«Ich habe bereits im Dezember angefangen, meinen Vorstoss zu schreiben», sagt Annemarie Pfeifer, Grossrätin der EVP. Sie will ihre Kritik an der Integrativen Schule nicht als reine Reaktion auf das Komitee «Starke Schule» verstanden wissen, welche das Bildungssystem grundsätzlich umgestalten, respektive zurückwandeln will. Aber: «Ich denke schon, dass wir nötige Justierungen am System machen sollten, bevor uns Baselbieter alles über den Haufen werfen.»

Die Kritik Pfeifers und ihrer Mitunterzeichner aus allen Fraktionen richtet sich auch nicht gegen Sammelfächer oder Ähnliches. Sie strebt Verbesserungen bei der Integrativen Schule an. Also am System, dass grundsätzlich alle Kinder zusammen die Schule besuchen sollen. Auch Kinder mit einer Hochbegabung, oder physisch oder psychisch behinderte Kinder. Der Zeitpunkt sei ideal, nun, da ein neuer Bildungsdirektor – Conradin Cramer (LDP) – angefangen habe, einige Korrekturen daran anzubringen. «Von allen Kantonen im Sonderpädagogik-Konkordat geht Basel-Stadt am weitesten», sagt Pfeifer. Und meint, mit diesem Maximum sei man wohl über das Ziel hinausgeschossen. Es sei nicht richtig, dass alle Förderstunden während des Regelunterrichts abgehalten werden.

Sorge um Angebote

«Ich erlebe immer wieder Eltern, die sich beklagen, ihr Kind verpasse so den regulären Unterricht und sei dadurch sozusagen doppelt benachteiligt», sagt die Psychologin. Es gehe in den Unterrichtsstunden dadurch auch viel zu unruhig zu und her «wie in einem Bahnhof». Ein Kind habe Förderunterricht, eines einen Termin bei einem Heilpädagogen und die anderen sässen in der Mathestunde. Pfeifer befürchtet auch, dass die speziellen, gewachsenen Strukturen ausserhalb der Schulen darunter so stark leiden würden, dass sie geschlossen werden müssen. So wie etwa die Gehörlosen- und Sprachheilschule, die sie in Gefahr sieht. Und das Angebot dieser Spezialschulen gehe weit darüber hinaus, was man an der Regelschule mit ein paar Extrastunden leisten könne. «Auch wenn sich die Teams hervorragend einsetzen». Die Sorge um die Spezialschulen war auch im Grossen Rat in den vergangenen Debatten ein Dauerbrenner.

Pfeifer und ihre Mitunterzeichner fordern deshalb zu allererst eine weitere Evaluation der Integrativen Schule. Eine erste hatte 2014 stattgefunden. Man solle dabei aber nicht nur darauf achten, wie es den Kindern mit einer Einschränkung oder einer Hochbegabung gehe, sondern auch die Entwicklung beim Lernerfolg der «normalen» Schüler genau beobachten.

Ein zweites Anliegen der Anzugsteller ist ein Vergleich mit den anderen Kantonen im Konkordat Sonderpädagogik. Wer schult wann wen in eine Regelklasse ein, wie viele ausserschulische Angebote gibt es, was hält man dort von den in Basels System verpönten Einführungsklassen für schwache Schülerinnen und Schüler?

Und zu guter Letzt folgt auch ein Vorschlag, wie man den Schulalltag beruhigen könnte, etwa durch sogenanntes «Teamteaching», also die Unterrichtsgestaltung durch mehrere Lehrer oder Pädagoginnen.

Für Pfeifer und Konsorten ist eine Einschränkung des integrativen Ansatzes kein Tabu. Ganz im Gegensatz zum offiziellen Credo des Erziehungsdepartementes, das auf seiner Internetpräsenz schreibt: «Die Integrative Schule nimmt alle Kinder auf. Oder anders formuliert: Sie schliesst kein Kind aus.» Pfeifer würde diese Gegensätze gerne überbrücken, bevor von jenseits der Birs die Breitseiten von Initiativen abgefeuert werden, für die das Komitee «Starke Schule» bekannt wurde.