Das Universitäts-Kinderspital beider Basel meldet eine traurige Statistik. Die Zahl der sexuellen Übergriffe auf Kinder hat sich 2017 verdoppelt. Das zeigt der soeben erschienene Bericht "Netzwerk Kinderschutz" des Kantons Basel-Stadt. Ob es sich bei der Zunahme um einen Zufall handelt oder die Folge der verstärkten Prävention ist, das lässt sich laut Simon Thiriet, Sprecher der Erziehungsdirektion Basel-Stadt nicht feststellen. Nur einen Trend schliesst er aus.

Insgesamt ist die Zahl, der vom Kinderspital verzeichneten Fälle in den letzten Jahren stabil geblieben. Im vergangenen Jahr waren es 56 Fälle von Kindsmisshandlung. In einigen Fällen blieb es beim Verdacht.

Die Täter von Sexualdelikten sowie Misshandlungen an unmündigen Kindern stammen fast ausschliesslich aus der Familie oder dem Bekanntenkreis. Das zeigt die Statistik deutlich. Nur in seltenen Fällen sind die Täter unter Lehrpersonen oder Betreuern auszumachen. Die Täter sind den Opfern also bekannt.

Weitaus grösser sind die Zahlen von "Triangel", der Opferhilfe beider Basel. Die Zahl der Sexualdelikte wird hier mit 175 angegeben. 2016 waren es noch ein Drittel weniger. 

Über die Gründe des Anstiegs kann auch Triangel-Geschäftsführerin Brigitte Greuter nur Vermutungen anstellen: "Inwiefern dies nun auf statistische Schwankungen zurück zu führen ist, ist schwierig zu sagen."

Auch lasse sich aufgrund unserer Fallzahlen nicht automatisch auf eine Zunahme an sexuellen Übergriffen an Kindern schliessen. Grundsätzlich stellten Triangel-Mitarbeitende in dne Beratungsarbeit "vielmehr die Tendenz fest, dass das Thema sexuelle Gewalt an Kindern weniger tabuisiert wird".

Dadurch sinke vermutlich auch die Hemmschwelle für Betroffene, frühzeitig Unterstützung zu suchen und Beratungsangebotein Anspruch zu nehmen. 

Insbesondere was das Thema "Sexuelle Übergriffe unter Kindern" angeht, so Brigitte Greuter, findet seit einiger Zeit eine spürbare Sensibilisierung statt: Vielen Institutionen für Kinder und Jugendliche, wie beispielsweise Kinder- und Jugendheime, schulergänzende Betreuungsangebote wie Mittagstische oder Tagesstrukturen setzten sich intensiv mit dieser Thematik auseinander und erarbeiten Leitfäden zum Umgang mit möglichen Übergriffen unter Kindern und Jugendlichen.

Strafrechtlich lässt sich gemäss der Triangel-Geschäftsführerin festhalten, dass Übergriffe unter Kindern dann strafbar sind, wenn der Altersunterschied zwischen den Kindern mehr als drei Jahre beträgt und das übergriffige Kind bereits strafmündig ist (in der Schweiz ist dies mit 10 Jahren der Fall). Nebst dem strafrechtlichen Hinweis spielen aber noch viele weitere Faktoren eine Rolle, ob das Verhalten nun als Übergriff zu werten ist. In der Praxis ist dies oft nicht einfach, wie wir auch in unserer Beratungsarbeit immer wieder feststellen.