Tourismus

Basler Hoteliers können aufatmen: Airbnb-Betten sind oft leer

Jeder 20. Tourist bucht seine Unterkunft in Basel via Airbnb.

Jeder 20. Tourist bucht seine Unterkunft in Basel via Airbnb.

Airbnb muss seit Kurzem für jede Übernachtung Gasttaxen an den Kanton überweisen. Dieser weiss nun, wie oft die angebotenen Betten in der Stadt tatsächlich genutzt werden. Die Zahlen zeigen: Nur jede 20. Übernachtung ist in einer Airbnb-Unterkunft.

Der Aufschrei war gross, als die bz im September 2017 titelte: «Bald gibt es in Basel mehr Airbnb- als Hotelbetten». Die Zahl dürfte weiterhin stimmen, jedoch zeigen erstmals verfügbare Daten: Lediglich ein kleiner Bruchteil dieser Betten ist belegt.

Genau sind es 209 Übernachtungen pro Tag, die aufs Konto von Airbnb-Unterkünften gehen, was ungefähr fünf Prozent aller Übernachtungen in Basel entspricht.

Diese Zahlen stammen nicht von Airbnb selbst, sondern von den Basler Behörden. Seit vergangenem September überweist der US-Konzern für all seine Gäste auf Kantonsgebiet eine Gasttaxe von vier Franken pro Tag. 102'000 Franken sind so innert vier Monaten zusammengekommen, wie das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) auf Anfrage mitteilt.

Weitere Informationen sind nicht erhältlich. Auch nicht bei Basel Tourismus. Dessen Direktor Daniel Egloff freut sich zwar, dass sein Verein jährlich geschätzte 300'000 Franken zusätzliche Gasttaxenerträge zur Verfügung habe und damit die «Basel Card» auch Airbnb-Gästen offerieren könne. Für weiterführende Statistiken sei die Datengrundlage aber noch zu unsicher, weil noch nicht alle privaten Gastgeber ihren Airbnb-Gästen eine «Basel Card» ausstellten.

Deshalb können noch keine Angaben zur Nationalität der Airbnb-Gäste oder zur durchschnittlichen Aufenthaltsdauer gemacht werden, sagt Egloff.

Felix Hauser, Präsident des Basler Hotelier-Vereins, sagt: «Die Logierzahlen entsprechen ungefähr unseren Schätzungen, wobei im bisher gemessenen Zeitraum weder die ‹Baselworld› noch die ‹Art Basel› stattgefunden hat. Diese beiden Messen dürften für die Airbnb-Anbieter die höchsten Übernachtungszahlen bringen.» Das werde sich jedoch erst zeigen, wenn die Auswertung über ein ganzes Jahr vorliege. «209 Übernachtungen pro Tag im Durchschnitt, das ist zwar auch eine Konkurrenz, die wir spüren, aber es ist nicht mehr als ein zusätzliches, grösseres Hotel, das gut gebucht wird.»

Airbnb selbst gibt jeweils nur relative Wachstumszahlen an. Auf eine frühere Anfrage liess das Unternehmen über eine deutsche Presseagentur ausrichten, dass die Anzahl Gäste, die nach Basel reisten, jährlich um 103 Prozent gewachsen sei. Logiernächte werden nur global kommuniziert; zwei Millionen Menschen sollen demnach täglich in einer Airbnb-Unterkunft übernachten. Gestern Dienstag reagierte der Konzern auf die bz-Anfrage nicht.

Schluss mit «Blackbox Airbnb»

Die Gasttaxen-Pflicht bringt den Basler Behörden weit mehr als finanzielle Einkünfte. Grund dafür ist die «Basel Card», die im Gegenzug an alle Gäste abgegeben wird und kostenlosen öV sowie Museumseintritte zum halben Preis ermöglicht.

Damit Gastgeber – seien es Hotels oder private Airbnb-Anbieter – diese Karte abgeben können, müssen sie ihre Gäste dem Kanton melden. Tun sie das nicht, erkunden sich die Gäste bei Basel Tourismus danach. Egloff sagt: «Wir registrieren seit letztem Jahr, dass immer mal wieder Airbnb-Gäste bei uns am Tourist-Info-Schalter nachfragen, wo sie denn nun die ‹Basel Card› erhalten würden.»

Basel Tourismus könne so die Adressen ihrer Vermieter aufnehmen und den zuständigen Behörden weiterleiten. Langfristig entsteht so ein Druck auf sämtliche Gastgeber, ihre Gäste dem Kanton zu melden – und auch auf Airbnb, die korrekten Übernachtungszahlen anzugeben.

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