Mikrosporidien sind einzellige Parasiten, die entfernt zu den Pilzen gehören. 1200 Arten sind bekannt, beim Menschen sind sie vor allem als Durchfallerreger bei HIV-Infizierten bekannt.

Mikrosporidien sind weitreichend an das Leben als Schmarotzer angepasst: Sie können sich nur in fremden Zellen fortpflanzen, sie haben die Mitochondrien, die Energiekraftwerke von Zellen, abgeschafft und besitzen nur das Allernötigste an Erbgut.

Mit einem harpunenartigen Infektionsapparat können sie sich in Wirtszellen hineinschiessen. An dieser «Harpune» hat das Team um Dieter Ebert von der Universität Basel die neue Mikrosporidien-Art erkannt, die sie im Hinterteil von Wasserflöhen fanden. Sie berichten darüber im US-Fachjournal «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS).

Ursprüngliche Pilze

Was den Fund für die Forscher besonders spannend macht: Die neue Art stellt ein Bindeglied zwischen den Pilzen und den Mikrosporidien dar. Dies belegt die Analyse des gesamten Genoms. Das Erbgut gleicht mehr dem eines Pilzes als dem eines Mikrosporidiums und besitzt zudem ein Mitochondrien-Genom, wie die Uni Basel in einer Mitteilung schreibt.

Die Abstammung der Extrem-Parasiten zu bestimmen, hatte sich wegen ihrer grossen Veränderungen in Aussehen, Stoffwechsel und Genom bisher als unmöglich erwiesen. Nun konnten Ebert und Kollegen zeigen, dass die neue Art von Vorfahren aller Mikrosporidien abstammt und sich den ursprünglichen Pilzen zuordnen lässt. Ihr Platz im Stammbaum des Lebens sei damit endlich gefunden.

Die Wissenschaftler schliessen daraus, dass die Mikrosporidien zuerst eine parasitische, intrazelluläre Lebensweise entwickelten und dass sich erst später ihr Genom stark verändert hat. Diese Veränderungen am Erbgut schliessen den Verlust der Mitochondrien und die Vereinfachung des Energiestoffwechsels ein, ebenso wie das extreme Schrumpfen des Genoms.