Hoffnungsträger
Basler Fechttalent: Dieser Musketier legt sich mit Älteren an

Der 13-jährige Joël Scheuner ficht bereits in einer höheren Alterskategorie – mit Erfolg.

Michel Zumoberhaus
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Eine Enttäuschung führte zu seinen jüngsten Erfolgen: Joël Scheuner, 13-jähriges Basler Fechttalent.

Eine Enttäuschung führte zu seinen jüngsten Erfolgen: Joël Scheuner, 13-jähriges Basler Fechttalent.

Martin Töngi

«Der ist eine richtige Kanone. Ich bin schon lange dabei – aber dieser Junge macht echt Spass.» So äussert sich ein begeisterter Manfred Beckmann, langjähriger Maître der Fechtgesellschaft Basel, über sein aktuell verheissungsvollstes Talent. Die Rede ist von Joël Scheuner, 13 Jahre alt. Von der ersten Sekunde an war Beckmann klar, dass dieser Junge das so wichtige Gefühl für diesen Sport besitzen würde. Und das Gespür für geniale Punkttreffer. Er lobt seine schnelle Auffassungsgabe. Technische Aufgaben würde er sehr schnell umsetzen können. Es ist aber nicht nur die Technik, die ihn ausmacht. «Er bringt Fleiss, Wille und vor allem viel Spass mit», setzt Beckmann seine Lobeshymne fort. Zudem sei er ein wahres Bewegungstalent.

Zurzeit sind es 80 Jungfechter zwischen 6 und 15 Jahren, die das Fechttraining an der Theaterstrasse besuchen. Darunter seien einige im Nachwuchs mit dabei, die durchaus das Potenzial hätten, zu einem Spitzenfechter geformt zu werden. In dieser Talentschmiede sticht laut Beckmann mit Scheuner trotzdem einer heraus. Die Vorteile Scheuners, der drei Mal in der Woche trainiert, sind bereits an seiner Statur auszumachen. Für einen 13-Jährigen ist er physisch sehr weit, was er auch «seinen Genen verdankt». Er ist in Haiti geboren und ist mit zwei Jahren in die Schweiz gekommen, als er von Daniel Scheuner und Stefanie Vitelli adoptiert wurde. «Er war von klein auf sportinteressiert und wusste schon immer, was er wollte», erzählt Adoptivmutter Stefanie Vitelli stolz aus dem Nähkästchen.

En garde, prêt, allez!

Die Fechtsaison dauert von September bis Mai. An zehn Turnieren, im Rahmen des «Circuit national jeunesse», duellieren sich aus der ganzen Schweiz die «minimes» (13-14 Jahre) und die «cadets» (15-17 Jahre). Scheuner wollte Anfang Saison noch nicht bei den Kadetten mitwirken. Eine enttäuschende Begebenheit überzeugte ihn dann trotzdem, es beim «Prona Masters» in Biel bei den «cadets» zu versuchen. Dieser Mut sollte belohnt werden.

In erster Linie war es am «Prona Masters» das Ziel, in seiner Alterskategorie «minimes» unter die ersten drei zu gelangen. Er wurde sechster, was ihn ziemlich ärgerte. Daraufhin schlug ihm der Trainer vor, es am nächsten Tag bei der U17 zu versuchen. Prompt sorgt er für eine riesige Überraschung und belegt den zweiten Platz. Den Erst- sowie den Viertplatzierten der Kadettengesamtrangliste Schweiz mischt er dabei sensationell auf. Im Finale scheitert er nur ganz knapp. Seitdem kämpft Scheuner in beiden Alterskategorien mit. Bei den «minimes» belegt er zurzeit schweizweit den 5. Platz. Bei den «cadets» steht er auf dem 20. Platz, wobei dort zu erwähnen ist, dass er die ersten vier Turniere der Saison verpasst hat.

Mit Team weit kommen

Ohne ein gut funktionierendes Team wäre laut Beckmann die Fechtgesellschaft Basel keine so erfolgreiche Talentschmiede, wie sie es heute ist und in den letzten Jahren war. Beckmann bildet die Gruppe Sechsjährige bis Dreizehnjährige aus. Später werden diese dem Co-Trainer Hugo Dergal anvertraut, der die Leistungsgruppe trainiert. Eine zu hohe Erwartungshaltung möchte das Trainerteam dem Jungen aber keinesfalls signalisieren. «Wir möchten ihn behutsam aufbauen. Dies soll ohne Druck geschehen», erklärt Beckmann.

Momentan leidet Scheuner an leichten Schulter-Problemen. Ausser Gefecht setzen diese ihn aber nicht. Im Gegenteil: Beim letzten Wettkampf am Circuit in Fribourg belegte er bei den «cadets» den zweiten Platz und bei den «minimes» stand er zuoberst auf dem Treppchen. Für die ambitionierten Ziele, welche Scheuner nennt (siehe Interview unten), seien die Voraussetzungen laut Beckmann durchaus vorhanden. Gleichzeitig hebt er jedoch auch den Mahnfinger. «Er muss die Pubertät gut überstehen, weiterhin nicht die Bodenhaftung verlieren und fleissig das Training besuchen. Dann steht Joël die Welt offen.»

Joël Scheuner: «Vieles passiert im Kopf, und das in Sekundenbruchteilen»

Joël Scheuner, die meisten Jungs in Deinem Alter spielen Fussball oder andere Ballsportarten. Wie bist Du zum Fechtsport gekommen?

Joël Scheuner: Ich habe diesen Sport bei den Olympischen Spielen gesehen und dachte, das will ich auch ausprobieren. An der Sportnacht war es dann soweit – und es war mega toll.

Was begeistert Dich am Fechten?

Es ist ein Kampfsport. Ich mag es, dass man sich duelliert – wie früher bei den Rittern. Dabei geht es nicht nur um Kraft, sondern auch darum, den Gegner zu verstehen. Wie verhält er sich? Wie greift er an? Wie kann ich seine Verteidigung durchbrechen? Wie kann ich den Angriff ableiten, dass ich den Punkt mache? Vieles passiert im Kopf, und das in einem Bruchteil von Sekunden.

Wie bereitest Du dich auf die Wettkämpfe vor? Hast Du ein Ritual?

Ich habe eigentlich kein bestimmtes Ritual. Ich spreche immer mit meinen Fechtkumpels. Aber ich gehe einfach locker ins Gefecht. Und wenn ich weiss, der Gegner ist vermeintlich stärker, dann bin ich noch ein bisschen motivierter und konzentrierter.

Das zeigen auch Deine Ergebnisse in der laufenden Saison. Gegen die Kadetten erzielst Du hervorragende Resultate – gegen «minimes» tust Du dich ein bisschen schwerer.

Ja, das stimmt. Ich habe den Ersten der Kadettenrangliste geschlagen und das klar mit 15:6. Auch gegen den Vierten, welcher viel grösser und stärker ist als ich, habe ich 15:13 gewonnen. Im Finale verlor ich gegen einen aus meiner Kategorie hingegen ganz knapp. Darüber habe ich mich sehr aufgeregt.

Was sind Deine sportlichen Ziele?

Ich möchte in zwei Jahren am Junioren Weltcup teilnehmen. Nächstes Jahr will ich die Schweizer Meisterschaften bei den Kadetten gewinnen und die Rangliste weiterraufklettern.

Die Olympischen Spiele sind für Dich kein Thema?

Klar, jeder Fechter träumt davon. Das ist ein sehr grosses Ziel, an dem ich weiterhin hart arbeiten möchte.

Falls es nun aus irgendeinem Grund doch nicht für eine Fechtkarriere reicht - hast Du einen Plan B?

Ich habe meiner Mutter schon von vielen Dingen erzählt, die ich machen will. Da ich mich für Mathematik und Naturwissenschaft interessiere und es mag, Dinge zusammen zu bauen, möchte ich Maschinenbau- oder Wirtschaftsingenieur werden.

Um die Fechtkunst zu beherrschen setzt es höchste Konzentration voraus. Man müsste meinen, wer sich so erfolgreich beim Fechten konzentrieren kann, der muss automatisch ein guter Schüler sein.

Um Ingenieur zu werden muss ich studieren. Ich bin im P Zug und denke, dass ich das nicht schlecht mache. Beim Französisch blicke ich aber einfach nicht durch. Das könnte aber auch daran liegen, dass ich, was das Lernen angeht, ein bisschen faul bin.

Wie bringst Du Sport, Schule, Familie und Freunde unter einen Hut? Wird Dir das manchmal zu viel?

Manchmal bin ich sehr müde wenn ein Wettkampf weit weg, beispielsweise in Fribourg, stattfindet. Da muss ich am Samstag um fünf Uhr morgens aufstehen, kämpfe bei den «minimes», am Sonntag bei den «cadets» und am nächsten Tag muss ich wieder in die Schule. Aber das meistere ich bisher ganz gut. Da ich nicht jedes Wochenende einen Wettkampf habe, kann ich mich auch mal ausruhen.

Was machst Du, wenn Du vom Fechten mal abschalten möchtest?

Entweder mache ich etwas für die Schule, liege im Bett und schreibe mit Freunden oder treffe mich mit ihnen. Und ich liebes es zu essen (lacht).

Hast Du ein Vorbild?

Max Heinzer, der auch in diesem Club trainiert. Er war zwölf Wochen lang die Nummer 1 und Ich möchte einmal so gut werden wie er. Übrigens habe ich auch schon gegen ihn gefochten.

Und, hast Du gewonnen?

Nein, nicht ganz (lacht). Ich habe mich aber glaube ich nicht schlecht gehalten.

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