Am Donnerstag trumpfte Gabriel Barell, Direktor des Basler Gewerbeverbandes, mit einem seiner Lieblingsthemen auf: den Gewerbeflächen. Auf dem Lysbüchelareal müsse das Gewerbe absolute Priorität geniessen – wohnen könne man auch woanders.

Es ist nicht das erste Mal, dass Barell mehr Platz für seine Gewerbler fordert, notfalls auch auf Kosten von Wohnnutzungen. Und es ist nicht das erste Mal, dass er damit René Brigger, SP-Grossrat und Vizepräsident des Verbandes der Wohnbaugenossenschaften, ärgert: «Die regen mich regelmässig auf in letzter Zeit.» Darum griff Brigger in die Tasten und verfasste eine Interpellation zum Rosental-Areal, einem anderen Zankapfel zwischen Gewerbe und Wohnungsbauern, seit der Staat es gekauft hat. Brigger fragt: «Ist die Regierung bereit, bei der Abgabe für das Gewerbe dies auch mit unabhängigen Gruppen, die nicht einem traditionellen Gewerbeverband angeschlossen sind, zu prüfen?» Und doppelt nach, ob es denn zwingend sei, dass der Gewerbeverband Basel-Stadt Partner sein müsse.

René Brigger ist auch Vizepräsident des Verbandes der Wohnbaugenossenschaften.

René Brigger ist auch Vizepräsident des Verbandes der Wohnbaugenossenschaften.

Patrick Erny, Projektleiter Politik beim Gewerbeverband, sagt: «Wir sind irritiert über diese Interpellation und haben dafür kein Verständnis. Wir hatten bis anhin eine gute Zusammenarbeit mit René Brigger, beispielsweise bei der Kampagne für die Stadtrandentwicklung.»

Bodeninitiative als Auslöser

«Gerade in den Fragen der Stadtentwicklung, der Bodenpolitik und so weiter ist der Gewerbeverband ein unzuverlässiger Partner», begründet Brigger seine Attacke. Erny stimmt zu, das hier der Hund begraben liege: «Seit dem Abstimmungskampf um die Bodeninitiative hat sich das Verhältnis gekehrt. Offensichtlich hat Herr Brigger Mühe, andere Meinungen als die seine zu akzeptieren.» Für Brigger ist klar, dass man nun prüfen müsse, ob es nicht einen neuen Gewerbeverband brauche, «so wie den VCS als Gegengewicht zum TCS». Er selber habe wohl keine Zeit, das auf die Beine zu stellen, aber Lust dazu habe er grosse. Am besten mit anderen Leuten aus dem Bereich der Wohngenossenschaften. Pikant ist: Brigger sieht beispielsweise eine gemischte Nutzung des Rosentalareals als Keimzelle eines solchen Widerstandes: «Der Kern könnte sich gerade auch um so ein Areal herum kristallisieren, auf dem Wohngenossenschaften und Gewerbe gemeinsam ansässig sind.»

Auch Mustafa Atici, SP-Grossrat und Unternehmer, ist nicht immer glücklich mit dem Gewerbeverband: «Gabriel Barell ist ein Freund von mir. Aber der Verband operiert manchmal zu stark ideologisch. Er vergisst, dass es auch Gewerbler gibt, die anders denken.» Das sei beispielsweise bei Verkehrsthemen oft der Fall. Und deshalb sei ein alternativer Gewerbeverband «immer wieder ein Thema».

Gewerbeverband im Baurecht

Was Brigger in den Debatten um Wohnen und Gewerbe besonders nervt: Der Gewerbeverband hatte sich gegen die Bodeninitiative ausgesprochen, die vom Staat verlangte, mehr Land im Baurecht abzugeben. Gleichzeitig profitiert der Gewerbeverband aber vom Baurecht, über das er an das Gelände für seine «Werkarena» an der Neudorfstrasse gekommen ist. «Die beissen die Hand, die sie füttert», konstatiert Brigger. Und fordert nun Gegenmassnahmen: «Wie man in den Wald ruft, so sollte es auch zurückschallen.»

Dem hält Erny entgegen, dem Gewerbeverband sei ja nichts anderes übrig geblieben: «Das Beispiel Werkarena ist nicht valabel. Viele Gewerbetreibende bevorzugen Bodenbesitz gegenüber dem Baurecht. Das ist nach der Annahme der Bodeninitiative sehr schwierig geworden.» Das Projekt Werkarena sei «ein erfolgversprechender Ansatz, damit umzugehen, auch wenn wir eine privatwirtschaftliche Lösung favorisiert hätten».

Ob sich genügend linke Politiker und vor allem Gewerbetreibende finden, um einen Gegenverband zu gründen, wird sich weisen. Die Gelegenheit wäre vermutlich nicht die schlechteste. Im Oktober sind Wahlen, und wie üblich wird der Gewerbeverband wohl nur bürgerliche Politiker unterstützen und zur Wahl empfehlen.

Auch das ein Grund, warum der Verband bei den Linken nicht eben viele Freunde hat.