Die bz hat in einer Analyse diesen Schritt begrüsst: Dies sei auch im Sinne der Stadt, die so eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Kulturpolitik betreiben könne. Der Basler SP-Grossrat Claudio Miozzari widerspricht.

Herr Miozzari, Sie fordern von Baselland eine massiv höhere Beteiligung an der Stadtkultur als bisher. Wäre Baselland dazu bereit, dann könnte die Stadt nicht mehr alleine ihre Kulturpolitik bestimmen.

Claudio Miozzari: Stimmt, aber ich sehe darin keinen Verlust, sondern einen Gewinn. Kulturpolitik kann nicht reine Kantonspolitik sein. Der mühsamen, aber letztlich wertvollen Auseinandersetzung mit dem Nachbarn müssen wir uns stellen – just weil es in jüngerer Vergangenheit mit der gescheiterten Spital- und Kantonsfusion Misstöne in der Partnerschaft gegeben hat.

Die Lebenswirklichkeit in der Region Basel zwingt die beiden Kantone zu einer Kulturpartnerschaft. Umso bedauerlicher ist, dass sich der Kanton Baselland mit dem neuen Kulturvertrag aus der Verantwortung stehlen will.

Eine paritätische Finanzierung und eine gemeinsame Politik darf keine Einbahnstrasse vom Land in die Stadt sein. Als Städter kämen Sie nicht umhin, sich mit der Land-Kultur zu befassen und Betriebe zu unterstützen.

Dessen bin ich mir bewusst. Aus meiner Sicht könnte man dann auch über ein stärkeres Engagement von Basel-Stadt für Augusta Raurica diskutieren. Ebenso denkbar ist, dass das Kantonsmuseum Baselland, das ebenfalls regionale Ausstrahlung hat, in ein gemeinsames Förder-Portfolio aufgenommen wird.

Was die Regierungen vorschlagen, ist etwas anderes: 9,6 Millionen Franken bezahlt Baselland künftig pro Jahr an die Stadt zur Abgeltung für die Zentrumskultur; die Stadt subventioniert ihre Kulturbetriebe künftig selber.

Ich kritisiere das aus zwei Gründen: Erstens sind 9,6 Millionen zu wenig. Der Betrag entspricht nicht den hohen Besucherzahlen aus dem Baselbiet in Institutionen wie dem Theater Basel, der Kaserne oder auch in kleineren Betrieben wie dem Bird’s Eye Jazz Club. Wir dürfen zudem nicht vergessen, dass die von vielen Baselbietern besuchten Museen von Baselland gar nicht unterstützt werden. Mit dem Vertrag wird der Betrag zementiert; es gibt keine dynamische Komponente, die etwa die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Kantone berücksichtigt.

Zweitens finde ich das Signal falsch: Der Rückzug von Baselland aus der Mitbestimmung in den Basler Kulturbetrieben ist kein Gewinn, sondern ein Bekenntnis-Verlust, der durch die Einsitznahme in den drei grössten, vom Land geförderten Playern nur teilweise aufgefangen wird.

Der alte, derzeit noch gültige Kulturvertrag ist auch nicht das Gelbe vom Ei: Baselland und Basel-Stadt vereinbarten gemeinsam, wer welche Betriebe alimentiert. Folge: Die Betriebe mussten jeweils zwei Subventionsgesuche stellen und waren den Launen der Partnerschaft ausgesetzt.

Einverstanden: Der alte Kulturvertrag ist überholt, einiges darin macht aus heutiger Sicht wenig Sinn. Gut fand ich aber, dass der Kanton Baselland nicht «nur» Geld gesprochen, sondern sich auch inhaltlich mit den Betrieben auseinandergesetzt hat. Dass diese Einflussnahme nun grösstenteils aufgegeben werden soll, ist für mich unverständlich.