Jahresrückblick
Basler Hafen in Flammen: «So einen Brand habe ich noch nie erlebt»

Acht Stunden lang bekämpfte Peter Spinnler den Grossbrand im Basler Hafen. Danach trat er seine Nachtschicht an.

Jonas Hoskyn
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Bilder vom Brand am Rheinhafen.
22 Bilder
Ein Feuerlöschboot im Einsatz.
Luftaufnahme des Brandes.
Der Brand von ganz nah.
Brand am Rheinhafen
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... Im Hafen brennt ein Depot mit Holz und anderen Recycling Stoffen.
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Die Rauchsäule war über die ganze Region zu sehen.
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Selbst von der Chrischona aus war die Rauchsäule zu sehen.
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Bilder vom Brand am Rheinhafen.

Martin Toengi

Als Peter Spinnler am Nachmittag des 27. Juli im mit Blaulicht über die Johanniterbrücke fuhr, war ihm gleich klar: Das wird kein normaler Einsatz. Pechschwarz kündigte die Rauchsäule im Hafen den bevorstehenden Grosseinsatz an. Wenige Minuten später machte sich die Basler Berufsfeuerwehr daran, den Brand beim Altholzlager in den Griff zu kriegen. Rund 200 Tonnen mit krebserregendem Teeröl getränkte Eisenbahnschwellen waren in Brand geraten. Die Ermittlungen ergaben später, dass sich das Feuer wohl selbst entzündet hat.

Seit 25 Jahren steht Spinnler im Einsatz der Basler Berufsfeuerwehr, «aber so einen Brand habe ich noch nie erlebt.» Noch von unterwegs forderte der Leutnant Verstärkung an. Anfangs stand gerade mal ein Löschzug mit 14 Feuerwehrleuten dem Feuer gegenüber. Das ist das Standardaufgebot der Basler Feuerwehr, vergleichbar etwa mit einem Wohnungsbrand. Zuerst traf das Löschboot zur Unterstützung vom Wasser aus ein. Auch die deutsche Feuerwehr war schnell vor Ort. Die Behörden hatten sie aufgeboten, weil sie dachten, auf der Weiler Seite sei ein Boot in Brand geraten. Auch von der Basler Berufs- und der Milizfeuerwehr traf Verstärkung ein. Im Einsatz stand ausserdem der Rett- und Löschzug der SBB.

Hitze und Gestank

In einer solchen Situation sei es wichtig, dass man alle persönlichen Gefühle beiseiteschieben könne, sagt der 51-Jährige. «Man muss rational funktionieren.» Statt an den giftig riechenden Rauch zu denken, müsse der Aufbau der Logistik möglichst rasch und fehlerfrei vonstattengehen. Zuerst werde abgeklärt, ob Personen in Gefahr sind. An zweiter Stelle kommt der Selbstschutz und dann das Löschen. «Wir konnten schnell sicher stellen, dass sich das Feuer nicht weiter ausbreitet», erinnert sich Spinnler. Abseits des Geschehens bekam man davon nichts mit. «Es kann von aussen schwierig sein, nachzuvollziehen, warum die Feuerwehr schon seit zwei Stunden im Einsatz ist, und es immer noch brennt.»

Mittlerweile war der Brand längst Thema Nummer 1 in der Stadt. Der beissende Geruch der verbrannten Eisenbahnschwellen war kilometerweit wahrzunehmen. Erinnerungen an den Schweizerhalle-Grossbrand von 1986 wurden wach. Auch die Verantwortlichen beim Hafenbrand erwogen, erstmals seit Jahrzehnten wieder den Sirenenalarm auszulösen, entschieden sich aber dagegen. Stattdessen rief die Polizei die Quartierbevölkerung per Lautsprecher dazu auf, sich in die Häuser zu begeben und die Fenster zu schliessen. Nachdem Messungen keine gefährlichen Schadstoffe angezeigt hatten, wurde am späteren Nachmittag Entwarnung gegeben.

Der Einsatz brachte die Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr an ihre Grenzen. Die Abstrahlungshitze des Feuers sei enorm gewesen, erinnert sich Spinnler. Dazu kam der Hochsommer mit Temperaturen von über 30 Grad. Der Gestank störte ihn allerdings nicht so sehr. «Ich wusste natürlich, was da brennt und dass der Rauch sicher nicht gesund ist, aber jeder brennende Fernseher riecht viel giftiger.» Nach gut acht Stunden im Dauereinsatz an der Front wurde der Einsatzleiter abgelöst. Das Feuer war gelöscht, der Brandort musste aber noch längere Zeit überwacht werden.

Kurz nach 22 Uhr war er wieder «daheim» – wie er es nennt – in der Einsatzzentrale der Berufsfeuerwehr und duschte erst einmal gründlich. Seine Schicht ging noch bis zum nächsten Morgen um halb acht. «In dem Job kann man nicht zurückkommen und sagen: Ich bin jetzt müde.» Prompt musste er in der Nacht nochmals ausrücken. «Allerdings nur ein Brandmelder, der losging.»

Auch ein halbes Jahr später ist der Grossbrand im Hafen noch immer präsent in der Erinnerung der Feuerwehrleute. Andere Brandfälle oder Unfälle, bei denen Erwachsene und Kinder ums Leben kamen, gingen einem persönlich aber deutlich näher, so der dreifache Familienvater. Rückblickend kann der langjährige Feuerwehrmann dem Grossbrand auch positive Seiten abgewinnen: «Solche Szenarien kann man sonst immer nur auf dem Papier durchspielen. Es war für uns auch eine Gelegenheit, unsere Abläufe zu testen und die Schnittstellen zu verbessern.»