Kurswechsel

Basler Hauptpost erhält Galgenfrist

Im November wurde gegen die Hauptpost-Schliessung demonstriert, nun bleibt sie den Baslern noch ein wenig erhalten. Um genau zu sein: Mindestens ein Jahr und einen Tag lang länger als bisher angekündigt.

Im November wurde gegen die Hauptpost-Schliessung demonstriert, nun bleibt sie den Baslern noch ein wenig erhalten. Um genau zu sein: Mindestens ein Jahr und einen Tag lang länger als bisher angekündigt.

Die Postfiliale in der Innenstadt schliesst nicht bereits Ende 2018, sondern «frühestens» 2020.

Anfang November letzten Jahres kündete die Post an, ihre Filiale im Basler Stadtzentrum Ende 2018 zu schliessen. Die Empörung war gross, die SP organisierte eine Demo und sogar über einen Rückkauf der Immobilie durch den Kanton wurde spekuliert. In einer Interpellationsantwort gab sich die Regierung kämpferisch und stellte eine Beschwerde bei der Postkommission in Aussicht. Doch all dies scheint nun nicht nötig zu sein, oder noch nicht.

«Die Basler Hauptpost wird nicht wie ursprünglich angekündigt per Ende 2018, sondern frühestens 2020 ihren Betrieb einstellen», schreibt das zuständige Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU) in einer Mitteilung. Und Departementsvorsteher Christoph Brutschin erklärt auf Nachfrage: «Ich bin ausserordentlich froh über diese Lösung.» Er habe in Bern bei der Post-Konzernleitung persönlich vorgesprochen und die Bedenken von Basel-Stadt erläutert, ebenso bei der Axa Winterthur, der Inhaberin des Gebäudes an der Rüdengasse. Geld sei keines geflossen, versichert Brutschin, auch keine anderen Zugeständnisse, etwa dass der Kanton künftig mehr Briefe via Basel 1 verschicken werde.

Was sich im Detail durch die Gespräche an der Ausgangslage – schwindende Nutzung und hohes Defizit – geändert hat, bleibt unklar. Post-Sprecher Oliver Flüeler sagt, dass die weitere Zukunft der Filiale nur gesichert sei, wenn sich deren Wirtschaftlichkeit erheblich verbessere. «Es liegt in den Händen aller Baslerinnen und Basler, die Hauptpost häufiger zu nutzen, also beispielsweise mehr Briefe statt E-Mails zu schreiben.»

Konkret angepasst wurden die Öffnungszeiten: Bereits ab diesem Sommer hat die Hauptpost am Morgen neu nicht mehr ab 07.30 Uhr, sondern wie alle umliegenden Läden erst um 9 Uhr geöffnet. Diese Massnahme verhelfe dazu, das grosse Defizit teilweise zu mindern, reiche aber nicht, so der Sprecher.

Zwei Jahre sind das Maximum

Auch unklar ist, ob die Post tatsächlich, wie in der WSU-Mitteilung mehrfach erwähnt wurde, volle zwei Jahre länger bestehen bleibt – denn der nächstmögliche Schliessungstermin wurde lediglich auf «frühestens 2020» festgelegt, was im Extremfall der 1. Januar wäre und nicht einer zweijährigen, sondern einer Galgenfrist von einem Jahr und einem Tag entsprechen würde. Schliesslich war der ursprüngliche Termin «Ende 2018».

Dass die Post nach Widerstand von einer angekündigten Schliessung absieht, ist selten. Dass in Bern wie beim Beispiel Basel ein Mitglied einer Kantonsregierung vorspricht, ist vermutlich einzigartig. Dass dies im Fall von Basel 1 so war, hat gemäss Brutschin nicht mit der besonderen Bedeutung dieser Filiale zu tun, sondern mit dem staatsrechtlichen Sonderfall Basel-Stadt. «Zu Postschliessungen Stellung zu nehmen ist eigentlich Sache der Gemeinden, was es bei uns aber ja so nicht gibt. Ich war also gewissermassen als Stadtrat unterwegs», so Brutschin.

Dass das Beispiel nun Schule machen könnte, daran glaubt der Basler Wirtschaftsdirektor nicht. Und dass er bei ähnlich heftiger Reaktion seitens der Bevölkerung auch das Gespräch mit anderen Traditionsfirmen suchen würde, will er ebenfalls nicht ausschliessen. «Das wäre auch im Falle eines Musik Hug vorstellbar gewesen, wobei es natürlich schon einen Unterschied macht, ob ein rein privatwirtschaftliches Unternehmen eine Filiale schliesst oder die Post als öffentliches Unternehmen.»

Zaubern kann jedoch weder die Post noch das WSU: Sollte sich keine wirtschaftliche Verbesserung einstellen, werde sich das WSU «einer Umwandlung der Hauptpost Basel nicht mehr widersetzen». Doch bis dann ist viel Wasser den Rhein hinunter geflossen und es wurden vermutlich nicht ganz so viele Briefe mit Stempel 4001 verschickt. Und auch dann wird die Empörung wieder gross sein und vermutlich werden dieselben Kreise wieder dieselben Massnahmen fordern.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1