Er war ein altgedienter Polizist. Vor zwei Jahren vermeldete das Personalblatt des Kantons Basel-Stadt sein Jubiläum: 20 Dienstjahre. Zur gleichen Zeit wurde er suspendiert, danach hat er seine Stelle gekündet. Aufgeflogen ist der Mitarbeiter des Basler Kriminalkommissariats wegen des Hauptzollamts des Frankfurter Flughafens. Dieses stellte 2011 ein Paket mit zwei Faustmessern sicher, das der Basler Polizist aus den USA bestellt haben soll. Die Ermittlungen des Frankfurter Zollkriminalamts ergaben, dass der Polizist schon seit 2005 als «flic62» beim Internetauktionshaus «eGun» registriert war und rege Waffen und Waffenzubehör kaufte.

Basel-Stadt setzte einen ausserordentlichen Staatsanwalt ein, damit die Basler Staatsanwaltschaft nicht gegen sich selber ermitteln musste. Toni Thüring, ehemaliger Arlesheimer Gerichtspräsident und heutiger Mitinhaber einer Birsfelder Anwaltskanzlei, übernahm den Job. Er führte nicht nur in der Wohnung des Angeklagten eine Hausdurchsuchung durch, sondern auch am Arbeitsplatz der Staatsanwaltschaft an der Binningerstrasse.

Gemäss Anklageschrift machte der heute 51-jährige Polizist die ersten Waffenbestellungen 2004 bei der Thuner Firma Brügger + Thomet AG. Das Verbot des Erwerbs von Waffenzubehör umging er mit einem Trick: Er verwendete das Briefpapier der Basler Staatsanwaltschaft und setzte seine polizeiliche Funktion unter seine Unterschrift. Deshalb wird er wegen Amtsmissbrauchs und Widerhandlungen gegen das Waffengesetz angeklagt.

Der ausserordentliche Staatsanwalt wirft dem Kriminalisten zudem eine Verletzung des Kriegsmaterialgesetzes sowie des deutschen Waffengesetzes und des deutschen Aussenwirtschaftsgesetzes vor. Einem Zürcher Kollegen, den der Polizist in den 1990er-Jahren kennen gelernt haben soll, habe er diverse Waffen verkauft. Die Anklageschrift führt eine lange Waffenliste auf.

Darunter befinden sich zwei funktionsfähige Handgranaten. Die eine stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien. Neben diversen Pistolen wird auch eine Maschinenpistole mit Schalldämpfer und Munition aufgelistet. Der Verkauf allein dieser Maschinenpistole kann mit Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden. Der Antrag des ausserordentlichen Staatsanwalts liegt aber deutlich tiefer: Er fordert eine Verurteilung zu zehn Monaten Freiheitsstrafe bedingt. Die Gerichtsverhandlung findet morgen Montag statt.

Ein weiterer Anklagepunkt wurde fallen gelassen. Der Polizist soll sich an seinem Arbeitsplatz bedient haben. Ihm wird vorgeworfen, drei Tränengasgranaten gestohlen und ebenfalls dem Zürcher weiterverkauft zu haben. Nachdem dies durch die Ermittlungen bekannt geworden war, stellte der Erste Basler Staatsanwalt einen Strafantrag wegen geringfügigen Diebstahls. Diese Übertretung sei jedoch verjährt, befand der ausserordentliche Staatsanwalt.

Über den Käufer der Waffen enthält die Anklageschrift keine näheren Angaben. Wofür die Waffen nach dem Verkauf durch den Basler Polizisten eingesetzt wurden, ist nicht bekannt.