Auf den Protest von rot-grünen Jungpolitikern hat Guy Morin prompt reagiert: «Wir haben ein gutes Gefühl, dass im nächsten Jahr eine kulturelle Zwischennutzung am Westquai des Hafens möglich wird.» Der in der bz von gestern geäusserte Optimismus des Basler Regierungspräsidenten erhält umgehend einen Dämpfer.

Die Schweizerischen Rheinhäfen bestätigen als Landeigentümer zwar: «Auf der Parzelle Dreiländereck wird sich eine kurzfristige Nutzung ergeben. Wahrscheinlich wird ein Entscheid noch dieses Jahr fallen.» Dabei handelt es sich um das ehemalige Restaurant Dreiländereck. Gleichzeitig macht Sprecherin Nina Hochstrasser gegenüber der bz aber klar: «Eine Nutzung wie auf dem NT-Areal eignet sich nicht. Dafür ist das Areal zu klein.» Die Rheinhäfen seien offen für verschiedene Nutzungen, «zum Beispiel für Büros, eine Galerie oder einen Restaurationsbetrieb.» Gegen derartige Projekte hat Grünen-Grossrätin Mirjam Ballmer nichts einzuwenden: «Sie decken aber nicht das grosse Bedürfnis, das sich bei der Besetzung des alten Kinderspitals oder auf dem NT-Areal gezeigt hat.»

Raum für freie Gestaltung gefragt

Damit drängt sich die Frage auf: Was verstehen die Jungpolitiker, die ihrem Protest medienwirksam Luft verschafft haben, konkret unter den geforderten kulturellen Zwischen- und Umnutzungen? Ballmer: «Das NT-Areal ist ein gutes Beispiel für eine vielfältige Nutzung mit Ateliers, Sonntagsmarkt, Restaurationsbetrieben, Konzerten, Partys und Ausstellungen.» Eine klare Definition sei nicht möglich, da man die Kulturprojekte nicht einschränken dürfe: «Es braucht Raum für eine freie Gestaltung, für kreative Engagements.» Über mögliche Zwischennutzungen auf dem übrigen Hafen-Areal kann Sprecherin Hochstrasser keine Auskunft geben. Dort hängt die künftige Entwicklung davon ab, wann Ersatzstandorte für die Hafenfirmen gefunden werden. Die Lösung, auf die Morin setzt, scheint in der gewünschten Zeit kaum realisierbar.

Der Dreispitz kommt nicht infrage

Als weiteren möglichen Standort hat Morin den Dreispitz genannt. Die Christoph-Merian-Stiftung (CMS) habe sich sehr offen gezeigt. Gegenüber der bz widerlegt dies Sprecher Toni Schürmann: «Die Christoph-Merian-Stiftung ist nicht in der Lage, die Freiraum-Probleme der Stadt auf ihrem Land zu lösen.» Auf dem Dreispitz seien keine grossen, ungenutzten Flächen geplant. Für Räume mit alternativen Nutzungen, gerade für Jugendliche, setze sich die CMS schon lange ein – aber auf anderen Arealen.

Die Absagen überraschen Ballmer nicht, da kulturelle Zwischennutzungen für Landeigentümer selten lukrativ sind. Umso mehr sieht sie die Regierung in der Pflicht, die optimistischen Pläne ihres Parteikollegen Morin doch noch zu verwirklichen. Dazu hat sie die Regierung mit einem Vorstoss beauftragt: Diese muss Instrumente zur Vereinfachung von Zwischennutzungen schaffen.