Sanierungsbedürftig

Basler gegen Baselbieter: Gartenbad-Sanierung im Joggeli wegen Kantonsstreit blockiert

Schön klar: So sah das Gartenbad St. Jakob bei seiner Eröffnung 1955 aus. Rechts oben das «Käschteligebäude». Viele der in der Zwischenzeit durchgeführten baulichen Anpassungen bereiten der Denkmalpflege Bauchweh.

Schön klar: So sah das Gartenbad St. Jakob bei seiner Eröffnung 1955 aus. Rechts oben das «Käschteligebäude». Viele der in der Zwischenzeit durchgeführten baulichen Anpassungen bereiten der Denkmalpflege Bauchweh.

Die dringend notwendig Sanierung des Gartenbads St. Jakob ist blockiert. Schuld daran sind neue Abrisspläne des Eigentümers.

Das Restaurant soll abgerissen und im so genannten «Käschteligebäude» rechts beim Eingang integriert werden. Dafür braucht es einen Totalumbau des Garderobentrakts. Es sind diese Pläne, welche die Baselbieter Denkmal- und Heimatschutzkommission in Alarmstimmung versetzt haben.

Ort des Geschehnisses ist das Gartenbad St. Jakob, «eine architektonische Ikone der klassischen Moderne», wie Kommissionspräsident Hansjörg Stalder nicht müde wird zu betonen. Von den Basler Architekten Max Rasser und Tibère Vadi 1954 erbaut, 1955 eröffnet und 1969 mit dem Restaurant-Gebäude erweitert, befindet sich das Joggeli-Bad auf Münchensteiner Boden und fällt somit in die Zuständigkeit der Kantonalen Denkmalpflege Basel-Landschaft. Eigentümer ist aber Immobilien Basel-Stadt. Die Dienststelle des Finanzdepartements will endlich mit der überfälligen Totalsanierung vorwärtsmachen.

«Die Pistole auf die Brust gesetzt»

Nach verschiedenen vergeblichen Anläufen setzte Immobilien Basel-Stadt den Baselbietern mit den Abrissplänen «die Pistole auf die Brust», wie es Kommissionsmitglied und Architekt Gerrit Sell bewusst flapsig formuliert. Nicht nur das: Bei einer gemeinsamen Begehung des Bads fielen der Denkmal- und Heimatschutzkommission zahlreiche, über die Jahre hinweg vorgenommene kleinere Anpassungen und bauliche Veränderungen auf. «Diese verfälschen den Charakter der Anlage. Bei solchem Flickwerk lebt die Architektur nicht mehr», sorgt sich Kommissionspräsident Stalder. Architekt Sell fasst die Haltung der Kommission so zusammen: «Das Bewusstsein ist nicht vorhanden, dass bei allen Veränderungen an einem solch bedeutenden Baudenkmal ein kohärentes Vorgehen nötig ist. Es braucht ein Konzept, wie man nicht nur einmalig, sondern auch künftige Sanierungen durchführen kann.» Genau diese Forderung steht den Basler Abrissplänen diametral entgegen und sorgt für eine Blockade, deren Ende noch nicht absehbar ist.

An der Ernsthaftigkeit ihrer Absichten lässt die Baselbieter Denkmalpflege keinen Zweifel. Der Antrag zuhanden des Regierungsrats auf offizielle Unterschutzstellung sei in Vorbereitung, heisst es im kürzlich publizierten Jahresbericht der Denkmal- und Heimatschutzkommission. Dies auch deshalb, um die Position der Denkmalpflege gegenüber Immobilien Basel-Stadt zu stärken, wie Präsident Stalder freimütig einräumt. Aktuell ist das Joggeli-Bad «bloss» im Bauinventar aufgeführt, was im Gegensatz zum Heimat- und Denkmalschutz die unterste kantonale Schutzstufe darstellt.

Inzwischen ruhen alle Hoffnungen, die Blockade zu lösen, auf einem Gutachten, in dem externe Experten den architektonischen Wert der Anlage genauer beurteilen sollen. Die Resultate könnten die Grundlage zum gewünschten «Masterplan Gartenbad» bilden, aus dem sich alle weiteren Sanierungspläne ableiten. Auf Anregung der Baselbieter Denkmal- und Heimatschutzkommission habe sich Immobilien Basel-Stadt dazu bereit erklärt, ein solches Gutachten zu erstellen, erzählt Hansjörg Stalder. Die Ergebnisse wurden ursprünglich für Ende Juni in Aussicht gestellt, gesehen hat den fertigen Bericht in Baselland aber noch niemand.

Rückendeckung aus der Stadt

Architekt Gerrit Sell vermutet, die Publikation würde in Basel bewusst zurückgehalten, da die Ergebnisse den Planungen der Eigentümer entgegen liefen. Barbara Neidhart, Sprecherin von Immobilien Basel-Stadt, will mit Verweis auf das laufende Verfahren keinerlei Auskunft geben zum Thema Gartenbad St. Jakob, ja nicht einmal die Existenz des Gutachtens bestätigen.

«Letztlich ist es der klassische Konflikt zwischen dem Eigentümer und dem Denkmalschützer, der die bauliche Substanz erhalten will», sagt Stalder. Eine Lösung liesse sich nur gemeinsam finden. Unterstützung erhalten die Baselbieter von Christof Wamister, dem Obmann des Basler Heimatschutzes: «Die regionalen Bauten der klassischen und gemässigten Moderne verdienen Wertschätzung», stellte Wamister unlängst in Bezug auf das Joggeli-Bad fest. Für Stalder stellt es immerhin ein hoffnungsvolles Signal im Hinblick auf eine gemeinsame Lösung dar, dass Immobilien Basel-Stadt die Idee des Gutachtens aufgenommen und finanziert hat. Selbst wenn dabei vermutlich nicht das herausgekommen ist, was der bauwillige Eigentümer gerne gelesen hätte.

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