Die überraschende Ernennung von BKB-CEO Guy Lachappelle zum neuen Verwaltungsratspräsidenten der Raiffeisen, die die bz am Donnerstag exklusiv publik machte, sorgt bei der Basler Kantonalbank für ein Sesselrücken. Gestern gab die Bank bekannt, dass Simone Westerfeld zur Vorsitzenden der Konzernleitung ad interim ernannt wurde. Die 43-jährige schweizerisch-deutsche Doppelbürgerin war seit Anfang Jahr Lachappelles Stellvertreterin und amtete als Finanzchefin. Westerfeld ist Titularprofessorin für Banking an der Universität St. Gallen.

Durch den Weggang von Lachappelle kommt es zu einem zweiten Wechsel an der Spitze der BKB innerhalb von eineinhalb Jahren. Erst im April 2017 übernahm Adrian Bult das Präsidium des Verwaltungsrates, nachdem die Basler Finanzdirektorin Eva Herzog dort eine grosse Umbesetzung vorgenommen hatte. Im Vergleich zu 2013 als innerhalb eines Jahres in einer Reihe von Skandalen zuerst CEO Hans Rudolf Matter und kurz darauf Verwaltungsratspräsident Andreas Albrecht den Hut nehmen mussten, befindet sich die Bank aber in einer deutlich komfortableren Ausgangslage.

Damals war die Basler Kantonalbank ein Trümmerhaufen. Im Betrugsfall um die Fricktaler Anlagegesellschaft ASE Investment AG hatten sich 170 Millionen Franken in Luft aufgelöst. Zurück blieben 2500 Geschädigte. Die BKB hatte den Grossteil der Vermögen verwaltet. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma hockte der Bank im Nacken, weil sie den Börsenkurs der eigenen Partizipationsscheine in unzulässiger Weise gestützt hatte. Gleichzeitig geriet die Bank immer stärker in die Kritik wegen ihrer Geschäfte in den USA. Während sich andere Schweizer Grossbanken Ende der 2000er-Jahre aus den Staaten zurückzogen, übernahm die Kantonalbank im grossen Stil Schwarzgelder, vermittelt durch Vermögensberater.

Vom Saulus zum Paulus

Erst vor zwei Wochen konnte die BKB den Steuerstreit mit den USA über die Zahlung einer Busse in der Höhe von 60 Millionen Franken beilegen. Just zum Wechsel von Lachappelle kann nun die Bank auch eine weitere Grossbaustelle abschliessen. Gestern vermeldete die BKB, dass das Andienen von Bank Cler-Aktien erfolgreich abgeschlossen wurde. Über 92 Prozent hält die BKB an ihrer Tochter-Firma, welche sie nun bald von der Börse nehmen will.

In seinen fünf Jahren als CEO erarbeitete sich Lachappelle den Ruf als unaufgeregten Problemlöser. Die Bank wurde vom Saulus zum Paulus. Lachappelle setzte eine radikale Weissgeldstrategie und ein strenges Prüfverfahren für unabhängige Vermögensverwalter um. Den Private-Banking-Ableger in Zürich, hauptverantwortlich für die USA-Geschäfte, machte er dicht. Gleichzeitig setzte die BKB auf «wertorientierte Steuerung». Die entscheidende Grösse war nicht mehr der Gewinn. Faktoren wie Risiken oder mögliche Reputationsschäden wurden stärker gewichtet. Mittlerweile hat die BKB eine Vorreiterrolle.

Auch Beat Oberlin, bis vor einem Jahr CEO der Basellandschaftlichen Kantonalbank, sagt: «Ich schätze Guy Lachappelle als eine pflichtbewusste, bescheidene, innovative und zielorientierte Persönlichkeit, die hart arbeitet.» Dass Lachappelle nun als Aufräumer zur Raiffeisen wechselt, wird allgemein auch als Zeichen dafür angeschaut, dass bei der BKB aufgeräumt ist. Diese Einschätzung teilt auch Oberlin: «Die BKB ist gut positioniert und seriös aufgestellt.» Die Probleme der Bank beim Antritt von Lachappelle seien alle gut erledigt worden. «Der Imagewandel ist gelungen», sagt Oberlin.

Diese Einschätzung teilt auch die Basler Finanzdirektorin Eva Herzog: «Lachappelle hat einen sehr guten Job gemacht. Die BKB ist heute ganz anders aufgestellt als bei seinem Amtsantritt.» Die Massnahmen, die man als Folge der Krise ziehen konnte, seien schnell vollzogen worden. «Das muss Lachappelle einen Leistungsausweis beschert haben, der die Raiffeisen offensichtlich überzeugt hat.» Und: «Ich freue mich, dass eine Frau interimistische CEO bei der BKB wird.»