Die knapp 71 000 Franken Einstiegslohn sind den Basler Kindergärtnerinnen und Kindergärtnern nicht genug. Sie wollen gleich viel verdienen wie die Primarlehrer, die gemäss dem jüngsten Bildungsbericht der Nordwestschweiz im ersten Berufsjahr 14 Prozent mehr verdienen.

Die Freiwillige Schulsynode (FSS), die auch die Interessen der Kindergärtner vertritt, will nun juristisch gegen diese Lohndiskriminierung vorgehen. Nachdem ein Anlauf bei der kantonalen Schlichtungsstelle gescheitert ist, hat sie nun eine Beschwerde beim Basler Regierungsrat eingereicht. FSS-Präsident Jean-Michel Héritier stellt sich auf den Standpunkt, dass die Arbeit der Kindergärtner und diejenige der Primarlehrer «gleichwertig» und somit Lohnunterschiede nicht zu rechtfertigen seien. Auch erforderten beide Stufen einen Bachelorabschluss an der Pädagogischen Hochschule mit derselben Anzahl Kreditpunkte.

Als «vorbildlich» bezeichnet Héritier die anderen Kantone im Bildungsraum. Gemäss Bildungsbericht haben sich die Löhne der Kindergarten- sowie der Primarlehrer in den vergangenen Jahren in der Nordwestschweiz weitgehend angepasst. In Baselland gab es 2015 noch eine Lohndifferenz von fünf Prozent.

Seit August vergangenen Jahres ist die Gleichstellung gesetzlich verankert. Der Einstiegslohn für Kindergartenlehrpersonen liegt im Kanton Baselland bei 74 709 Franken und somit knapp 4 000 Franken höher als im Stadtkanton, der im Bildungsbereich üblicherweise bessere Löhne zahlt. Bei den Primarlehrern reicht der Lohn in Basel-Stadt von knapp 80 000 Franken beim Berufseinstieg bis zu knapp 120 000 in der höchsten Erfahrungsstufe.

Liegt es am Geschlecht?

Die Basler Lohnunterschiede sind schon seit langem ein Thema. An Brisanz gewannen sie 2015, als die Regierung eine Anpassung des Lohnsystems präsentierte. Statt der erhofften Gleichstellung kehrte bei den Kindergärtnern Ernüchterung ein: Das System sah unterschiedliche Löhne für «reine» Kindergartenlehrer, Kindergärtner mit Primarlehrerqualifikation bis zur dritten Klasse und solche mit Unterrichtsberechtigung für die ganze Primarschule vor.

Nach Jahren des Wartens für die Kindergärtner ein Schock. Sie wandten sich an die kantonale Schlichtungsstelle mit dem Argument, diese Lohneinreihung sei «geschlechterdiskriminierend». Dies, weil in den Kindergärten immer noch hauptsächlich Frauen unterrichteten.

Im vergangenen Schuljahr lag der Frauenanteil in Basel-Stadt bei über 92 Prozent. Die Schlichtungsstelle habe gemäss Héritier «keine Abschätzung darüber abgeben wollen», ob eine Geschlechterdiskriminierung vorliege. Ihr hätten massgebende Unterlagen gefehlt, da ihr der Kanton die Quervergleiche zu den «Männerberufen» nicht zur Verfügung gestellt habe, führt der FSS-Präsident aus.

Der Weiterzug an den Regierungsrat scheint nicht erfolgsversprechender. Der stellvertretende Basler Personaldienstchef David Gelzer stellt klar, dass die Lohneinreihungen per 1. Februar 2015 die «unterschiedlichen Anforderungen» an die Stellen spiegelten. Anpassungen seien keine nötig. Ob nun der Gang durch die juristischen Instanzen droht, ist ungewiss. Die Lehrergewerkschaft lässt verlauten, dass sie «von Fall zu Fall» entscheide, wie es weitergehen soll.