Ein hoher Stickstoffausstoss durch den Menschen schmälert die Pflanzenvielfalt. Dies nicht nur auf kleinen, für den Naturschutz bedeutsamen Flächen, sondern in fast allen Landschaftstypen. Dies weisen Forschende der Universität Basel in einer neuen Studie nach.

Der für Pflanzen unentbehrliche Nährstoff war ursprünglich nur begrenzt vorhanden, wie die Hochschule in einer Mitteilung schreibt. In vielen artenreichen Ökosystemen wachsen speziell an nährstoffarme Böden angepasste Pflanzenarten. Steigt das Stickstoffangebot, werden sie von wenigen, durchsetzungsfähigen Spezies verdrängt.

Diese Verarmung wiesen die Biologen um Valentin Amrhein von der Universität Basel nun für zahlreiche Landschaftstypen und Höhenlagen nach. Sie verglichen diverse Vielfaltsmerkmale auf 381 zufällig ausgewählten, einen Quadratkilometer grossen Flächen in der Schweiz, die auf 260 bis 3200 Metern Höhe liegen.

Bei allen sechs Messgrössen wirkte sich der Stickstoffeintrag aus der Luft negativ auf die Pflanzenvielfalt aus, berichten die Forschenden im Fachjournal "Open Science" der britischen Royal Society. Als Vergleich diente die Stickstoffverfügbarkeit vor der Industrialisierung und während derselben im Jahr 1880.

Fast 20 Prozent Rückgang

Die Zahl der Arten nahm seit der vorindustriellen Zeit im Schnitt um 5 Prozent ab, die genetische Vielfalt sogar um fast 20 Prozent. Im Vergleich zu 1880 sank die genetische Vielfalt um 11 Prozent. Dies deutet laut den Forschenden daraufhin, dass hohe Stickstoffeinträge dazu führen, dass die Pflanzenarten im Durchschnitt stärker miteinander verwandt sind.

Die genetische oder auch stammesgeschichtliche Vielfalt hänge direkt mit dem Funktionieren eines Ökosystems zusammen, betonen die Wissenschaftler. So könnten zum Beispiel in Bergregionen Pflanzenarten mit unterschiedlichen Wurzeltiefen den Boden besser stabilisieren und so eine Erosion verhindern.

Funktionieren von Ökosystemen bedroht"Unsere Studie deutet darauf hin, dass Stickstoffeinträge aus der Luft das Funktionieren von Ökosystemen bedrohen", ist das Fazit der Wissenschaftler im Fachartikel. Die 381 Flächen wurden im Rahmen des Programms "Biodiversitäts-Monitoring Schweiz" untersucht, das im Auftrag des Bundesamts für Umwelt durchgeführt wird.

Nach Angaben der Eidgenössischen Kommission für Lufthygiene stammen in der Schweiz zwei Drittel der Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft, und zwar in Form von Ammoniak von Hofdünger aus der Tierproduktion und beim Einsatz von Mineraldünger. Ein Drittel stammt von Stickoxiden aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen.