Wirtschaft

Basler Lädelisterben? Nein, das grosse Hotelblühen: So wird die Innenstadt neu belebt

Das Trois Rois wird bald nicht mehr das einzige Fünfsterne-Haus in Basel sein.

Statt grosse Megastores entstehen in der Basler Innenstadt plötzlich hübsche Hotels. Denn Basel schlägt Monat für Monat die eigenen Logier-Rekorde. Und dazu kommt das zweite Basler Fünf-Sterne-Hotel.

Erst mustert man die interessanten Strassenzüge und schätzt deren Potenzial ab, dann kauft man eine Liegenschaft, dann reisst man das Haus ab oder baut es um und stellt ein Hotel drauf. Ein Kinderspiel ist das, und es nennt sich Monopoly. Etwas Ähnliches geht derzeit in der Basler Innenstadt vor: Ein Hotel folgt aufs Nächste. Und zwar wirklich «mitten im Kuchen», wie der Basler sagen mag.

Coop baut ein Hotel in den ehemaligen Interdiscount am Marktplatz, der «Teufelhof» eröffnete kürzlich sein neues Hotel an der alten Stadtmauer, das Unternehmen Mitte baute ein ganzes Stockwerk fürs Mitte-Hotel um, und in der Steinenvorstadt soll bereits im Dezember das Art-Hotel an prominenter Lage Gäste empfangen. Hinzu kommt, dass die Baloise-Versicherung auf ihrem Campus am Bahnhof gerade das zweite Fünf-Sterne-Hotel für Basel baut. Betrieben werden soll es von Mövenpick.

Die Liste der Neueröffnungen ist stattlich. Dazu kommen Hotels wie das «Motel One» am Barfüsserplatz oder das «Nomad» von Krafft-Hotelier Franz-Xaver Leonhardt, die in den vergangenen Jahren in der Innenstadt entstanden sind; als Ergänzung zu Klassikern wie dem Hotel Basel am Rümelinsplatz oder dem «Stadthof» am Barfi. Betten in der Innenstadt, und zwar im Boutique- oder gehobeneren Budgetsegment: Das ist für Basel eher neu, aber für die Innenstadt, wo nach wie vor gerne ein «Lädelisterben» beklagt wird, ein positives Signal.

«Die Stadt wird dadurch ganz klar noch attraktiver», sagt Mathias F. Böhm, Geschäftsführer von Pro Innerstadt. Hotels mit ansprechender Gestaltung, Detailhandel, Shopping-Erlebnis: All das spiele sich gegenseitig in die Hand und treibe die Entwicklung der Innenstadt voran.

Neue Übernachtungsrekorde

Der Boom zeigt sich auch in den Logiernächten, die monatlich vom Kanton ausgewiesen werden. Seit Monaten ist die Tendenz steigend, trotz serbelnder Baselworld, die bisherigen Monatszahlen 2019 überflügelten die des Vorjahres konsequent. Bereits 2018 wurden mit über 1,39 Millionen Übernachtungen in baselstädtischen Hotels der bisherige Höchstwert geknackt.

Die Entwicklung freut natürlich Basel Tourismus: «Mehr Logiernächte beflügeln den Ausbau an Hotelbetten, dieser wiederum beflügelt die Logiernächte», konstatiert Christoph Bosshardt, Vizedirektor von Basel Tourismus. «Es ist generell ein gutes Zeichen, wenn in Hotels investiert wird. Das beweist ein Vertrauen in die positive Entwicklung der Attraktivität einer Stadt.»

Insbesondere der Bau eines zweiten Fünf-Sterne-Hauses neben dem Grand Hotel Les Trois Rois wird von Basel Tourismus begrüsst. Zwar war bereits das bisherige Hotelangebot divers und hochstehend, doch ein Hotel im klassischen Fünf-Sterne-Bereich, das nicht auch den Superior-Markt bedient, kannte Basel spätestens seit dem Ende des «Hilton» nicht mehr. «Dafür besteht durchaus eine Nachfrage», so Bosshardt.

Auch der Handel profitiert

Die Hotelbetreiber sehen jedenfalls Chancen in der Entwicklung, und zwar in verschiedenen Bereichen. Der «Teufelhof» der Wyniger-Gruppe, die bereits Erfahrung mit einem Boutique-Hotelbetrieb hat, setzt mit dem neuen «SET Hotel.Residence by Teufelhof Basel» unter anderem auf Reisende mit Geschmack, aber auch mit Gewissen.

Denn einer der Faktoren für zentrale Hotelbetriebe ist nicht nur die Lage im Herzen der Stadt, sondern auch die Verkehrsanbindung. Das neue Hotel bietet neben stilvollen Räumen und Optionen für Langzeit-Gäste auch ein Verkehrsmittelkonzept, das auf Nachhaltigkeit setzt, so etwa mit Velos und E-Mobilität. Christoph Widmer von der Wyniger-Gruppe spricht jedenfalls bereits von einer guten Auslastung, natürlich auch dank der Art Basel, aber nicht nur: «Wir sind zufrieden.» Die Gruppe verortet ihre Chance in einem produktorientierten Konzept, das sich an eine an Individualität ausgerichtete Kundschaft richtet.

Mathias F. Böhm von Pro Innerstadt begrüsst diese Sichtweise, sie entspreche einem Trend. Der Wohlfühlfaktor und die Tendenz zum «Zuhause in der Ferne» habe an Gewicht gewonnen. Hinzu komme bei der zentralen Lage der nicht zu unterschätzende Vorteil, direkt vor den Türen der Hotel-Lobby etwa in den Ausgang oder eben zum Shopping gehen zu können. Was wiederum dem Detailhandel schmeichelt.

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