Die Basler Gesundheitskosten explodieren und sie sind ein wesentlicher Faktor dieser Entwicklung: Spezialärzte. In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Spezialarztpraxen in Basel-Stadt stark zugenommen. 2011 waren es noch 380 Praxen. 2016 bereits 534, neuere Zahlen existieren nicht. Dies zeigt eine Auswertung des Statistischen Amts. Es ist eine Zunahme von rund 40 Prozent.

Auch im Baselbiet ist diese Tendenz erkennbar. Doch im schweizweiten Vergleich der Ärztedichte schwingt Basel-Stadt klar obenaus, während sich der Landkanton eher im Mittelfeld bewegt.

Es ist ein Teufelskreis: Mit einem zunehmend besseren Angebot an Kardiologen, Orthopädinnen und Hautärzten sinkt die Hemmschwelle, direkt einen Spezialisten aufzusuchen – obwohl auch der um ein Vielfaches günstigere Hausarzt das Leiden therapieren könnte. So steigt die Nachfrage und weitere Praxen steigen in den lukrativen Wettbewerb um Patienten. Spezialärzte verdienen im Schnitt deutlich besser als Allgemeinmediziner.

Die Leidtragenden sind die Prämienzahler. In einem Bericht der grossrätlichen Gesundheitskommission steht der Satz: «Jede neu eröffnete Arztpraxis belastet die obligatorische Grundversicherung mit durchschnittlich 300'000 bis 500'000 Franken pro Jahr.» Eine Milchbüchlein-Rechnung über den genannten Zeitraum ergibt damit eine maximale Mehrbelastung der Grundversicherung von 228 Millionen.

Der Kanton ist machtlos

Das ist vor allem deshalb ärgerlich, weil der kantonalen Politik derzeit die Hände gebunden sind. Zwar verfügen die Kantone seit einigen Jahren über die Möglichkeit, einen Zulassungsstopp zu verhängen. Doch dieser erlaube «keine Regelung und griffige Steuerung», wie das Basler Gesundheitsdepartement auf Anfrage verlauten lässt. Das Bundesrecht schreibt Ausnahmen vor. Ausgenommen vom Zulassungsstopp sind nämlich Ärztinnen und Ärzte, die während dreier Jahren in einem Schweizer Spital mit Weiterbildungsstatus gearbeitet haben. «Das trifft eigentlich auf alle Assistenzärzte zu», sagt Sarah Wyss (SP), Präsidentin der Gesundheitskommission.

Die Macht, die geltenden Spielregeln zu ändern, obliegt dem Bundesparlament. Dieses hat im vergangenen Dezember allerdings erst eine Fristerstreckung beschlossen – eine Verschärfung der Bestimmungen steht noch aus. «Für unseren Kanton wäre eine solche essenziell», sagt Wyss.

Die Entwicklung im Bereich der Spezialarztpraxen lässt sich nicht nur demografisch erklären. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Arztpraxen von Grundversorgern gleich geblieben, hat sogar leicht abgenommen. Dabei wären Hausärzte vom Zulassungsstopp ebenfalls ausgenommen. Gleiches gilt für die Zahnärzte.

Immer mehr Homöopathen

Ein weiterer Bereich der Gesundheitsversorgung mit starker Wachstumstendenz ist die Komplementärmedizin. Das zeigt ein Blick in eine andere Statistik des Kantons. Während 1999 sechs Akupunkteure, Chinesiologinnen oder Naturheilkundler über eine Praxisbewilligung verfügten, waren es im Jahr 2017 bereits 212.

Mit einem weiteren Zuwachs ist indes zu rechnen: Komplementärmedizin ist erst seit zwei Jahren in der Grundversorgung inbegriffen.