Verkehrsplanung

Basler Gundelitunnel steht vor dem Comeback

Im Gegensatz zum Nutzen des Rheintunnels haben die Basler Behörden jenen des Gundelitunnels lange angezweifelt.

Im Gegensatz zum Nutzen des Rheintunnels haben die Basler Behörden jenen des Gundelitunnels lange angezweifelt.

Und plötzlich ist alles wieder anders. Jahrelang hat sich der Basler Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels gegen die Pläne für einen Gundelitunnel gewehrt. Nun aber taucht dieser plötzlich wieder in den Überlegungen der Basler Regierung auf.

Wirklich gemocht hat Hans-Peter Wessels den Gundelitunnel nie. Stets hat sich der Basler Verkehrsdirektor gegen das Millionen-Projekt gewehrt. Spätestens als der Baselbieter Souverän 2015 zum allgemeinen Erstaunen die Elba-Vorlage versenkte und damit die Strassenausbau-Pläne seiner Baselbieter Amtskollegin Sabine Pegoraro ein jähes Ende fanden, schien das der letzte Sargnagel für das Projekt. «Dies deutet darauf hin, dass kaum jemand darauf wartet und dass das Projekt keinen offensichtlichen Nutzen stiftet», sagte der Basler Verkehrsdirektor damals.

Insbesondere seine Parteikollegen von der SP im Grossen Rat wollten das schriftlich. Eine illustre Runde um Otto Schmid reichte bereits vor zwei Jahren einen Anzug ein, der verlangte: «Die Unterzeichneten bitten die Regierung zu prüfen und zu berichten, ob auf das Projekt Gundelitunnel endgültig verzichtet und beim Bund die Streichung aus dem Netzbeschluss Nationalstrassen beantragt werden kann.» Die Antwort steht noch immer aus und ist in spätestens drei Wochen fällig. Ganz allgemein gingen die Grossräte davon aus, das Projekt sei auf Eis. Noch im vergangenen März berichtete diese Zeitung unter Berufung auf Projektleiter Roger Reinauer, das Vorhaben geniesse keine Priorität; der
Ball liege bei den Baselbietern. Der Nachbarkanton müsse zuerst den Zubringer Bachgraben realisieren. Und die Basler gingen davon aus, dass das noch lange dauern dürfte.

Die Auferstehung

Inzwischen sieht die Lage anders aus. Die Zeichen mehren sich, dass der totgeglaubte Tunnel zu neuem Leben erweckt wird. Konkret sind es drei Indizien, die für diese These sprechen.
Zum einen taucht der Gundelitunnel plötzlich wieder im Legislaturplan 2017-2021 der Basler Regierung auf. «Der Zubringer Bachgraben könnte langfristig zu einer südwestlichen Umfahrung von Basel erweitert werden, in die auch das Projekt Gundelitunnel mit entsprechenden Anpassungen als Teilstück integriert werden soll», heisst es da unter dem Ziel, der Kanton wolle ein leistungsfähiges Autobahnsystem realisieren.

Im Juni kam zudem zusätzlich Bewegung in die Sache. Aus dem Regierungsbulletin vom Juni zu den Verkehrsplänen des Bundes geht hervor: «Es ist aus Sicht des Regierungsrats erfreulich, dass die für den Kanton relevanten Projekte aufgeführt sind, zum einen der Rheintunnel zur Entlastung der Osttangente und zum anderen der Gundelitunnel.» Und weiter: «Zudem ersucht Basel-Stadt in Absprache mit Baselland den Bund, den Zubringer Bachgraben neu in den Sachplan Verkehr aufzunehmen.»

Pegoraro: «Treiben Projekt voran»

Die Baselbieter Baudirektorin Sabine Pegoraro bestätigt jedenfalls, dass der umstrittene Gundelitunnel in den Gesprächen zwischen den beiden Regierungen immer wieder ein Thema ist: «Die beiden Basel treiben gemeinsam die Planung der Stadttangente voran», sagt Pegoraro in einem Interview, das am Montag in der bz erscheinen wird. Die Menschen in der Agglomeration Basel würden dies von den Regierungen angesichts der immer längeren Staus auf den Strassen erwarten. Der Gundelitunnel ist einer von vier Bestandteilen einer neuen Stadt-Umfahrung zwischen Allschwil-Binningen und dem Süden Basels. Allerdings gilt bloss einer dieser vier Bestandteile als politisch einigermassen unbestritten: der Zubringer von der Basler Nordtangente ins Allschwiler Bachgraben-Quartier. Die beiden anderen Teilstücke auf Baselbieter Boden, die Umfahrung Allschwil und der Tunnel Binningen, sind im Abstimmungskampf zur Entwicklungsplanung Leimental-Birseck-Allschwil (Elba) im Herbst 2015 beschossen worden.

Allerdings: Pegoraro stellt sich weiterhin auf den Standpunkt, dass das Volksnein zu Elba nicht mit einer Ablehnung der Strassentangente gleichzusetzen sei. Gestrichen wurden damals bloss der Planungskredit sowie der Eintrag von 37 Massnahmen im kantonalen Richtplan. Dass der Kanton die Planung einzelner Bestandteile von Elba weiter verfolgen dürfe, sei selbstverständlich, sagt Pegoraro.

In Basel tönt es dazu so: «Der Gundelitunnel wurde nie aufgegeben, aber zurückgestellt, solange bis klar ist, ob und wie es seitens Baselland mit der südwestlichen Umfahrung Basels weitergeht», sagt Marc Keller. Als Teil einer solchen Umfahrung erachte man den Gundelitunnel als wünschenswert, sagt der Sprecher des Basler Bau- und Verkehrsdepartements.

Parteikollegen angesäuert

Bei den Basler Bürgerlichen kommt dieses Umdenken Wessels’ gut an: «Vielleicht will er den Bund nicht verstimmen im Hinblick auf Projekte wie den Rheintunnel und Herzstück», vermutet FDP-Grossrat und TCS-Präsident Christophe Haller, «oder er spürt wie ich, dass der Gundelitunnel im Quartier auf Zustimmung stösst.»

Das sehen zumindest manche Genossen in der Stadt etwas anders. Und sie haben sich weitere Mitstreiter gesucht. In einer gestern eingereichten Motion fordern mehrere Sozialdemokraten, flankiert von Vertretern aus LDP, Grünliberalen und Grünen den Stop des Unterfangens Gundelitunnel. «Mit Erstaunen» habe man von den jüngsten Avancen der Regierung Kenntnis genommen, heisst es im Schreiben der Motionäre. Zu ihnen gehört auch Otto Schmid; er ist besonders verärgert: «Ich finde es schon ein bisschen frech, vor der Antwort auf meinen Anzug über Umwege von den Vorhaben der Regierung zu erfahren.» Er sei davon ausgegangen, der Gundelitunnel sei sistiert. Nun warte er gespannt auf die Antwort auf seinen Anzug.

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