Retail und Gastro

Basler Läden fehlt die Laufkundschaft – zahlreiche Ketten verlassen die Innenstadt

Titolo schliesst

Streicht die Segel in Basel: die Turnschuhkette Titolo an der Steinenvorstadt.

Titolo schliesst

Während einigen Geschäften in der Innenstadt die Laufkundschaft fehlt, sind andere zufrieden. Für Restaurant- und Ladenketten scheint Basel im Vergleich zu anderen Städten ein schwieriges Pflaster zu sein.

In den vergangenen Wochen und Monaten häuften sich die Schliessungen von Restaurant- und Ladenketten in der Innenstadt. Prominenteste Beispiele: die Galerie Lumas an der Schifflände im Oktober 2018, das Sushi-Restaurant Yooji’s an der Gerbergasse im Dezember 2018, und voraussichtlich diesen Monat schliesst die Turnschuhfiliale der Kette Titolo in der Steinenvorstadt.

All diesen Ketten gemeinsam ist, dass sie nach kurzer Zeit die Segel strichen – nach nur ein bis zwei Jahren. Und die Schweizer Burgerkette Holy Cow eröffnet erst gar nicht am Rümelinsplatz, trotz unterzeichnetem Vertrag. Bei allen Betroffenen auf Nachfrage derselbe Tenor: Basel sei ein schwieriges Pflaster für Retail und Gastronomie. Ein Vertreter von «Holy Cow» sagte gegenüber der bz, man habe sich umentschieden, weil rund um den Rümelinsplatz die Laufkundschaft fehle. Am Rümelinsplatz, im Zentrum der Stadt.

Laut Gino Fiorentin von der Immobilienspezialistin Wüest Partner gibt es nicht nur einen Grund, warum es gewisse Laden- und Restaurantketten in Basel besonders schwer haben: «Die unmittelbare Grenznähe darf nach wie vor nicht unterschätzt werden. Diese macht es für neue Geschäfte besonders schwierig.»

Geringe Arbeitsplatzdichte

Eine weitere Überlegung, die er sich auf Anfrage der bz gemacht hat, betrifft die Arbeitsplatzdichte rund um Basels grosse Einkaufsstrassen. Diese sei im Vergleich zu anderen Städten weniger hoch, wie eine Studie von Wüest Partner im vergangenen Jahr gezeigt habe: «In Zürich arbeiten viele Banker, Anwälte und Berater rund um die Bahnhofstrasse, im Zentrum von Bern sind es Parlamentarier, in Genf Diplomaten. In Basel indes befinden sich die beiden Campus der Pharmakonzerne Roche und Novartis mit Tausenden Angestellten nicht in unmittelbarer Nähe des Zentrums,» so Fiorentin.

Durch die tiefere Arbeitsplatzdichte in der Nähe von Basels Einkaufsstrassen würden diese als Folge weniger stark frequentiert. Die Nachfrage falle zu den Pendel- und Mittagszeiten weg, sagt Fiorentin. Denn die Distanz Arbeitsplatz – Innenstadt sei im Falle von Novartis (Volta) und Roche (Wettsteinquartier) zu gross, um kurz etwas zu besorgen oder zu essen. «Da hat Basel einen Nachteil», schliesst der Retailexperte.

Allerdings fügt Fiorentin an, dass er die Situation nicht als prekär einschätze: «Es stimmt, dass das Retailpflaster Basel aus den genannten Gründen eine Herausforderung für Laden- und Restaurantkonzepte darstellt. Aber es ist jetzt auch nicht so, dass in Zürich, Bern und Genf stets die Sonne scheint. Der stationäre Handel steht aufgrund der steigenden Bedeutung des Onlinehandels ganz generell unter Druck.»

Globus schwärmt über Expats

Tatsächlich sagt eine Angestellte einer Restaurantkette in der Innenstadt, die namentlich nicht genannt werden möchte: «Als ich diesen Job antrat vor einem halben Jahr, dachte ich, dass es hier in Basel von englischsprachigen Kunden nur so wimmelt. Aber die meisten sind Schweizer.» Die Pharmaangestellten, so die Angestellte, seien wohl mit dem Angebot auf ihrem Campus gut genug bedient.

Anders läuft es derweil im Globus Basel, wie Geschäftsführer Roger Rittscher ausführt: «Die Expats und Angestellten aus der Pharmabranche zählen zu unseren treuesten Kunden. Sie legen viel Wert auf persönliche Beratung und Qualität, wollen keine anonyme Kette. Mittlerweile wird bei uns jedes zehnte Verkaufsgespräch auf Englisch geführt. Entsprechend ist das Beherrschen dieser Sprache eine Grundvoraussetzung eines Anstellungsverhältnisses bei Globus in Basel.»

Insbesondere Produkte aus der Haushaltabteilung und Kinderspielzeug seien bei Expats gefragt, so Rittscher. «Und sie sind mit ein Grund, warum wir im Vergleich zu anderen Filialen in der Schweiz im Bereich Omnichannel-Shopping die Nase vorn haben.» Im angelsächsischen Raum sei diese Art des Einkaufens längst etabliert, die Expats würden das Angebot entsprechend auch hier nutzen. Besonders Koffer, Geschirr und weitere voluminöse oder zerbrechliche Produkte würden im Laden angeschaut, dann aber zusammen mit dem Verkäufer online bestellt und direkt nach Hause geschickt. «Das wird immer populärer», sagt Rittscher.

Autorin

Rahel Koerfgen

Rahel  Koerfgen

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