Für die Basler Juden gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: Aller Anstrengungen zum Trotz schreibt die Israelitische Gemeinde Basel (IGB) auch in diesem Jahr tiefrote Zahlen. Im zweiten Anlauf hat die ausserordentliche Gemeindeversammlung am Dienstagabend das Budget 2018 bei einem Gesamtaufwand von 3,1 Millionen mit einem Defizit von 545 000 Franken abgesegnet, nachdem es Ende Januar noch abgelehnt worden war.

Die gute Nachricht: Geht es nach den Plänen des Vorstands, wird die jüdische Gemeinde bereits ab dem nächsten Jahr eine schwarze Null schreiben. Von dieser Rechnung ausgenommen sind allerdings die Sicherheitskosten von knapp einer halben Million. Dafür muss die IGB ab 2019 auf die Unterstützung Dritter hoffen. Tatsächlich gibt es von Bund und Kanton bereits entsprechende Signale.

«Wir haben alle das gleiche Ziel: Niemand will die Gemeinde an die Wand fahren. Es gibt keine Alternative zum Sparen», erklärte Vorstandsmitglied Eric Odenheimer. Das war auch dem vollen Gemeindesaal klar. Dennoch: Sparen tut weh. Und so wurde zweieinhalb Stunden um einzelne Budgetposten gerungen, wobei der Ton zwischenzeitlich auch gereizt wurde. Mehrfach musste sich der Vorstand den Vorwurf anhören, zu wenig klar aufzuzeigen, wo im Detail er sparen will. «Wir müssen die Katze im Sack sparen. Das ist nicht fair.»

Strukturelle Änderung sind nötig

Gespart werden soll etwa in der Verwaltung, wo Stellen nicht mehr besetzt werden. Abstriche gemacht werden zudem bei der Bibliothek, im Schulwesen oder auch bei der Sicherheit. Um gut 100 000 Franken wird das Budget so verbessert. Das aber reicht noch lange nicht. Um die Liquidität zu sichern, musste die Gemeinde bereits den Grossteil ihrer Finanzanlagen auflösen, erklärte IGB-Präsident Guy Rueff. Und sie muss wohl auf die drei verbleibenden Liegenschaften auch noch eine Hypothek aufnehmen oder gar eine Immobilie verkaufen.

Licht am Horizont zeichnet sich aber ab kommendem Jahr ab. So seien für die Periode 2019 bis 2023 substanzielle Einsparungen von jährlich insgesamt bis zu 800 000 Franken möglich. Dazu aber seien einschneidende Massnahmen in den meisten Bereichen nötig. Auf zahlreiche Dienstleistungen müsse künftig verzichtet werden. Odenheimer: «Wir müssen bis zu einem Drittel des Budgets sparen. Das geht nicht ohne strukturelle Änderungen.» Das Ziel ist ein ausgeglichenes Budget. Denn so kann es nicht weitergehen, ansonsten ist das Eigenkapital in rund zehn Jahren aufgebraucht.

Kanton deutet Hilfe an

«Die mittelfristige Sicht ist fast wichtiger als das Budget 2018», meinte Gemeindemitglied und alt Regierungsrat Ralph Lewin. «Der Vorstand muss aber darauf behaftet werden.» Das sieht die Budget- und Rechnungsprüfungskommission (BRPK) genauso: Denn die vorgeschlagenen Einsparungen im laufenden Budget seien eigentlich ungenügend. Nur wegen der mittelfristigen Massnahmen habe sie sich dazu durchgerungen, den Voranschlag abzusegnen: «Diese Reduzierung der Kosten ist für das mittelfristige Überleben der IGB von zentraler Bedeutung.» Denn die Lage bleibt ernst. Das Dach der Synagoge ist marode und muss für mehrere Millionen renoviert werden. Rückstellungen? Gibt es keine.

Auch bleiben die hohen Sicherheitskosten von einer halben Million weiter ungelöst. Ziel bleibt es, dass sie ab 2019 von Dritten gedeckt werden. Ob wie in anderen Ländern die Armee zum Schutz eingesetzt werden könne, wurde die Frage aufgeworfen. Der Vorstand spekuliert aber mehr auf den Kanton. Noch im Dezember hatte es der Grosse Rat abgelehnt, der jüdischen Gemeinde einen Beitrag daran zu zahlen, um kein Präjudiz zu schaffen. «Ein Skandal», kommentiert ein Gemeindemitglied.

Mittlerweile aber sieht es besser aus: Am Dienstagmorgen wurde bei einem Treffen zwischen der Regierung und dem IGB-Vorstand in «konstruktiver Atmosphäre» über ein langfristiges Gesamtkonzept gesprochen. Der Kanton schliesse zusätzliche Kosten nicht mehr aus. «Budgetiert haben wir aber noch nichts», erklärte IGB-Präsident Rueff, «wir wollen ja nicht traumtänzerisch sein.»