Wo kam sie her, wo wollte sie hin? Wurde ihr zu warm in der Wiese? Folgte sie ihren Artgenossen in die Tiefen des Rheins und hat sie es nicht bis dorthin geschafft? Oder starb sie im Rhein und liegt nun tot in der Wiesemündung, weil die Strömung sie dahin getrieben hat? Niemand weiss es. Die Äsche ist tot. Gestorben wegen der Hitze. «Sie ist nicht verletzt und von der Grösse her erst etwa drei Jahre alt, daher starb sie ziemlich sicher wegen der hohen Wassertemperaturen», sagt der Kantonale Fischereiaufseher Hans-Peter Jermann.

Die Strömung treibt den Fisch immer mehr in die Mitte des Flusses. Jermann und sein Helfer, der Zivildienstleistende Guillaume Arnet, schaffen es nicht, ihn vom Ufer aus mit dem Netz herauszufischen. Der Fluss ist an der Mündung zu tief, um hineinzustehen. Die Äsche treibt davon, wird später vielleicht von Krebsen verspeist. Es ist nicht der erste Fisch in Basel, der diesen Sommer den Hitzetod stirbt. Und ziemlich sicher auch nicht der Letzte.

Ausschau nach Fischleichen

In seinen bald zehn Jahren als Basler Fischereiaufseher hat Hans-Peter Jermann (48) noch nie eine solch kritische Situation erlebt. Als im Hitzesommer 2003 Hunderte Fische starben, war er noch nicht im Amt. Normalerweise verbringt er auch im Sommer einige Stunden pro Woche im Büro. Im Moment stapelt sich dort die Arbeit. Jermann ist unterwegs, ständig. Wohl ist es ihm dabei nicht, denn er ist machtlos. «Da wir über keine kühleren Gewässer verfügen, können wir die Tiere im Gegensatz zu anderen Kantonen nicht abfischen und in einem nahen Gewässer aussetzen», sagt er.

Wobei auch das kein Garant fürs Überleben sei, wie man etwa in Schaffhausen sehen könne, wo derzeit Hunderte Fische sterben. In Basel-Stadt liegt das Hauptproblem darin, dass es in allen nahegelegenen Gewässern zu warm für empfindliche Arten wie die Äsche oder die Forelle ist. Erschwerend hinzu kommt der Wasserstand. Je tiefer der Pegel, desto kleiner die Chance auf einen kühlen Ort.

Hitzetod bei Rhein-Fischen: Das sagt die Fischereiverwaltung

Rheinfische sterben bei Schaffhausen den Hitzetod

Im Rhein bei Schaffhausen schwimmen derzeit viele Fische mit dem Bauch nach oben – die 27,6 Grad Wassertemperatur sind ihnen zu viel. Andreas Vögeli, Jagd- und Fischereiverwalter des Kantons Schaffhausen, erklärt im Interview mit Keystone-SDA, was gegen das Fischsterben unternommen wird, was dessen Langzeitfolgen oder Schäden sein könnten und ob die Petition zum Gewässerschutz für 2030 zu spät kommt.

Jeder Weiher, jeder Bach in den Langen Erlen wird mit Wasser aus der Wiese gespeist und ist daher nicht kälter als diese. Der Rhein hat mit fast 27 Grad die kritische Grenze von 25 Grad seit Tagen überschritten. Die Birs fliesst wie die Wiese in den Rhein und ist auch keine Hilfe. Das einzige, was die bedrohten Fische retten kann, ist das Wetter. Ein Temperatursturz oder Dauerregen. Das Gegenteil von dem, was wir seit Wochen erleben.

Erleichterung wegen Littering

Jermann ist der einzige vollamtliche Fischereiaufseher in Basel-Stadt. Allein ist er trotzdem nicht. Mitglieder des Kantonalen Fischereiverbandes begleiten ihn fast täglich auf seinem Rundgang durch die Langen Erlen. Verbandspräsident Jörg Alioth ist genauso besorgt wie der Fischereiaufseher. Die beiden stehen am Ufer des renaturierten Wieseabschnitts und freuen sich über jeden Fisch, der noch gegen die Strömung schwimmt. «Schau, der sieht fit aus.» «Was ist das dort?» «Nur Abfall.» «Ich würde nicht sagen, dass ich mich über schwimmende Plastiksäcke freue, doch in dieser Situation bin ich um jeden weissen Fleck froh, der kein toter Fisch ist», sagt Jermann.

An diesem Morgen hat er Glück. An der Wiese in den Langen Erlen findet er keine Fischleichen. Von einem freiwilligen Fischereiaufseher erfährt er jedoch, dass dieser in der Nähe zwei tote Fische gesichtet hat. «Es schmerzt, dem Elend zusehen zu müssen», sagt Jermann. Jahrelang habe er «seine» Fische gehegt. «Und jetzt verenden sie zum Teil qualvoll.» Besorgt verfolgt er die Lage in Schaffhausen, wo die Äschenpopulation grösser als in Basel ist und die Lage daher dramatischer.

Er hofft, dass möglichst viele Basler Äschen frühzeitig ein Plätzchen in der Tiefe, etwa in der Schifffahrtsrinne im Rhein, gefunden haben. Dann klingelt das Handy. Es ist der «Zivi». Er hat weiter unten bei der Wiesemündung zwei tote Fische entdeckt. Die Äsche und eine Bachforelle. Jermann fährt zu ihm. Guillaume Arnet fischt die Forelle hinaus. «Sie ist dem Wetter zum Opfer gefallen und erstickt», sagt Jermann. Je wärmer das Wasser, desto weniger Sauerstoff. Er schaut in den Himmel. Und sagt: «Immerhin ist es leicht bewölkt, aber das reicht noch lange nicht.»