Tinnitus
Basler Firma entwickelt weltweit erste Spritze gegen Tinnitus

Noch gibt es gegen Tinnitus kein spezifisches Medikament. Basler Forscher haben aber jetzt eine Spritze entwickelt, die das lästige Pfeifen im Ohr stoppt oder vermindert und den Hörverlust reduziert.

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Gegen Tinnitus kann jetzt etwas unternommen werden.

Gegen Tinnitus kann jetzt etwas unternommen werden.

Keystone

Weltweit hat etwa jeder zehnte Mensch ein Pfeifen im Ohr, hauptsächlich nach einem lauten Konzert, einem Knall oder durch eine Infektion. Die Hälfte der Betroffenen leidet auch an einem Hörverlust. Nun können sie auf Abhilfe hoffen: Wie die Recherchen der «Schweiz am Sonntag» zeigen, hat die kleine Basler Biotechfirma Auris Medical den Wirksamkeitsnachweis für zwei Medikamente erbracht, die hinters Trommelfell direkt ins Ohr gespritzt werden.

Das eine stoppt oder vermindert in den ersten drei Monaten nach dem Unfall das Tinnitus-Geräusch, das zweite reduziert den damit verbundenen Hörverlust, indem es das Absterben der empfindlichen Haarzellen im Innenohr stoppt. Auris gehört damit zu den Pionieren.

Noch keine spezifischen Medikamente

Bis jetzt gibt es weltweit sowohl gegen Tinnitus wie auch gegen akuten Hörverlust kein spezifisches Medikament. «Wir wären die ersten, die solche Medikamente anbieten könnten», sagt Firmengründer und Verwaltungsratspräsident Thomas Meyer.

In der zweiten Jahreshälfte startet Auris Medical für das Tinnitus-Medikament die letzte und teuerste Entwicklungsstufe vor der Marktzulassung, die sogenannte Phase 3. An 930 Patienten in Europa und den USA wird es während der nächsten zwei Jahre getestet, bevor es 2016 auf den Markt kommen soll. Ende Jahr starten auch die Testreihen für das Hörverlust-Medikament.

Diese Woche sicherte sich Auris für die teuren Versuche das nötige Geld. Zwei Wagniskapital-Firmen aus Frankreich und den USA gewährten am Dienstag eine Finanzspritze von insgesamt 47,1 Millionen Franken. Das ist eine der grössten Venture-Capital-Finanzierungen der letzten Jahre in der Schweizer Biotechszene und in diesem Jahr die bislang grösste solche Finanzierung in ganz Europa. «Beide Medikamente haben ein Potenzial von mehreren hundert Millionen Franken Umsatz pro Jahr», schätzt Meyer.

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