Geschlossene Banken, begrenzte Bargeldbezüge an Geldautomaten und Einschränkungen bei Überweisungen, dazu die stete Unsicherheit, was der nächste Tag bringen wird: Die griechische Bevölkerung ist derzeit nicht zu beneiden. Auch die rund 500 Griechinnen und Griechen, die in den beiden Basel wohnen, verfolgen die Situation in ihrem Heimatland mit grosser Sorge.

Die allermeisten von ihnen stehen in engem Kontakt zu Familienangehörigen und Bekannten und helfen, wo sie können. «Ich habe bereits mehrere Familienmitglieder in die Schweiz geholt und ihnen Arbeit gegeben», sagt Salvatore De Feo vom Restaurant «Griechische Taverne» in Münchenstein. «Aber jeden Tag erhalte ich weitere Anfragen und muss absagen. Das ist schon eine sehr schwierige Situation für uns.» Bis jetzt sei es noch erträglich gewesen, denn irgendwie sei Griechenland immer wieder gerettet worden, aber seit dem vorzeitigen Verhandlungsabbruch regiere die Angst, sagt einer seiner Angestellten. «Wenn plötzlich Medikamente fehlen oder das Benzin an den Tankstellen, dann ist das eine Notsituation, auch für uns Griechen, die eigentlich mit wenig zufrieden sind», schildert Koch Panagiotis Magos die Situation.

Gemeinschaft gibt Hoffnung

Das Küchenradio in der Taverne läuft derzeit von früh morgens bis spät in die Nacht, weil keiner der griechischen Angestellten die neuesten Informationen verpassen will. So auch der 32-jährige Petros Petrou, der seit zwei Jahren in Münchenstein arbeitet. «Ich telefoniere täglich mit meiner Familie und schicke ihr Geld. Wenn es meiner Mutter nicht gut geht, geht es mir auch nicht gut», so der studierte Ökonom, der nach seinem Uniabschluss als Securitas arbeitete, bis sein Arbeitgeber die 400 Euro Monatslohn nicht mehr regelmässig bezahlte. «Der Chef sagte nur: Geh wenn du willst, ich habe 10 000 andere, die dich ersetzen.»

Ganz ohne Hoffnung sind die drei «Taverne»-Griechen aber nicht. Sie sagen, dass der Gemeinschaftssinn ihr Volk stark mache und dass auch die aktuelle Situation überstanden werde. «Gerade auf dem Land wissen sich die Leute gegenseitig zu helfen. Der Fischer verteilt den Fisch notfalls auch gratis – und irgendwann werden die Banken auch wieder aufgehen», sind sie sich sicher.

Diesen starken Gemeinschaftssinn streicht auch Katherina Wahli Savvidis, Präsidentin des Griechischen Kulturvereins in Basel, hervor. Erst vor zwei Wochen sei sie in Griechenland gewesen und habe festgestellt, dass Produkte vermehrt getauscht würden, Gemüse gegen Fleisch, Fisch gegen Eier. «In den grossen Städten hingegen ist die Situation schlimmer, dort müssen teilweise auch Mittelschicht-Familien in den Kirchen um Essen betteln», erzählt die Griechin, die seit 52 Jahren in Basel lebt.

Ausland-Griechen ohne Stimme

Wie es mit ihrem Land weitergehen soll, wissen weder Wahli noch die Taverne-Angestellten. Mitbestimmen dürfen sie sowieso nicht, denn Ausland-Griechen haben kein Stimm- und Wahlrecht. «Dass wir an dieser schicksalhaften Abstimmung nicht mitmachen dürfen, ärgert mich», sagt Petrou. Und sein Kollege Magos fügt an, dass dies für ihn, der seit 58 Jahren in der Schweiz lebe, schon lange unverständlich sei. «In praktisch jedem europäischen Land kann auch aus dem Ausland abgestimmt werden, aber nicht in Griechenland.» Wobei das in der aktuellen Situation wohl noch das kleinste Problem sei.