Ardian Elezi, Imam der Basler Moschee Peace & Blessing, findet in seiner Gemeinde im Gebetshaus in Kleinhüningen weniger Gefolgsleute als auf seinen Youtube- und Facebook-Kanälen. Und als Social-Media-Prediger weiss er sich zu inszenieren. Seine auf deutsch gehaltenen Predigten stellt er ebenso online, wie seine Live-Aufzeichnungen vom Ort des aktuellen Geschehens. Sobald seine Inszenierungen allerdings breitere Beachtung finden, sieht er sich falsch verstanden.

Präsenz zeigte Elezi während der Trauerfeier um den 7-jährigen Knaben, der im Basler Gotthelf-Quartier von einer mutmasslich verwirrten, älteren Frau getötet worden ist. Elezi sprach dabei in seiner Videoaufzeichnung von einem «Terrorakt» einer Schweizerin. Die Wochenendausgabe dieser Zeitung machte die problematische Aussage über Elezis Community hinaus bekannt und titelte «Imam instrumentalisiert Tod des 7-jährigen Buben».

Auf Anfrage verteidigte Elezi die Wortwahl mit dem Argument, entscheidend sei alleine, mit welcher Grausamkeit ein Verbrechen ausgeübt werde und nicht, ob etwa eine Organisation dahinterstehe. Weitere Medien griffen die Geschichte auf und skandalisierten Elezis Aussagen.

Vorwurf der Hetze

In einer «Stellungnahme», die Elezi wiederum als halbstündige Predigt auf seinem Facebook-Kanal publiziert hat, räumt er nun ein, die Bezeichnung «Terrorakt» wie auch die Beschreibung der Täterin als «dieser Mensch ist ein Terrorist» sei «nicht passend» gewesen.

Elezi ist um ein rasches «aber» nicht verlegen, um seine unpassende Wortwahl zu relativieren: «Terror» komme schliesslich aus dem Lateinischen und bedeutet «Schrecken» – und diesen habe die Frau mit der Tat sehr wohl verbreitet. Sein Anwalt habe ihn zudem darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Tat vielleicht doch noch als «Terrorakt» herausstellen könnte, dann nämlich, wenn das Gericht feststellen würde, die Schweizerin habe absichtlich ein ausländisches Kind angegriffen. Und dass viele Terrorakte durch psychisch labile Personen begangen würden, sei schliesslich bekannt.

Die Zurücknahme des Terrorvorwurfs verbindet Elezi in seiner Stellungnahme mit heftigen Angriffen: Medien hätten gegen ihn gehetzt, als sie das «Terror»-Wort von ihm skandalisierten. Es sei ein «unverschämter Vorwurf», dass er den Mord zu seinen Gunsten instrumentalisiert habe. Schliesslich habe er nur seine Beileidswünsche an die Familie äussern wollen. Nun sei er von «Islamhassern» instrumentalisiert worden. Schliesslich sei es ein bekanntes Muster, dass gegen den Islam gehetzt werde, indem man die Autoritäten destabilisiere.

Radikales Umfeld

Dass Elezi zwischen moderat-besonnenen Tönen und rhetorischen Ausfällen laviert, ist ein wiederkehrendes Muster. Der von ihm geleitete Peace & Blessing-Verein zählt zu einer von drei radikalen Moscheen der Stadt Basel. Elezi, seit 2007 eingebürgerter Basler, steht zudem seit Längerem auf der Beobachtungsliste der kantonalen Task-Force Radikalisierung.