Nähkästchen

Basler Fitness-Coach Gian Godenzi: «Bei Glacé werde ich schwach!»

Fitness-Coach Gian Godenzi nimmt das Nähkästchen in die Mangel. Er hat den Begriff Erfolg erwischt.

Fitness-Coach Gian Godenzi nimmt das Nähkästchen in die Mangel. Er hat den Begriff Erfolg erwischt.

Der bekannte Basler Fitness-Coach Gian Godenzi plaudert aus dem Nähkästchen. Über Vorsätze, Körperkult und Sonntage auf dem Sofa.

Herr Godenzi, welchen Begriff haben Sie aus dem Nähkästchen gezogen?

Gian Godenzi: Erfolg!

Vor wenigen Tagen haben sich Menschen rund um den Globus ein erfolgreiches neues Jahr gewünscht. Wie sieht für Sie ein erfolgreiches Jahr aus?

Das geht wohl allen so: Wenn ich meine persönlichen Ziele erreiche. Erfolg hat aber auch oft mit Problembewältigung zu tun. Insofern wünsche ich mir, dass ich die Herausforderungen, die sich mir im 2020 stellen, lösen oder dass ich zumindest etwas daraus lernen kann.

Haben Sie zu Silvester Vorsätze gefasst?

Nein, ich lebe recht gut und ohne grosse Sünden(lacht). Aber ich habe meine Grundsätze. Dass ich mich genug bewege und vernünftig ernähre. Und die viel zitierte Work-Life-Balance ist enorm wichtig.

Zurzeit arbeiten Sie aber viel, mausern sich zu dem Fitness-Star Basels, etwa mit einer Workout-Sendung bei Telebasel. Suchen Sie das Rampenlicht? Und bringt das gutes Geld?

Das hat sich so ergeben. Wichtig ist mir bei diesen Engagements, dass ich mich nicht verstellen muss. So komme ich authentisch rüber, und aufgrund dessen habe ich wohl auch Erfolg. Es geht mir nicht darum, mich zu profilieren. Für mich steht der Mensch, den ich betreue, im Vordergrund. Zur weiteren Frage: Reich wird man in der Fitnessbranche nicht. Wenn es mir nur ums Geld ginge, hätte ich einen anderen Beruf gewählt. Leider wird Erfolg aber oft mit Geld gleichgesetzt. In meinen Augen kann auch ein Sozialarbeiter erfolgreich sein. Weil er anderen Menschen hilft.

Sie fassen keine Vorsätze. Viele Menschen tun das aber. Die beliebtesten: abnehmen und mehr Sport treiben. Drückt sich das in den Mitgliederzahlen des Indigo-Fitnessclubs aus?

Und wie! In den Monaten Januar und Februar steigen die Zahlen klar an. Also viele Neuanmeldungen, auch viele Mitglieder, die sonst nicht so oft zu sehen sind. Die Frequenz bei uns nimmt zu.

Damit ist es wohl schnell wieder vorbei. Vorsätze werden oftmals gebrochen...

...das ist leider so, sobald es wieder auf die Fasnacht zugeht.

Warum eigentlich?

Es liegt daran, dass sich viele Menschen zu hohe Ziele stecken. Also, überspitzt gesagt: «Ich will fünf bis sechs Mal die Woche trainieren und bis Februar zehn Kilo abnehmen.» Aber so viel Zeit haben die wenigsten, und daran scheitert es oft. Dann ist man frustriert über den Misserfolg - und gibt auf. Mein Tipp: Vergleichen Sie sich nicht mit anderen und stecken Sie sich realistische Ziele. Wenn Sie diese erreichen, ist das ein tolles Erfolgserlebnis, das einen umso mehr motiviert.

Wie oft die Woche sollte trainiert werden, um schnell einen Effekt zu spüren?

Drei Trainings à zirka eine Stunde sind optimal. Und dabei sollten nicht nur Kraft, sondern auch Ausdauer trainiert werden.

Wie oft trainieren Sie?

Auch zirka drei Mal. Ausser, ich gebe Kurse oder bin sonst sportlich aktiv.

Sie treiben seit der Kindheit viel Sport. Warum sind Sie im Fitnessstudio gelandet? Wird das mit der Zeit nicht langweilig, immer dieselben Übungen und Geräte?

Nein. Ich betreue jeden Kunden individuell, das ist sehr abwechslungsreich. Und privat treibe ich viele verschiedene Sportarten. Ich hatte die Fitnessbranche allerdings lange nicht im Fokus; nach dem Sportstudium wollte ich das Wirtepatent machen! Dann habe ich vor zehn Jahren den Gründer von Indigo Fitness kennen gelernt, er hat mir eine Stelle angeboten. Ich erkannte rasch, dass Fitness vielfältiger ist als gedacht.

Der Fitnessboom hat zu einem fragwürdigen Körperkult geführt. Ein dicker Bizeps bedeutet Erfolg. Warum streben immer mehr Menschen nach dem perfekten Körper?

Das hat wohl viel mit Social Media zu tun, wo sich die Menschen so stark wie noch nie zur Schau stellen. Der Mensch tendiert dazu, sich zu vergleichen. Keine gute Entwicklung, so nehmen Misserfolge zu.

Sie zelebrieren diesen Körperkult doch auch?

Ja, aber in Massen mit drei Trainings die Woche. Diese Kadenz brauche ich, auch in den Ferien. Aber das hat nichts damit zu tun, dass ich perfekt aussehen möchte. Es ist für mich eine grosse Freude, ein Teil meines Lebens. Es tut mir gut, so wie andere es lieben, ein Glas Wein zu trinken.

Wo hat der Körperkult seine Grenzen?

Wenn damit die eigene Gesundheit gefährdet wird, man rücksichtslos mit seinem Körper umgeht, um Erfolg zu haben. Das würde ich niemals tun.

Können Sie an einem Sonntag faul auf dem Sofa rumliegen - ohne schlechtes Gewissen?

Ja, sehr gerne. Körper und Geist brauchen hin und wieder Ruhe. So sammelt man Energie. Es spielt alles zusammen: Sport, Ruhephasen, Ernährung.

Apropos: Geben Sie uns ein paar Tipps, wie eine Diät garantiert zum Erfolg führt?

Garantien gibt es leider keine. Das Einfachste überhaupt: viel Wasser trinken. Das bringt den Stoffwechsel in Schwung. Dafür wenig Alkohol, der hemmt den Stoffwechsel. Macht es auch nicht zu kompliziert. Wichtig ist eine abwechslungsreiche Ernährung, die nicht zu viel unnötige Kohlenhydrate wie Haushaltszucker enthält. So nimmt man langsam, aber nachhaltig ab. Auch ich versuche, mich daran zu halten.

Wann werden Sie schwach?

Bei Glacé. Ich sehe das aber nicht als Sünde, habe kein schlechtes Gewissen.

Wirklich nicht? Legen Sie danach nicht noch einen drauf im Training?

(schmunzelt)... Naja... Vielleicht ein bisschen!

Sonstige Laster?

Eigentlich keine... Okay, ich habe mal geraucht, aber das ist länger her. Und ich esse allgemein gerne. Das ist sogar wichtig, wenn man trainiert, da braucht man viel Energie. Nur so stellt sich beim Training der Erfolg ein.

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