Muba
Basler Goldschmiede zeigen den Glanz des Handwerks

24 Basler Goldschmiede präsentieren einzigartige Kreationen. Der Verein «Kunst-Hand-Werk» will die Kultur des handwerklichen Schmucks dem Publikum wieder näher bringen.

Muriel Mercier
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Die Goldschmiede Christof Christen und Alex Degen (r.) an der Ausstellung «halsfrei». juri junkov

Die Goldschmiede Christof Christen und Alex Degen (r.) an der Ausstellung «halsfrei». juri junkov

Fantasie kennt keine Grenzen bei den Basler Goldschmieden, die im Rahmen der Ausstellung «Halsfrei» an der Muba ihre Kreationen zeigen. Nur schon die Namen, die sie sich für ihre Prunkstücke ausgedacht haben, beweisen Kreativität. «Seinundschein» heisst die Halskette, die Aline Senn geschaffen hat.

Ähnlich einer zerknüllten Alufolie hängen unzählige silberne Bällchen an Stahlkabeln – einerseits verspielt, andererseits aber auch sehr technisch, wirkt das Kunststück. Michel Fankhauser tauft sein Kunstwerk auf den Namen «R(h)einschmuck». Das Medaillon ist eine mundgeblasene Glasperle, gefüllt mit Wasser und Kieselsteinen aus dem Rhein.

Collier aus Korallen

Um in der Messehalle 1 ausstellen zu dürfen, gab es für die 24 Basler Goldschmiede nur eine Auflage. Sie mussten ein Schmuckstück schaffen, das man um den Hals tragen kann, erklärt Künstler Christof Senn. Er selber lernte in Italien vor einigen Jahren einen Korallenschleifer kennen. Angetan von dessen Arbeit, heuerte Christen diesen an, ihm Korallenäste zu schleifen. «Die richtige Zusammenstellung der Äste und deren Bearbeitung dauerte etwa fünf Jahre», führt er aus. «Das Schönste aus dem Meer» nennt der 58-Jährige sein Collier.

Erich Frösch widmete sich bei seiner Arbeit dem Thema «Verführung». Eigentlich habe er Adam und Eva mit der Schlange und dem Apfel darstellen wollen. Aber: «Das liess sich technisch nicht verwirklichen.» Nun legt sich eine schlanke Schlange um den Hals der künftigen Kettenträgerin, das Medaillon daran ist der Apfel.

Plattform für Nachwuchs schaffen

Neben der 24 ausgebildeten Goldschmieden dürfen an der Muba auch neun Goldschmiedlehrlinge ihre Kunstwerke präsentieren. Diese nahmen gar an einem Wettbewerb teil mit der Aufgabe, der Halsschmuck müsse im Motiv einen Beruf darstellen. Die Erstplatzierte wählte den Tätowierer, die Zweitplatzierte den Zahntechniker, Bronzemedaille gewann eine junge Frau, die sich mit dem Beruf des Konditors auseinandergesetzt hatte.

Der Wettbewerb wurde auch lanciert, um jungen Goldschmieden eine Plattform zu geben, erklärt Alex Degen. Er ist Präsident des Vereins «Kunst-Hand-Werk», der vor zwei Jahren gegründet wurde. «Wir wollen die Kultur des handwerklichen Schmucks mit Ausstellungen einem breiteren Publikum zugänglich machen.» An Goldschmied-Nachwuchs mangle es zwar nicht, aber: «Wir wollen den Leuten den Glanz des handwerklichen Schmucks näher bringen», sagt Degen. Denn: «Die Goldschmiede werden heute zwischen den Juwelier-Firmen und Billig-Geschäften beinahe erdrückt.»