Studenten, ausländische Angestellte und Arbeitgeber hoffen auf einen Plan B. Noch immer ist unklar, was das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative für sie genau bedeutet. Nichts zu hoffen gibt es aber für viele kulturelle Institutionen. Da knappe Ja zur SVP-Initiative schlug für sie die Tür zum Ausland zu.

Eigentlich hätte die Schweiz dem Förderprogramm «Creative Europe» beitreten sollen, aber dort ist sie seit dem 9. Februar nicht mehr willkommen. «Wir sind bereits von Partnern aus Deutschland und Osteuropa angesprochen worden, uns an Forschungsprojekten im Rahmen von ‹Creative Europe› zu beteiligen», sagt Sabine Himmelsbach, Leiterin des Hauses für elektronische Künste. Das ist nun gestorben. Für ihr Haus wäre das sehr wichtig gewesen, so Himmelsbach. «In Hinsicht auf die Forschungsergebnisse, aber auch in Hinsicht auf die internationale Vernetzung.»

«Die Folgen sind sehr gravierend für die Betroffenen», sagt auch Philippe Bischof, Leiter der Abteilung Kultur beim Kanton Basel-Stadt. Ihm zufolge hätten zahlreiche Basler Institutionen mit multilateralen Kulturprojekten von «Creative Europe» profitieren können. So etwa auch die Kaserne mit Tanz- oder Theaterproduktionen.

Niemand wird einspringen

Das Kultkino wiederum dürfte «mit allergrösster Wahrscheinlichkeit» Fördergelder zwischen 30 000 und 50 000 Franken pro Jahr verlieren, wie Co-Geschäftsleiterin Suzanne Schweizer sagt. Das EU-Filmförderprogramm «Media» unterstützt nämlich nicht nur Filmemacher, sondern auch Kinos, die europäische Filme zeigen. So wurde beispielsweise honoriert, dass das Kultkino mit Schultagen Jugendlichen den europäischen Film näher bringt. «Wir zeigen ausschliesslich Independent-Filme», sagt Schweizer, «auf dieses Geld sind wir derzeit sehr angewiesen.»

Philippe Bischof erklärt: «Das Autoren-Kino und der Independent-Film ist ein ökonomisch schwacher Bereich, der jede denkbare Unterstützung braucht.» Vom Kanton wird das Kultkino indirekt unterstützt, jedoch nicht mit Fördergeldern. Bischof hofft noch, dass das brachliegende Geld, dass die Schweiz ins europäische Filmförderprogramm hätte einzahlen sollen, vorübergehend zur Filmförderung in der Schweiz verwendet werden kann. «Das ginge aber vermutlich nur in einem ersten Schritt, dann müsste das Parlament neu darüber verhandeln.» Beim Kultkino macht man sich darüber aber keine Illusionen. «Ich glaube nicht, dass wir Geld aus einem anderen Topf erhalten werden», sagt Suzanne Schweizer. Erst würden die Filmemacher unterstützt, die Kinos ganz zuletzt. Diese seien immer die hintersten in der Kette.

Doch warum nur hört die Öffentlichkeit erst jetzt von diesen Konsequenzen der Masseneinwanderungsinitiative? Warum sind die Kulturschaffenden nicht schon früher damit in die Diskussion eingestiegen? «Man hat gewusst, was bei einem Ja für die Kulturförderung geschehen kann», sagt Bischof. Nur: Solche Aspekte seien in der populistischen Diskussion untergegangen. Der Basler Kulturchef betont, dass es nicht in erster Linie ums Geld gehe, sondern «ums Teilhaben und die Zusammenarbeit» innerhalb Europas. «Jetzt sind wir abgeschnitten, obwohl niemand im Kulturbereich dies will. Das ist bitter.»