Schulsynode
Basler Lehrer fordern bessere Arbeitsbedingungen

Lehrer sollen sich gegen den «Kontrollwahn» wehren, sagt deren Gewerkschaft. Eine Umfrage ergibt, dass die Hälfte der Befragten sich mehr Autonomie wünscht. Nur eine Minderheit wünscht sich mehr Lohn.

Hans-Martin Jermann
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Die Hälfte der befragten Lehrer wünschen sich bessere Arbeitsbedingungen.

Die Hälfte der befragten Lehrer wünschen sich bessere Arbeitsbedingungen.

Keystone

Eine neue Umfrage unter den Basler Lehrerinnen und Lehrern birgt politischen Zündstoff. Demnach besteht ausgerechnet bei einem für die Lehrer sehr wichtigen Argument für die Berufswahl grosser Handlungsbedarf: bei der Autonomie. Rund die Hälfte der Lehrpersonen sieht die Erwartungen an das selbstständige Arbeiten nicht erfüllt.

Etwas besser sieht das Urteil der Lehrer bei den Arbeitsbedingungen aus: Ein Drittel stellt die Work-Life-Balance des eigenen Anstellungsverhältnisses infrage; ein Siebtel beklagt sich über die zu geringe Entlöhnung.

«Nicht wegen des Lohns Lehrer»

Bildungsraum: Kampagne abgeblasen

Auf einer gemeinsamen Internetplattform wollten die vier Kantone Basel-Stadt, Baselland, Aargau und Solothurn zeigen, wie anspruchsvoll und abwechslungsreich die Aufgaben für Lehrerinnen und Lehrer sind. Damit sollte dem drohenden Lehrermangel im Bildungsraum Nordwestschweiz entgegengewirkt und das teilweise negative Bild der Lehrer in der Öffentlichkeit als «Ferien-Techniker» korrigiert werden. Die Imagekampagne ist nach der Kritik der Lehrerverbände aus den vier Kantonen nun abgeblasen worden. Heini Giger, abtretender Präsident der Staatlichen Schulsynode Basel-Stadt, weint der gestoppten Kampagne keine Träne nach: Er bezweifelt, dass sich junge Menschen, die sich nach der Schule für einen Beruf entscheiden, durch solche Werbeaktionen beeinflussen lassen - zumal sie kurz zuvor selbst Anschauungsunterricht zum Lehrer-Beruf hatten. Anstelle von Kampagnen fordert Giger Erziehungsdirektor Christoph Eymann auf, dafür zu sorgen, dass die Lehrer die Freude am Unterrichten nicht verlieren. «Aufgestellte, motivierte Lehrerinnen und Lehrer sind viel wirksamer als jede Imagekampagne», ist Giger überzeugt. (haj)

Zum monierten Mangel an Selbstständigkeit und Autonomie sagte er gestern an der Freiwilligen Schulsynode in der nüchternen und kühlen Messehalle 5: «Wir müssen dem Steuerungs- und Kontrollwahn dezidiert entgegentreten.» Dafür erntete er spontanen Applaus unter den mehr als 1000 anwesenden Lehrpersonen.

Siegenthaler plädiert für starke Schulleitungen, die einen kooperativen Stil pflegen. Die Tatsache, dass an den Schulen immer häufiger Präsenzzeiten vorgeschrieben werden, bezeichnet er als kontraproduktiv: Dies führe dazu, dass just bei den an sich engagierten Lehrkräften die Motivation für Sonderleistungen abnehme. Beim Verordnen von Präsenzzeiten sei auch wegen der hohen Bedeutung der Teilzeitarbeit Zurückhaltung angebracht. So sollten etwa die Präsenzzeiten nicht ausgerechnet auf den schulfreien Mittwochnachmittag gelegt werden, fordert Siegenthaler. Zwischen den Bedürfnissen der Integrativen Schule und der Belastung der Arbeitnehmenden müsse ein gangbarer Weg gefunden werden.

25 Prozent WBS-Lehrer Deutsche

Tätig werden müsse der Kanton zudem bei den Löhnen. Diese lägen im interkantonalen Vergleich unter dem Durchschnitt: «Vor allem bei den Primarlehrpersonen besteht akuter Handlungsbedarf», stellt Siegentha-
ler klar. Im Hinblick auf den drohenden Lehrermangel seien die Löhne zentral – zumal das Geld bei der Berufswahl ein Ausschlusskriterium sei. Der Lehrermangel macht sich an der Basler Weiterbildungsschule (WBS) bereits bemerkbar. Laut Siegenthaler sind hier ein Viertel der Lehrkräfte Deutsche, Tendenz stark steigend.

Die von der Freiwilligen Schulsynode durchgeführte Umfrage ist repräsentativ: 1500 Lehrerinnen und Lehrer sämtlicher Schulstufen haben innert zweier Wochen geantwortet. Die Rücklaufquote ist mit über 50 Prozent sehr gut. Die Freiwillige Schul-
synode ist die Basler Lehrergewerkschaft und zählt 2800 Mitglieder. Dies entspricht einem Organisationsgrad von rekordverdächtigen 93 Prozent.