Die letzten Töne von Adeles «Some-
one like you» verklingen, Wesline Mbeheu, die 13-jährige Sängerin, fällt auf der Bühne auf die Knie. Mit Tränen in den Augen bedankt sie sich.

Überraschende Auftritte

Mbeheu ist die letzte Künstlerin, die in der musikalischen Revue von Tom Ryser zur Feier des 70-Jahre-Jubiläums der Basler Freizeitaktionen (BFA) singt. Zweimal stand sie dieses Wochenende im Scheinwerferlicht des Schauspielhauses. Sie hat das Selbstbewusstsein der heutigen Jugend, die ihre Talente nutzt und das Rampenlicht nicht scheut. Mit sicherer Art und ihrer vollen Stimme beeindruckt das junge Mädchen das Publikum – doch für die grösste Überraschung sorgt ein anderer Auftritt.

Kritik statt Selbstlob

Black Tiger, das Basler Hip-Hop Urgestein, wird mit Applaus empfangen – in breiten Schritten und mit einem typischen Beat im Hintergrund stolziert er auf die Bühne. Sonnenbrille, Baseball Cap und die übertriebene Goldkette sitzen, es könnte das Jahr 1995 sein. Schnell erweckt der Künstler den Eindruck, sich vor allem selbst feiern zu wollen – bis die Musik ausgeht und er sich seiner Accessoires entledigt. Was folgt, sind zwei Minuten Kritik an der Blindheit der Welt und der Ignoranz der Jugend, die sich nicht darum kümmert, welche Auswirkungen ihr Handeln hat – alles in einen Rap verpackt. Nach dem Statement, in dem es sich Black Tiger nicht nehmen lässt, auch kritisch gegen die (anwesenden) Medien zu schiessen, verlässt er die Bühne wieder. Das am Geburtstag der BFA nicht nur gefeiert wird, sondern es auch Platz für pointierte Kritik hat, gibt dem Anlass Tiefe und regt zum Nachdenken an.

Buntes, aktives Publikum

Die Besucher der Premiere liessen sich mitreissen von der musikalischen Rückblende. Besonders die Jimmy-Hendrix-Coverband reisst die älteren Personen im Publikum von den Stühlen und lässt sie tanzen – auf der Bühne, auf der auch das Stück aufgeführt wird. Ein gewünschter Effekt, zu dem die Moderatoren im Frack, Vera von Gunten und Philippe Graff, auch wiederholt aufrufen. Das gesamte Bühnenkonzept mutet fremd an – die Bar steht am Rand der Bühne, man muss quer durch das Schauspiel laufen, um eine Erfrischung zu erhalten. Einige wagen dieses Experiment. Das Stück spielt zwischen zwei erhöhten Podesten, das Publikum hat von links und rechts Einblick in das Geschehen. Tuscheleien an der Wand werden ebenso bemerkt wie der Bierverbrauch einzelner Besucher. Trotz dieser Offenheit wirkt der Anlass durchstrukturiert.

Die musikalische Bandbreite lässt an diesem Abend wenig offen. Von Gunten und Graff sind charmante Gastgeber, Geschichtenerzähler, Schauspieler und Moderatoren zugleich. Sie erzählen Anekdoten aus 70 Jahren BFA, von Wandertagen, Jugendunruhen und der Gründung des Sommercasinos. Dies löst Diskussionen zum Thema Jugend und Freiräume aus – auch heute ist das Thema noch aktuell. Ohne sich anzubiedern, hat es BFA fertiggebracht, sich selbst ein Zeichen zu setzen. Pünktlich zum Geburtstag gilt nun auch der neue Name: JuArBasel.