Wir treffen uns im Foyer des Tropeninstituts am Tag nach der Preisverleihung im ehrwürdigen Basler Stadthaus. Im Foyer, weil sämtliche anderen Räume bereits überbelegt sind. «Das Institut ist Opfer seines eigenen Erfolgs», sagt dazu grinsend Manuel Hetzel, Preisträger des diesjährigen Rudolf Geigy Preises. Der Preis wird alle zwei Jahre an einen Forscher vergeben, der die Arbeit im Labor aktiv mit Feldstudien verbindet. Seit vor vier Jahren das Institut für Sozial- und Präventivmedizin ins Schweizerische Tropeninstitut integriert wurde, platzt das Gebäude an der Socinstrasse aus allen Nähten. Zugleich machte die Zusammenlegung Sinn, wie nicht zuletzt die Auszeichnung Hetzels beweist. Hetzels Spezialgebiet ist dabei die Bekämpfung der Malaria. Zuerst in Tansania und inzwischen in Papua-Neuguinea untersuchte Hetzel, welche langfristigen Massnahmen die Ansteckung mit Malaria verhindern können. Gleichzeitig ist er an der Universität Queensland in Australien angestellt, dem nächsten Nachbarn der grossen Pazifikinsel.

Teilweise einfache Mittel

«Moskitonetze», lautet Hetzels lapidare Antwort. «In Papua-Neuguinea konnten die Infektionen in der Bevölkerung in rund fünf Jahren durch ein flächendeckendes Moskitonetz-Programm um die Hälfte reduziert werden.» Das Problem sei dabei weniger die Verbreitung, als die Nachhaltigkeit der Massnahmen. Zudem sei es wichtig, gegen alle Mücken vorzugehen, da man sie nicht höre und dann die Menschen das Gefühl hätten, die ganzen Aktionen brächten eh nichts.

Ein weiteres Problem ist der internationale Bann des Insektizides DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan), das noch immer eines der effektivsten und günstigsten Mittel zur Reduktion der Mückenpopulation sei.

Schädliches Hilfsmittel

Ende der achtziger Jahre erkannte man, dass DDT durch die tonnenweise Verwendung in der Landwirtschaft in die Nahrungskette eingedrungen war und so auch Menschen betraf. Der private Einsatz im Haus dagegen, bei dem die Wände besprüht werden, hat keinen schädlichen Einfluss auf Mensch und Umwelt. Trotzdem scheuen sich viele Länder, DDT selbst in kleinen Dosen wieder zuzulassen, da Exportverbote drohen, sobald die kleinste Spur des Insektizids nachweisbar ist. «Inzwischen gibt es zum Glück gleichwertige Mittel», sieht Hetzel die Situation gelassen. Auch die Moskitonetze werden mit Insektiziden imprägniert, und zwar so, dass sie auch gewaschen werden können. «Der Schutz funktioniert dann sogar noch, wenn das Netz kleine Löcher hat.» Und: Je mehr Netze in einem Dorf hängen, desto grösser ist der Effekt, da sich die Mückenpopulation generell verringert. Erstaunlich ist jedoch, dass der Parasit nicht nur Resistenzen gegen die medizinische Malaria-Prophylaxe entwickelt, sondern sich sogar an die Netze anpasse. Statt wie üblich von der Dämmerung bis zum Sonnenaufgang stechen die Mücken nun plötzlich früher, weil die Menschen konsequent unter Moskitonetzen schlafen.

Umwelt als Verbündete

Zusätzliche Massnahmen sind also unabdingbar, auch wenn die Verbreitung der Malaria weltweit zurückgeht. Seien es Trockenlegungen von Sümpfen und stehenden Gewässern, wie sie in Südeuropa erfolgreich praktiziert wurden, oder durch das Aussetzen von Fischarten, die die Larven der Mücken fressen. Aber «es gibt keine einheitliche Lösung für das Malariaproblem», sagt Hetzel. Schliesslich lassen sich die Tropen nicht trockenlegen. An dieser Frage wird der Epidemiologe Hetzel weiterforschen, unspektakulär und ohne grosses Tamtam, wie er sagt, auch wenn er im Januar definitiv wieder nach Basel zurückkehrt.