Im Juni 2010 warf er zwei Pflastersteine auf eine Gruppe, knapp neun Monate später schlug Patrick S.* in Basel einen Mann mit einem Faustschlag nieder. Nun hat das Aarauer Bezirksgericht das Urteil gefällt: 13 Monate teilbedingt.

Sechs Monate muss S. im Gefängnis absitzen, sieben Monate darf er in Freiheit verbringen, sofern er in den nächsten vier Jahren nichts zu Schulden kommen lässt. Für S. kam erschwerend dazu, dass er vor 2008 bereits drei Anklagen wegen Beschaffungskriminalität am Hals hatte.

Angriff auf «flotte Typen»

Rückblende: Ende Juni 2010 warf S. um drei Uhr nachts zwei Pflastersteine von einer Anhöhe bei der «Kettenbrücke Aarau» KBA auf eine Gruppe. «Nur durch Glück und Zufall» sei keine Person getroffen worden, heisst es in der Anklageschrift. Zudem habe S. die Gruppe mit den Worten «ich bringe euch um» bedroht haben.

S. sagte vor Gericht aus, er sei unter massivem Alkoholeinfluss gestanden. «Ich habe keine Ahnung, wie es dazu kommen konnte.» Dabei habe er es mit der Gruppe im KBA gut gehabt. «Das waren flotte Typen. Es war lustig. Niemals hätte ich ihnen absichtlich etwas tun wollen.»

Der Alkoholtest bei S. ergab, dass er 2,24 Promille im Blut hatte. Getrunken hatte der Basler, weil er mit zwei Kollegen das Ende seiner stationären Drogentherapie feiern wollte.

Opfer erlitt nach Schlägerei Schädelbruch

Knapp neun Monate später kam es in Basel, im Club Hinterhof, zu einer Schlägerei. Der Angeklagte war mit einem Kollegen im Ausgang. Da kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Kollegen von S. und dem späteren Opfer Rolf M.*. S. mischte sich zuerst nicht ein. M. sagte, dass sich S. plötzlich umgedreht und ihm mit der rechten Faust ins Gesicht geschlagen habe. Die Diagnose: Schädel- und Kieferbruch und Hörverlust im linken Ohr.

Noch heute hört M. schlecht, ein Tinnitus ist eine weitere Begleiterscheinung. Genesen ist M. bis heute nicht. Dazu kamen schwere Depressionen; im Frühling 2013 versuchte sich M. umzubringen. M. gab zu, dass dies nicht die alleinige Schuld von S. sei, die psychischen Probleme hätte er auch sonst gehabt.

M.s Anwalt und der Aargauer Staatsanwalt Peter Heuberger, welcher die Fünfergruppe vertrat, forderten zwei Jahre unbedingte Freiheitsstrafe. Zusätzlich die Widerrufung der bedingten Strafe des Strafgerichts Basel-Stadt. M.s Anwalt forderte zudem eine Genugtuungssumme von 20'000 Franken.

Notwehr «zu exzessiv»

Zum Fall in Aarau konnte S. nicht viel sagen: «Wenn es alle anderen sagen, dass ich es war, dann ist es wohl so», sagte er. Den Vorfall in Basel jedoch bestritt er vehement. Er gab zwar zu, dass er M. geschlagen habe, gab aber an, dass er aus Notwehr gehandelt hatte. M. habe ihn zuerst angegriffen. Ein Arztzeugnis belegt, dass sich auch S. Verletzungen im Gesicht zugezogen hatte.

Das Gericht verurteilte S. wegen mehrfachem Versuch von schwerer Körperverletzung und Drohung. Im Fall von Basel glaubt das Gericht, dass M. zuerst geschlagen hatte. Es gab aber an, dass S. sich zu fest gewehrt habe. Auf einen Widerruf der Strafe von Basel verzichtete das Gericht, sowie auch auf die Genugtuung.

Vizechef im Unternehmen des Vaters

«Ich glaube, das ist ok», sagte S. nach der Verhandlung. Für S. kommt das Urteil zu einem ungünstigen Zeitpunkt. S. hat sich seit den beiden Taten im Juni 2010 und März 2011 gefangen und sich ein stabiles Leben aufgebaut.

Der 34-jährige Basler war lange drogenabhängig, machte eine stationäre Therapie. Seit 2008 ist er clean. Nun ist er Vizechef im Unternehmen seines Vaters, übernimmt Verantwortung und leitet die Geschäfte, wenn der Vater nicht da ist.

Die beiden Taten von Aarau und Basel kann sich S. nicht erklären. «Ich bin ein friedlicher, harmoniebedürftiger Mensch», sagte er. «Ich wollte sicher niemandem absichtlich Schaden zufügen.»

*Namen der Redaktion bekannt