnacht beitragen will.

Conzärtli, Stuubede und Pfyfferli im Onlinestream – die «drei Antikeerper» liefern Väärsli auf Bestellung

Der Marionettenarzt Dr. Meinrad Klöti aus Zürich hat in einem Youtube-Video die Schitzelbänke für «sauber» erklärt.

Der Marionettenarzt Dr. Meinrad Klöti aus Zürich hat in einem Youtube-Video die Schitzelbänke für «sauber» erklärt.

Bild: zvg/Screenshot

Wie so viele andere Events zogen auch die Vorfasnachtsveranstaltungen ins Internet um. Das Gute daran: Sie sind somit für die Ewigkeit festgehalten. Das Zofingerconzärtli kann online noch immer gestreamt werden, ebenso das Pfyfferli und die Hoosesagg-Stuubede. Auch das Glaibasler Charivari betrauert in einer online abrufbaren Kurzinszenierung die erneute Absage der Basler Fasnacht.

Die «drei Antikeerper» Sämi, Werner und Heinz, die hölzernen Schnitzelbänggler des Basler Marionettentheaters, lassen ihr Publikum das Programm gleich selbst mitbestimmen. Gegen eine Gebühr von 150 Franken und unter der Angabe eines gewünschten Sujets können die «Bängg on demänd» bestellt werden. Sämtliche Väärsli werden danach auf Youtube gesammelt. In einem Video vorab erklärte der Marionettenarzt Dr. Meinrad Klöti aus Zürich die Schnitzelbänke bereits für sauber und coronakonform. Und tatsächlich: Einige Bestellungen gingen bei den Antikeerpern schon ein, deren künstlerische Umsetzung wird auf Youtube bereits ausgestrahlt.