Ein deutliches Zeichen sei wichtiger denn je. Davon ist Stephan Luethi-Brüderlin überzeugt. Der SP-Grossrat verweist auf mehrere Vandalenakte, die erst vor kurzem auf eine jüdische Metzgerei in Basel verübt worden sind. Vermutet wird ein rassistischer oder antisemitischer Hintergrund. «Das zeigt, dass solches Gedankengut nach wie vor vorhanden ist», sagt Luethi.

Dem SP-Politiker und seinen Mitstreitern geht es in erster Linie um ein Symbol. So fragt er die Basler Regierung an, zu prüfen, Anne Frank als bekanntes Symbol für die Geschichte der jüdischen Bevölkerung im 20. Jahrhundert mit der Benennung einer Strasse oder eines Platzes auszuzeichnen. Unterstützt wird Luethi dabei von 32 Grossratsmitgliedern – von links bis rechts.

Bisher ohne Erfolg

Ein solches Zeichen würde Basel gut anstehen, findet Luethi. Immerhin habe Vater Otto Frank die Stimme seiner Tochter von Basel aus in die Welt hinaus tragen lassen. «Ganze Generationen hiesiger Schülerinnen und Schüler wurden durch das Tagebuch der Anne Frank in einer sehr direkten, persönlichen Art auf die humanitäre Katastrophe, die sich unmittelbar jenseits unserer Landesgrenzen abgespielt hat, sensibilisiert.»

Aber nicht nur Vater Otto habe jahrzehntelang in Birsfelden gelebt, auch der inzwischen verstorbene Cousin Bernhard «Buddy» Elias habe sich in Basel um das aufklärerische Erbe von Anne Frank sehr bemüht.

SP-Grossrat Luethi hatte schon 2009 einen Anlauf unternommen und angefragt, ob Basel Anne Frank in Form einer Strassenbenennung zu bleibender Erinnerung verhelfen könne – ohne Erfolg. Die zuständige Nomenklaturkommission hatte den Namen zwar als grundsätzlich geeignet bezeichnet, zumal Anne Frank eine Ergänzung zu Theodor Herzl bilden würde, nach dem wegen seines direkten Bezugs zur Stadt eine Strasse benannt ist. Es sei aber regelmässig nicht möglich, Benennungsvorschläge sofort und in der vorgeschlagenen Form umzusetzen.

Davon aber lassen sich die 33 Grossratsmitglieder, die den Vorstoss unterzeichnet haben, nicht entmutigen. Unverdrossen nehmen sie einen neuen Anlauf. Die einst abschlägig beantwortete Anfrage verdiene eine Neubeurteilung, geben sie sich überzeugt.

Und die Parlamentarier haben auch schon konkrete Vorstellungen, welcher Ort in Basel zum Handkuss kommen könnte: die Kleinbasler Rheinterrasse mit der sitzenden Helvetia-Figur. Immerhin sei es der Rhein, welcher Basel als Lebensmittelpunkt von Buddy Elias, Birsfelden als Wohnort von Vater Otto und Amsterdam als mehrjähriger Aufenthaltort von Anne Frank und ihrer Familie verbindet.