Lehrstellenbericht

Basler Jugendliche haben null Bock auf eine Berufslehre

Im Bereich Metall- und Maschinenindustrie wurde ein deutlicher Rückgang an Lehrlingen verzeichnet: um ganze 4,5 Prozent sank die Anzahl Lehrlinge.

Im Bereich Metall- und Maschinenindustrie wurde ein deutlicher Rückgang an Lehrlingen verzeichnet: um ganze 4,5 Prozent sank die Anzahl Lehrlinge.

In Basel-Stadt ist das Lehrstellenangebot hoch und stabil. Genutzt wird es aber hauptsächlich von Auswärtigen – Basler machen immer seltener eine Lehre. Nur jeder fünfte Basler absolviert direkt nach der obligatorischen Schulzeit eine Lehre.

Nur knapp jeder fünfte Basler Schulabgänger entscheidet sich noch direkt für eine Berufslehre. 2012 waren es noch 145 Jugendliche.

Auch ein Jahr nach dem Abschluss befanden sich 2012 nur rund 38 Prozent in einer Berufslehre, ein Minus von 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die anderen knappen zwei Drittel entschieden sich zu gleichen Teilen entweder fürs Gymnasium oder für eines der vielzähligen Brückenangebote wie etwa das 10. Schuljahr.

99 Prozent mit Anschlusslösung

Wegen Letzteren haben letztes Jahr aber 99 Prozent aller Schulabgänger im Juni eine Anschlusslösung gefunden. Dies geht aus dem Lehrstellenbericht für das Jahr 2012 des Regierungsrats hervor.

Trotz rückläufigen Gesamtbestands und weniger Vertragsabschlüssen gab es im letzten Jahr im Kanton noch total 5373 Lehrlinge, allerdings hatten davon lediglich 37,4 Prozent ihren Wohnsitz in Basel. Der Hauptteil kommt aus den Nachbarkantonen Baselland (41,8 Prozent), Aargau (8,9) und Solothurn (7,5).

Der Lehrstellenbericht begründet dies unter anderem damit, dass für Jugendliche aus dem Umland die Stadt als zentraler Ausbildungsort sehr attraktiv sei. Diese Jugendlichen kämen mehrheitlich aus deutschsprachigen, bildungsnahen und schweizerischen Familien, wodurch sie bei der Lehrstellensuche bevorteilt seien.

Auffällig ist das Verhältnis von EFZ-Lehre (eidg. Fähigkeitsausweis) zu EBA-Lehre (eidg. Berufs-Attest). Seit der Einführung 2004 sind die 2-jährigen Attestlehrstellen in Basel für zwei Drittel des Lehrstellenwachstums verantwortlich. Die Stadtbasler Lernenden machen bei den EBA-Lehrstellen mehr als die Hälfte aus, mit sinkender Tendenz.

Der regierungsrätliche Bericht schliesst daraus, dass die auf einem tieferen Qualifikationsniveau angesiedelte und eher praktisch orientierte Ausbildung den städtischen Lehrstellensuchenden bessere Chancen bietet.

Ausländeranteil steigt

Ausschlaggebend für die tiefe Quote in der dualen Berufsbildung sind vor allem die jungen Schweizer. Anders sieht es bei den Ausländern aus: 1312, also 7,1 Prozent mehr als im Vorjahr, entschieden sich 2012 für eine Lehre. Demzufolge stieg der Anteil an Lehrlingen mit ausländischer Herkunft um 1,7 Prozent auf 24,4. Er ist aber im Verhältnis zu den 28,8 Prozent Ausländern bei den 15- bis 19-jährigen Baslern weiterhin zu tief.

Der Regierungsrat sieht in der Zunahme die These bestätigt, dass bei grossem Lehrstellenangebot und eher tiefer Nachfrage jene zu einem Lehrvertrag kommen, welche bei umgekehrten Verhältnissen leer ausgehen.

2012 wurde im Kanton Basel-Stadt aber auch rund jeder zehnte Lehrvertrag aufgelöst. Die Quote der Ausländer liegt auch hier mit 10,7 Prozent um einen Punkt höher als bei den Schweizern.

Das Lehrstellenangebot ist trotz des geringfügigen Rückgangs im letzten Jahr seit 2008 konstant auf einem hohen Niveau. Entscheidend an abgeschlossenen Lehrverträgen zulegen konnte aber 2012 nur die Berufsgruppe Gesundheit und Soziales mit plus 13 Prozent und folgt somit dem Trend der letzten acht Jahre.

Demgegenüber bauten die drei grössten Sparten erstmals nach konstant hohen Jahren ab: Kaufmännische Berufe (minus 2 Prozent), Metall- und Maschinenindustrie (minus 4,5) und Detailhandel (minus 4). Den deutlichsten Rückgang an Lehrlingen verzeichnete aber die Gastronomie mit 6,5 Prozent.

Auf konstantem, aber im schweizerischen Vergleich unterdurchschnittlichem Niveau befindet sich Basel-Stadt bei den Lehrabschlussprüfungen. In der EFZ-Lehre schlossen letztes Jahr 89 Prozent (CH: 90 Prozent) erfolgreich ab, wobei der Wert bei den Männern tiefer und bei den Frauen höher liegt. 92 Prozent bestanden die Abschlussprüfungen der EBA-Lehre (CH: 94 Prozent).

Gymnasium weiterhin im Trend

Der Kanton Basel-Stadt hat mit 8 Prozent nach Genf die tiefste Berufsmaturitätsquote aller Kantone. Die Quote ist wie beim dualen System deutlich rückläufig. Dazu haben nur 20,7 Prozent dieser Lernenden ihren Wohnsitz im Kanton.

In den Nachbarkantonen Baselland, Aargau und Solothurn bewegt sich die Quote zwischen 11 und 13 Prozent. Dass Basel-Stadt mit 29,3 Prozent die höchste aller gymnasialen Maturitätsquoten hat, ist unter anderem auf die vielen Übertritte in Langzeitgymnasien ab dem siebten Schuljahr und auf eine hohe Quote von zehnten Schuljahren als Vorbereitung auf eine Mittelschule zurückzuführen.

Das führt dazu, dass in Basel ausserordentlich wenige Schüler und Schülerinnen den Weg einer Berufslehre und damit noch weniger sich für eine Berufsmatur entscheiden.

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