Modegeschäft

Basler Geschäfte verweigern sich der Rabattschlacht der grösseren Ladenketten

Der Laden Kleinbasel in der Schneidergasse verzichtet auf den Ausverkauf.

Der Laden Kleinbasel in der Schneidergasse verzichtet auf den Ausverkauf.

Oft bleibt kleineren Modegeschäften nichts anderes übrig, als mitzuziehen, wenn Ladenketten reduzieren. Doch dieses Jahr machen die Kleinen in der Region gemeinsame Sache und setzen die Preise nicht herunter. Doch nicht alle ziehen mit.

Nahezu zwei Monate lang null Umsatz bei gleichbleibenden Fixkosten: Der Lockdown infolge der Corona-Pandemie versetzte den Modegeschäften einen heftigen Schlag. Bereits vor deren Wiedereröffnung am 11. Mai waren sich Experten in den Medien einig: Es stehe eine nie dagewesene Rabattschlacht bevor. Denn die Frühjahrs- und Sommerkollektionen, die sich nun in den Lagern anhäufen, verlieren an Wert. Da scheint der Ausverkauf der einzige Weg, um Ware loszuwerden.

Ein Augenschein in der Basler Innenstadt bestätigt die Prognosen – zumindest bei Ketten: So startete etwa Tally Weijl am Marktplatz mit einem Flash-Sale bis zu 50 Prozent. Das Warenhaus Manor wiederum hat Teile der Bademodenkollektion bereits um 30 Prozent reduziert.

Kein Ausverkauf als Zeichen der Solidarität

Ein unausgesprochenes Gesetz in der Basler Ladenlandschaft: Wenn die Grossen die Preise reduzieren, bleibt den Kleinen nichts anderes übrig, als mitzuziehen. Doch in diesem Frühling ist alles anders. Statt dem Mega-Ausverkauf zu folgen, haben viele Läden beschlossen, den Sale erst im Juli oder August zu starten – wenn überhaupt. Sie folgen einer entsprechenden Idee von Vanessa Del Moral, Inhaberin der Boutique Naked an der Henric Petri-Strasse in Basel. Vor wenigen Tagen hat sie dutzende Kolleginnen und Kollegen angerufen, wie sie bestätigt: «Der Lockdown hat die Verkaufsphase mit nichtreduzierten Preisen stark verkürzt. Wenn wir jetzt alle in einem stillen Agreement auf den Ausverkauf verzichten oder ihn hinauszögern, setzen wir ein Zeichen der Solidarität untereinander. Dieses Bekenntnis schafft auch Klarheit für den Kunden.»

Sie habe meist positive Reaktionen erhalten, sagt Del Moral. Zu ihnen gehört Tanja Klein mit ihrer Marke Kleinbasel. Im Geschäft an der Schneidergasse werde es in diesem Sommer gar keinen Sale geben, sagt sie zur bz: «Ich bewege mich in einem nachhaltigen Segment. Die meisten Kunden schätzen genau das, deshalb denke ich, werden sie bereit sein, den vollen Preis zu bezahlen.» Mit diesem Schritt stehe sie für Schweizer Design ein, «wenn nicht jetzt, wann dann? Die Verluste aus der Zeit des Lockdowns sind gross, da kann ich nicht auch noch den Preis mindern». Laut Klein solle das keine einmalige Sache bleiben: «Es wird bei <Kleinbasel> überhaupt keinen Ausverkauf mehr geben. Ich wehre mich gegen das System der Entwertung.»

Das Basler Modelabel Tarzan mit Läden am Spalenberg und der Schneidergasse zieht bei der Initiative von Del Moral ebenso mit – zumindest bis Ende Juni werde es in den Geschäften keine Rabatte geben, sagt Mitinhaber Manuel Rieder. «Danach müssen wir schauen. Es ist im Moment schwierig, die Entwicklung vorauszusagen.»

Die Initiative erzeugt auch Druck

Doch nicht alle sind begeistert. Ein Ladenbesitzer, der anonym bleiben will, sagt, er halte nichts von solchen Absprachen: «Der Aufruf hat ziemlich Druck auf mich erzeugt.» Er habe trotzdem entschieden, die Preise ab sofort herunterzusetzen. «Sonst bleibe ich auf der Ware sitzen.» Damit konfrontiert, betont Del Moral, dass kein Zwang bestehe, mitzumachen. Die Denkweise respektiere sie, aber: «Das wird vielleicht kurzfristig Liquiditätslöcher stopfen. Langfristig können wir Kleinen mit dem gängigen Ausverkaufssystem nicht überleben. Bei uns im Geschäft haben sich dieses klare Strukturen bewährt.»
Ganz ohne Rabatte geht es allerdings auch nicht bei Tanja Klein. Ab Mitte Juni funktioniert sie ihren Showroom im Imbergässlein zum Atelier-Shop um, wo Prototypen, Muster und Stücke aus älteren Kollektionen günstig verkauft werden. «Diese Trennung ist für mich vertretbar. So wird der Hauptladen nicht mit Prozentschildern abgewertet.»

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