Die neuen Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen Erstaunliches: Wie häufig Menschen sich in einem Spital behandeln lassen, variiert von Kanton zu Kanton deutlich. Während pro Jahr nur 104 von 1000 Schaffhausern im Spital landen – rund jeder Zehnte –, lässt sich im Kanton Basel-Stadt jeder sechste Mensch hospitalisieren. Das Baselbiet steht auf der Rangliste auf Platz drei, nur ganz knapp hinter dem Tessin.

Demografie hat grossen Einfluss

Carlo Conti, Gesundheitsdirektor des Kantons Basel-Stadt, hat sich intensiv mit diesem Phänomen befasst. «Ganz grundsätzlich gilt, dass Menschen in ländlichen Kantonen weniger oft ins Spital gehen als Menschen in Städten», sagt er. Einen grossen Einfluss habe die demografische Struktur. In Basel liegt der Anteil der Menschen über 80 deutlich höher als in anderen Kantonen, und ältere Menschen brauchten eher medizinische Hilfe als junge Leute.

«Besonders viele dieser älteren Menschen leben zudem alleine. Es fehlen Bezugspersonen, welche die Betreuung übernehmen könnten.» Darum begeben sich diese Menschen schneller ins Spital als ihre Altersgenossen in ländlichen Gegenden. «Dort sind ältere Leute viel besser ins soziale Leben eingebettet, und die Familie oder der Partner übernimmt die Betreuung.»

Je höher die Bildung, desto weniger beim Arzt

Eine weitere wichtige Ursache für die hohe Hospitalisierungsrate im Kanton Basel-Stadt dürfte laut Conti das Bildungsniveau sein. «Je höher die Bildung und der soziale Status, desto weniger bezieht ein Mensch Leistungen des Gesundheitssystems», sagt er. «Und da in Städten oder städtischen Kantonen wie Basel viele Menschen aus tieferen sozioökonomischen Schichten leben, liegt hier entsprechend die Anzahl an Spitalaufenthalten höher als anderswo.»

Ebenfalls einen Faktor dürfte der Ausländeranteil darstellen, sagt Gesundheitsökonom Heinz Locher. «Ausländer kennen das Hausarztmodell häufig nicht sehr gut, es ist ihnen nicht vertraut», sagt Locher. «Sie gehen vermehrt direkt ins Spital und nicht zuerst zum Hausarzt.»

Viele Pflegeplätze in Schaffhausen

Derweil rätseln die Schaffhauser, weshalb sie schweizweit den Spitzenplatz belegen. Kantonsarzt Jürg Häggi vermutet, die Menschen in Schaffhausen würden von den Hausärzten besonders gut beraten und behandelt, sodass sie seltener ins Spital gebracht werden müssen.

Markus Schärrer vom Gesundheitsamt weist einerseits auf mögliche statistische Fehlerquoten hin, ergänzt aber, das gute Pflegesystem im Kanton Schaffhausen könnte einen Einfluss haben: «In unserem Kanton gibt es verhältnismässig viele Pflegeplätze in Heimen. Es sei naheliegend, dass Heimbewohner weniger schnell ins Spital eingeliefert werden müssten als alte Menschen, die zu Hause lebten.

Wer auf dem Land lebt, ist besser in Form

Insgesamt fällt auf, dass sich die Menschen in Innerschweizer Kantonen verhältnismässig selten hospitalisieren lassen. Sind die Menschen dort etwa zäher und fitter als andere Schweizer? «Dafür gibt es wissenschaftlich keine Beweise», sagt Carlo Conti. Es sei aber durchaus denkbar, dass Menschen in ländlichen Gegenden besser in Form seien und deswegen weniger medizinische Hilfe benötigen würden. «Kinder in Städten zum Beispiel sind tendenziell häufiger übergewichtig als Kinder vom Land.»

Diese These bestätigt David Dürr vom Luzerner Gesundheits- und Sozialdepartement. Die Luzerner Bevölkerung lebe wahrscheinlich gesundheits- und kostenbewusster als Menschen anderswo. «Bisherige Gesundheitsbefragungen haben ergeben, dass sich die Luzerner Bevölkerung überdurchschnittlich gesund fühlt.»