Coronavirus

Basler Gastroszene am Abgrund: «In diesem Spannungsfeld können wir nur verlieren»

Zu den Trennwänden in den Bars kommen nun verschärfte Regeln für die Maskenpflicht und die Erhebung der Kontaktdaten.

Zu den Trennwänden in den Bars kommen nun verschärfte Regeln für die Maskenpflicht und die Erhebung der Kontaktdaten.

Die neuen Coronamassnahmen haben Clubs und Cafés hart getroffen. Einige Basler Betriebe ziehen radikale Konsequenzen in Betracht.

Die einen haben Angst, sich mit Covid-19 anzustecken, wenn sie sich in ein Restaurant setzen. Die anderen fürchten wegen eines einzigen Kaffees am Nachmittag in Quarantäne zu müssen. Das Gastro- und Nachtleben ist unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr attraktiv.

Zu den Sorgen, sich anzustecken, kommt der Aufwand, die Kontaktdaten abgeben zu müssen und neu die Regel, dass Getränke nur im Sitzen konsumiert werden können. So oder so: Die neuen, verschärften Massnahmen des Bundes zur Eindämmung der Pandemie bedeuten eine weitere Bürde für die Gastronomie.

Für die Betreiber des «Nordstern» in Basel war bereits am Montag klar, dass der Betrieb so nicht aufrechterhalten werden kann. Sie beschlossen, den Club bis auf weiteres zu schliessen. Nun ziehen auch weitere Clubs die Schliessung in Erwägung.

«Das Viertel» und «Balz» schliessen bis auf Weiteres

Für Valentin Aschwanden, Betreiber der Clubs Das Viertel und Balz, entstand nach der Bekanntgabe der neuen Massnahmen des Bundes am Sonntag erst einmal Verwirrung. «Uns war nicht klar, ob wir unseren Betrieb nun gemäss der Auflagen des Bundes oder der Kantone anpassen müssen», sagt er. «Wenn wir die Clubs in zig Sektoren unterteilen müssen, macht es keinen Sinn, weiterhin Veranstaltungen durchzuführen. Wenn aber weiterhin die 300er-Regel gilt, werden wir es versuchen.»

Nach der Basler Regierungsratssitzung am Dienstagmittag war klar: Mehr als 100 Personen dürfen ab sofort nicht mehr in einem Sektor feiern. Ob das nun definitiv die Schliessung der beiden Clubs bedeutet, konnte Aschwanden am Dienstag bis Redaktionsschluss nicht sagen; die Entscheidung werde im Verlauf des späten Abends oder dann am Mittwochmorgen gefällt, so der Clubbetreiber.

Am Mittwoch teilten die Betreiber des Clubs Das Viertel über Facebook mit, dass man bis auf Weiteres schliessen wird. Mit den neuesten Massnahmen sei weder ein wirtschaftlicher Betrieb noch ein zufriedenstellendes Kundenerlebnis möglich. 

Facebook Post Viertel Klub Basel

Am Mittwochnachmittag informierten auch die Betreiber der Balz, dass der Club im Steinenbachgässlein verübergehend gschlossen wird. In einer Mitteilung heisst es: «Wir können die nun erlassenen Massnahmen aufgrund der steigenden Infektionszahlen nachvollziehen und möchten uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung nicht entziehen und unsere Gäste, Mitarbeitenden und Freunden vor einer möglichen Ansteckung schützen.»

Erheben der Kontaktdaten ist das Hauptproblem

Die im Sommer ins Leben gerufene Taskforce Nachtkultur sieht die finanzielle Lage der Basler Szene bedroht: «Wir stehen grundsätzlich hinter den Massnahmen von Bund und Kantonen, aber man kann solche Regelungen nicht beschliessen, ohne an die Branche zu denken und Ausfallentschädigungen anzubieten», sagt Jo Vergeat, Mitglied der Taskforce Nachtkultur und Grossrätin (Grünes Bündnis). «Werden Bund und Kantone diesbezüglich nichts beschliessen, werden wir und auch andere Verbände den Druck erhöhen müssen.»

Für die Betreiber von Cafés und Bars stelle dagegen das Erheben der Kontaktdaten das Hauptproblem dar, urteilt Maurus Ebneter, der Präsident des Basler Wirteverbands. «Ich befürchte, dass manche Personen abwägen, ob sie für einen Kaffee am Nachmittag oder ein Bier am Abend riskieren wollen, in Quarantäne zu müssen – und sich dann gegen den Besuch im Lokal entscheiden.»

Dennoch wünschen sich die Gastronomen nicht, dass die Massnahmen gelockert werden. Denn auch das würde Verluste für sie bedeuten. Pierre Mendy, Geschäftsführer des Restaurants Avant Gouz, berichtet, dass bereits am vergangenen Wochenende einige Reservationen storniert worden sind: «Wir haben sehr stark gespürt, dass unsere Gäste aufgrund der steigenden Fallzahlen Angst bekommen haben, sich im Restaurant anzustecken.» Ebneter kommentiert: «In diesem Spannungsfeld können wir Gastronomen nur verlieren.»

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