Die GLP steht vor drei grossen Fragezeichen. Das Erste betrifft die internen Ausmarchungen. David Wüest-Rudin ist nicht mehr Präsident, Martina Bernasconi nicht mehr sein Vize. Ab sofort leitet die Notarin und Grossrätin Katja Christ die Geschicke der Partei. Doch nicht nur verabschiedeten die Grünliberalen an der Mitgliederversammlung vom Montag gleich zwei bekannte Gesichter aus dem Vorstand, der Umbruch ging auch nicht ohne Unstimmigkeiten über die Bühne. Bernasconi ist vom Vizepräsidium zurückgetreten, weil der Vorstand einstimmig Christ als Präsidentin wählte. Bernasconi macht keinen Hehl daraus, dass auch sie gerne dieses Amt bekleidet hätte. «Ich werde mich in Zukunft stärker auf die Fraktionsarbeit konzentrieren», sagt Bernasconi. Ihren Rücktritt erklärt sie auch damit, dass Christ ohne sie als Vizepräsidentin freier agieren könne. Die beiden Frauen werden sich in den kommenden Wochen duellieren.

Daran ist der zweite Punkt schuld: Weil CVP, FDP und LDP die Grünliberalen im Rennen um die Regierungswahlen aussen vor liessen und lieber mit der SVP ein Paket schnürten (bz vom 16. März), musste sich die GLP etwas einfallen lassen. Seit Montagabend ist klar: Sie wagt den Alleingang. Wer für die Hellgrünen den Regierungssitz erobern soll, ist noch offen. Fest steht hingegen: Es wird entweder auf Christ oder Bernasconi herauslaufen. Selbst wenn immer wieder auch Wüest-Rudin genannt wird: Seine Chancen auf eine Kandidatur tendieren gegen null. Denn Christ sagt: «Ich hätte mir eine weibliche Vertretung bei den Bürgerlichen gewünscht.» Sonst mangelt es der Partei an Frauen mit der nötigen politischen Erfahrung.

Interner Konkurrenzkampf

Christ selbst stünde intern dafür in der Poleposition, das hat die Parteiversammlung gezeigt. Zudem will Christ die Bildungspolitik zum zentralen Wahlkampfthema machen – ihr persönliches Steckenpferd, wie sie unlängst der «Schweiz am Sonntag» erklärte. Neu Präsidentin und dazu Regierungsratskandidatin? Das sehr hohe Pensum bezeichnet Christ sportlich als «Herausforderung». Auch ihre interne Mitkandidatin hegt Vorbehalte: «Christ hat zwei kleine Kinder. Das ist schon ein Einschnitt, das wird sie mitbedenken müssen», sagt Bernasconi. Sie spricht aus Erfahrung. 2014 trat sie gegen Lukas Engelberger an und erzielte insbesondere im ersten Wahlgang einen Achtungserfolg: 35 Prozent der Wählerstimmen erreichte die Vertreterin der Fünf-Prozent-Partei. Christ reagiert gelassen auf die Bedenken aus den eigenen Reihen: «Hier tappt man ein bisschen in die Frauenfalle: Auch Engelberger und Dürr haben kleine Kinder, für mich ist das ebenfalls kein Hinderungsgrund.» Intern sei dies bereits diskutiert worden, Bernasconi habe dies jetzt eben an die Medien getragen. Von einem angespannten Verhältnis der zwei Frauen will sie aber nichts wissen: «Wir verstehen uns sehr gut.»

Neben internen Machtkämpfen und der Ächtung durch die anderen Parteien kommt ein drittes Problem hinzu: die zunehmende Bedeutungslosigkeit. Dies gilt vor allem für die nationale Ebene, doch auch in Basel gelang es der Mittepartei im Herbst nicht, gemeinsam mit der CVP den Sitz von Markus Lehmann zu retten. Für Aufsehen sorgte zwar kürzlich der Vorstoss von Dieter Werthemann, die Steuern in Basel-Stadt zu senken. CVP-Präsidentin Andrea Strahm räumt der grünliberalen Partei dennoch nicht allzu hohe Chancen auf einen Wahlerfolg ein: «Für die GLP wird diese Kandidatur sehr schwierig.»

Chancenlose Kandidatur?

Den Vorwurf, die GLP kandidiere nur, um sich für die Grossratswahlen Gehör zu verschaffen, hat Christ bereits oft gehört. Sie sagt: «Wir würden nicht kandidieren, wenn wir nicht eine reelle Chance hätten, gewählt zu werden.» Auf Rechenspiele will sie sich nicht einlassen, sagt aber: «Es ist durchaus denkbar, dass es einen zweiten Wahlgang gibt. Dort sind unsere Chancen sehr intakt.» Sie spielt damit auf die Möglichkeit an, dass einige gemässigte Bürgerliche den SVP-Kandidaten Lorenz Nägelin nicht wählen könnten. Sollte dieser Anteil gross genug sein, könnte eine bürgerliche Mehrheit in den Regierungsrat einziehen, ohne dass die SVP mit von der Partie wäre. Es wäre das grösstmögliche Ausrufezeichen dieser kleinen Partei.