Herr Eichenberger, worüber sprechen wir?

Nicolas Eichenberger: Über Geld. Geld regiert die Welt. Gerade aus einer linken Perspektive ist Geld immer eine Thematik: Wie sehr bedeutet Geld auch Macht? Wie ist es verteilt? Geld ist ein Werkzeug. Es sollte ein Mittel zum Zweck sein.

Nur Mittel zum Zweck?

Ja. Ich bezeichne mich selbst als Antikapitalisten. Ich finde nicht, dass wir alles über einen Nenner brechen können: Rentiert es oder rentiert es nicht? Das sehen wir jetzt bei der Klimafrage, bei der es darum geht, dass es halt einfach billiger ist, mit dem Flugzeug nach London zu fliegen als mit dem Zug zu fahren. Hier müsste man bei den Flugticketpreisen ansetzen und den Anreiz übers Portemonnaie steuern.

Wie gehen Sie mit Geld um?

Ich bin privilegiert: Ich habe einen 100-Prozent-Job und ein entsprechendes Einkommen. Ein Grossteil davon geht für die Miete und die Krankenkasse drauf. Aber ich muss mir jetzt nicht ein genaues Budget machen und dann schauen, wo ich wie viel Geld ausgegeben habe. Ich habe es nicht auf den Häufen, aber ich kann recht unbeschwert leben.

Was heisst «auf den Häufen haben»?

Auf den Häufen haben es jene, die über Ostern und im Sommer in die Ferien fliegen und im Winter auch noch Skifahren gehen. Jene, die ein zweites Auto haben und dann vielleicht noch überlegen, ein drittes zu kaufen. Ferien sind eigentlich nicht unbedingt ein Luxusgut, aber während der Schulzeit waren sie für mich immer ein Gradmesser dafür, wer wie viel Geld hat.

Wie würden Sie Ihr Geld ausgeben, wenn Sie mehr davon hätten?

Ich würde einen Grossteil spenden. Und natürlich würde ich auch meine Partei berücksichtigen.

Welcher Organisation würden Sie Ihr Geld schenken?

Animal Rights Switzerland. Wir haben vorher gerade Flyer verteilt gegen das Ozeanium. Da stehen Leute dahinter, die ich persönlich kenne und die meine Ideale teilen. Und die mit Herzblut dafür einstehen, was sie tun. Es ist eine gemeinnützige Organisation, die Ende Jahr mit einer schwarzen Null rauskommen muss. Und gerade bei kleinen Organisationen, bei welchen man die Leute kennt, weiss man halt am ehesten, was mit dem Geld passiert.

Mit der Topverdienersteuer-Initiative möchte die Juso Gutverdienende stärker besteuern. Eine Neid-Initiative?

Wenn ich neidisch wäre, würde ich selbst so viel Geld wollen. Aber das ist nicht der Fall. Ich möchte nicht 20'000 Franken im Monat verdienen.

Warum nicht?

Weil ich nicht weiss, was ich leisten könnte, dass ich so viel verdienen würde. Das gilt nicht nur für mich als Audio-Video-Techniker, sondern auch für den CEO der Novartis.

Wie viel verdienen Sie?

5300 Franken brutto. Mein Chef hat mir bei meinem letzten Mitarbeitergespräch gesagt, es sei ein Kündigungsgrund, mit den Arbeitskollegen über den Lohn zu sprechen. Dabei würde gerade mehr Transparenz helfen, um die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern zu bekämpfen. Hausarbeit wird immer noch mehrheitlich von Frauen geleistet, die dafür nicht bezahlt werden. Das wird langsam besser. Immer mehr Männer arbeiten Teilzeit.

Ist das ein Thema, das Sie persönlich beschäftigt? Möchten Sie einmal eine Familie haben?

Ob ich eine Familie will, kann ich so nicht beantworten. Ich könnte es mir vorstellen, ja. Aber zurzeit habe ich andere Prioritäten und auch keine Zeit.

Sie scheinen etwas irritiert zu sein. Frauen wird die Frage häufig gestellt.

Mir wurde sie tatsächlich noch nie gestellt. Ich bin grad ein wenig überfordert. Aktuell habe ich nicht vor zu reduzieren. Aber wer weiss, was die Zukunft bringt.

Und die nahe Zukunft? Was denken Sie: Wie wird die Abstimmung zur Topverdienersteuer ausgehen?

Wir sind gespannt. Ich denke, wir werden im besten Fall einen Achtungserfolg erzielen können. Juso-Initiativen haben es immer schwer. Das haben wir bei der nationalen Initiative zum Spekulationsstopp mit Nahrungsmitteln gesehen. Die Gegenkampagne hat sich quasi gegen die Juso gerichtet. Aber auch in Basel ist es so, dass die Juso in der breiten Gesellschaft eher einen schlechten Ruf hat. Zu Unrecht, wie ich finde.

Wie ist das für Sie als Präsident? Werden Sie oft mit diesem Ruf konfrontiert?

Ja, das kommt immer wieder vor. Ich gehe nicht damit hausieren, dass ich Präsident der Juso Basel-Stadt bin. Aber das Thema kommt immer wieder mal auf, wenn ich mit jemandem spreche. So à la: Hey, ich habe dich auf einem Flyer gesehen! Die meisten Leute sind tendenziell skeptisch. Ich kann ihnen dann aber schnell nahebringen, wer wir sind, was wir tun und wofür wir einstehen. Die persönlichen Gespräche finden nahezu immer auf einem zivilisierten und anständigen Niveau statt.