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Basler Gondolieri unterwegs mit Arisdörfer Fussballern

Sandra Gratwohl vom Sportmuseum spricht mit dem Freizeitfussballer Thilo Mangold vom Sportmuseum über seine ungarischen Wurzeln und seine Beziehung zum Wasser.

Sandra Gratwohl vom Sportmuseum spricht mit dem Freizeitfussballer Thilo Mangold vom Sportmuseum über seine ungarischen Wurzeln und seine Beziehung zum Wasser.

Für einmal stehen im Mittelpunkt der Rheinserie jene, die auf dem Fluss schwitzen, statt sich in ihm abzukühlen.

Eine Fahrt auf dem Langschiff gehört zu jeder Mainstream-Tour, die das Sportmuseum noch bis Ende August im, am und auf dem Rhein anbietet. Gesteuert wird das Schiff vom Rhein-Club Basel (RCB), dem ältesten Wasserfahrverein Basels.

Wasserfahrer und Ruderer hatten sich bereits vor über 130 Jahren auf dem Rhein bewegt – also lange bevor die Stadt ihren Fluss und sein Ufer als Flaniermeile und Badeort entdeckte. Damals herrschte die Sechs-Tage-Woche, man hatte kaum Zeit für Freizeitaktivitäten. Neun Männer gründeten 1883 den Rhein-Club Basel, um gemeinsam das Wasserfahren als Sport auszuüben. Bei der Polizei wurde eine Bewilligung eingeholt und dem Feuerwehrkommando mitgeteilt, dass der Rhein-Club bei Hochwasser Mitglieder und Fahrmaterial zur Verfügung stelle. Sie trainierten sonntags von 6 bis 8 Uhr in der Früh.

Wenig Betrieb auf dem Bach

Damals waren nur Fischer und Flösser auf dem Rhein. Heute ist das Wasserfahren eine von vielen Möglichkeiten, den Fluss zu geniessen. Er ist stärker bevölkert denn je. «Die zahlreichen Menschen am Ufer schauen oft neidisch, wenn wir den Weidling geräuschlos und elegant wie ein venezianischer Gondoliere auf dem Rhein bewegen», erzählte Franz Amann, Fahrchef des RCB. Die Rheinschwimmer seien kein Hindernis – im Gegensatz zu den Wellen der Motorboote.

Darum habe man sich mit den Wasserskifahrern geeinigt, dass sie an anderen Wochentagen auf dem Rhein trainieren. «Das belebte Rheinbord stört uns nicht. Im Gegenteil. Die Grilldüfte verstärken den Appetit aufs Nachtessen nach dem Training», meint Amann scherzhaft.

Der Kapitän des Mainstream-Langschiffs kennt den Rhein schon lange: «Als ich 1980 mit dem Wasserfahren begann, roch der Rhein noch übel. Weil wir im Clubhaus duschen konnten, schwammen wir ab und zu trotzdem.» Dank Kläranlagen und der Sensibilisierung für das Ökosystem Rhein habe sich die Wasserqualität nach dem grossen Chemieunfall 1986 von Jahr zu Jahr verbessert, berichtet Amann.

Gast auf dem Langschiff war letzte Woche der Lietsch City F. C. Zur Erinnerung daran, dass der Fussball in Basel in einem Rhein-Wassersport wurzelt. Ruderer des Basler Ruder-Clubs hatten 1893 die Gründung des FCB mitinitiiert.

Fussballer mit Wickelfisch

er Lietsch City F. C. wiederum wurde mitgegründet von Thilo Mangold, Spezialgast auf dem dritten Mainstream-Rundgang. Der ungarischstämmige Mangold verglich den Rheinschwumm mit einem Bad im Balaton. Beide Gewässer vereine Gemütlichkeit: Während man sich im Rhein auf einem Wickelfisch liegend «dr Bach ab» treiben lässt, müsse man auch im Balaton aufgrund der geringen Wassertiefe kein guter Schwimmer sein.

Stimmt nicht ganz. Thilo Mangold, gebürtiger Baselbieter, musste gegen den Strom schwimmen, als er nach 1989 erstmals am Balaton Urlaub machte. Kurz nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs hätten dort «im Verhältnis zur Infrastruktur nur noch wenige Menschen gebadet». Die Stammgäste zog es nach Westen.

*Alexandra Dill ist im Sportmuseum Schweiz Mitglied der Museumsleitung.

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