Strategie

Basler Kulturpolitik: Neues Leitbild mit alten Zwängen

Die freie Theaterszene moniert das Ungleichgewicht. Bild aus «The Making of Americans».

Die freie Theaterszene moniert das Ungleichgewicht. Bild aus «The Making of Americans».

Der Kanton Basel-Stadt hat sein neues Kulturleitbild 2020-2025 in die Vernehmlassung geschickt. Das Papier baut schwergewichtig auf dem vergangenen Leitbild auf. Viele Ansätze daraus werden die Kulturpolitik auch in der Zukunft prägen.

Das Kulturleitbild formuliert drei übergeordnete Ziele, wie Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann an einer Medienorientierung vom Donnerstag sagte: Basel will mit seinem Kulturangebot weiterhin international für Aufsehen sorgen, die kulturelle Innovation fördern und in der Kulturpolitik auf der Höhe der Zeit bleiben.

Diese Zielsetzungen sind nicht neu. Die Kulturverantwortlichen sagten denn auch, dass das neue Kulturleitbild auf dem bisher Erreichten und bereits Projektierten aufbaut.

Dazu gehört die Museumspolitik, die mit den Betriebsanalysen und den Infrastrukturmassnahmen nach wie vor das höchste Gewicht haben wird. Stichworte dazu sind der Neubau für das Naturhistorische Museum und der angedachte Umzug des Antikenmuseums.

Inhaltliches Schwergewicht bleibt auch die Orchesterförderung, die nach der Neuorientierung der letzten Jahre konsolidiert werden muss. Basel habe das "hohe Potential als Musikstadt nicht ausgeschöpft", heisst es im Leitbild.

Nimmt man die erst vor wenigen Jahren gestärkte Filmförderung dazu, läuft in diesem Bereich vieles auf Konsolidierung von bereits angestossenen Massnahmen hinaus, wie die Kulturverantwortlichen auf Nachfrage bestätigten. Als «Konsolidierungspapier» wollen sie das Leitbild aber dennoch nicht verstanden wissen. Es enthalte auch wirklich neue Bausteine, sagte Co-Leiterin Sonja Kuhn.

Minimaler Anteil für Projektförderung

Als weiteren konkreten Schwerpunkt nennt das Leitbild die Ermöglichung kultureller Innovation. Der Kanton wolle seine Förderpolitik gezielt auf neue Potentiale ausrichten, heisst es. Darunter werden neben der Förderung freier Projekte auch die Stichworte Digitalisierung und Chancen- sowie Gendergerechtigkeit subsummiert.

Bei der Projektförderung ist indirekt bereits einiges lanciert: vorab die Einrichtung neuer Proberäume für Tanz- und Theaterschaffende sowie für Popmusikerinnen und -musiker.

Ansonsten ist der finanzielle Spielraum für Massnahmen, um dieses «wachsende überregionale Potential» zu fördern, eng begrenzt. Nur gerade 2,6 Prozent des aktuellen Kulturbudgets von budgetierten 138 Millionen Franken stehen für Projektförderung zur Verfügung. 48,4 Prozent sind als Staatsbeiträge an Institutionen verbucht, 46 Prozent der Gelder gehen an staatseigene Institutionen wie Museen oder die Archäologische Bodenforschung.

Dieses Ungleichgewicht hat sich in den vergangenen sechs Jahren sogar noch verstärkt: Verantwortlich war unter anderen die Erhöhung des Budgets für das Kunstmuseum Basel um zwei Millionen Franken im vergangenen Jahr.

Die freie Szene selber taxiert dieses Ungleichgewicht als unbefriedigend. Mitte August haben junge Kulturschaffende ihre «Trinkgeldinitiative» eingereicht. Sie verlangt, dass ein Budgetanteil von 5 Prozent für Jugend- und Alternativkultur zur Verfügung stehen soll. Theater- und Tanzschaffende haben ihrerseits die Kulturabteilungen beider Kantone zum Erneuerungsprozess der Förderung der freischaffenden Bühnenkunst aufgefordert.

Das Kulturleitbild 2020-2025 wurde am Donnerstag in die Vernehmlassung geschickt. Sie dauert bis 12. November.

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