Das amerikanische Biopharmazeutik-Unternehmen Versatis siedelt sich in Basel an: «Dass Basel zwei der drei Pharma-Topmultis beherbergt, war ein Argument für das Versatis-Management, ihr Hauptquartier für alle Aktivitäten ausserhalb der USA in Basel aufzuschlagen», berichtet Gabriela Güntherodt, Direktorin für den Markt USA bei Basel Area.

Das börsenkotierte kalifornische Biopharmazeutik-Unternehmen entwickelt ein hormonales Medikament zur Behandlung von Wachstumsstörungen. Gegenüber den bisherigen Mitteln besteht gemäss Versatis-Website der Vorteil des Wirkstoffs darin, dass man ihn – statt wie bisher täglich – in einem grösseren Abstand spritzen kann. Das Mittel steht in der klinischen Erprobung.

Versatis bringt 50 Arbeitsplätze

Für Basel bedeutet die Ansiedlung von Versatis neben einem erwarteten Plus von 50 Arbeitsplätzen in den nächsten fünf Jahren, dass künftig für alle Versatis-Aktivitäten ausserhalb der USA die Steuern in Basel anfallen.

Wären Steuern allein das Standortkriterium, hätte sich Versatis wohl für einen Tiefsteuer-Kanton entschieden, denn die Amerikaner zogen weitere Standorte in Betracht. International standen Irland, Grossbritannien und die Niederlande zur Diskussion. «Doch keine andere Stadt weltweit hat einen so hohen Anteil am Pharma-Weltmarkt wie Basel» erläutert Güntherodt. Wichtig sei dabei, dass die beiden Grossen die ganze Wertschöpfungskette abdecken. Somit seien in Basel 27 000 Talente aller Life-Sciences-Teildisziplinen tätig. Genf und Zürich könnten je nur mit 5000 Fachkräften aufwarten. «Dass bereits viele Expats hier leben, erleichtert die Rekrutierung weiterer internationale Fachkräfte», erklärt die Basel-Area-Direktorin.

«Hinzu kommt, dass dieses Umfeld nicht wie in Singapur aus dem Boden gestampft wurde, sondern eine 250-jährige Tradition aufweist und eine hohe Dichte an verankerten Forschungseinrichtungen bietet – in einem überschaubaren Umfeld, das den Austausch mit anderen Experten erleichtert, und nicht in einer Millionenagglomeration wie in Boston.» Zudem habe die Nähe zu den Märkten in Deutschland und Frankreich bei den gleichzeitig liberalen Schweizer Arbeitsgesetzen eine Rolle gespielt.

Die Aufgabe von Basel Area war es, Versatis zu beraten und bis zur Ansiedlung zur Seite zu stehen. «Wir mussten die Vorteile des Life Sciences Clusters erlebbar machen.» Unter anderem vermittelten die Wirtschaftsförderer Kontakt zu ähnlich aufgestellten Unternehmen. «Diese konnten authentisch aus eigener Erfahrung berichten, was es heisst, sich in Basel anzusiedeln.»

Wie der Cluster weitere Firmen anzieht, zeigt sich bei der von Basel Area begleiteten Ansiedlung kleinerer Zulieferer und Dienstleister: Das italienische IT-Unternehmen Agile Works war zur Betreuung lokaler Life-Sciences-Kunden auf der Suche nach einer Niederlassung in der Schweiz. Im Verlauf der Projektbegleitung durch Basel Area wurde klar, dass zusätzlich eine Holdingstruktur sinnvoll ist. Holding und Niederlassung wurden 2014 gegründet.

Bessere internationale Adresse

Auch die deutsche Mediconomics GmbH wird ihre Schweizer Niederlassung Mermedic GmbH in Basel einrichten: Sie bietet Dienstleistungen an wie die Durchführung klinischer Studien und stellt Zulassungsunterlagen zusammen. Geschäftsführer Uwe Albrecht bezeichnet Basel als den «Life-Sciences-Hub der Schweiz».

Seit 23 Jahren in Basel ist Karin Jorga tätig. Als Wissenschafterin und Managerin arbeitete sie im Bereich Frühe Arzneimittelentwicklung bei Roche. Als sie sich als Beraterin für Venturecapital-Firmen und Incubator-Stiftungen selbstständig machte, gab es dann doch vieles zu klären: «Als Grenzgängerin musste ich mich entscheiden, ob ich meine GmbH in Basel oder grenznah in Deutschland gründe», berichtet die Jungunternehmerin, die unter anderem an einem von Basel Area vermittelten Gründerseminar teilnahm.

Sie entschied sich für Basel als «die bessere internationale Adresse». Zudem stellt sie fest, dass die Grossen zunehmend Tätigkeiten auslagern. «Da man sich kennt, gestaltet sich die Zusammenarbeit der so entstehenden kleinen Unternehmen viel leichter.» Und nicht zuletzt sieht die international vernetzte Branchen-Insiderin bereits die Perspektive, dass ein von ihr beratenes Biotech-Unternehmen sich künftig auch für eine Niederlassung am Standort Basel interessieren könnte.