Migrationspolitik

Basler Matthäuskirche von abgewiesenen Asylbewerbern besetzt

Die Matthäuskirche: Ort des Schutzes und des Widerstands. (Archiv)

Die Matthäuskirche: Ort des Schutzes und des Widerstands. (Archiv)

Die Matthäuskirche in Basel ist derzeit Zufluchtsort von abgewiesenen Asylbewerbern. Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt (ERK) erachtet diese Aktion als Hausfriedensbruch, will das Gotteshaus im Kleinbasel aber vorerst nicht räumen lassen.

«Wir bleiben»: So nennt sich eine Gruppe von Aktivisten, die mit vier abgewiesenen Asylbewerber die Matthäuskirche besetzen. Am letzten Sonntag sind sie dort eingezogen. Von einer «Niederlassung» sprechen die Aktivisten; eine Besetzung nennt es der Kirchenrat der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt.

Dennoch lässt die Kirche die Gruppe vorerst gewähren und schaut von einer polizeilichen Räumung ab. Man stehe im Kontakt, sagt Roger Thiriet, Mediensprecher der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt: «Wir besprechen organisatorische und praktische Punkte mit der Gruppe».

Diese verfolgt mit der Aktion zwei Ziele: Schutz und Protest. Die Kirche als sicherer Ort sei für die vier abgewiesene Asylbewerber notwendig, sagt ein Aktivist: «Sie sind von gewaltsamen Ausschaffungen bedroht.» Darüber hinaus will die Gruppe mit der Aktion gegen die für sie zu repressive Migrationspolitik protestieren und Alternativen diskutieren. Wie die Aktivisten auf ihrer Website schreiben, soll die Matthäuskirche zu einem Ort werden, «an dem Perspektiven für politische Veränderungen geschaffen werden». Diese wollen sie nach ihren Idealen der Gleichheit, Freiheit und Solidarität gestalten.

Verhandlungen noch offen

Wie ein Mitglied sagt, seien mehr als 30 Personen in der Gruppe «Wir bleiben» engagiert – die Zahl der Unterstützenden wachse täglich. Selber sehen sie sich nicht als Kirchenbesetzer. Denn das reguläre Programm in der Matthäus-Kirche laufe normal weiter und die Aktivitäten würden aufeinander abgestimmt, so die Gruppe. Vielmehr würden sie um Kirchenasyl bitten.

Dieser kirchliche Schutz geht bis in die heidnische Antike zurück und war über Jahrhunderte oft die einzige Rettung für Verfolgte. Wie Roger Thiriet sagt, gäbe es das Asylrecht in der heutigen Kirche aber nicht mehr. «Aufgrund des geschichtlichen Hintergrunds respektieren wir vorerst die Anwesenheit der Asylsuchenden. Wir stellen uns aber ganz klar auf die Seite des Rechtsstaates», so Thiriet. Auch der evangelisch-reformierte Kirchenrat hält in seiner Medienmitteilung unmissverständlich fest: «Der Rat stellt sich hinter die gesetzliche Bestimmung» – abgewiesene Asylsuchende müssten das Land verlassen.

Die Gruppe «Wir bleiben» will hingegen «an die Kirche als ethische und moralische Institution appellieren», wie ein Aktivist sagt: «Wir hoffen, dass die Kirche vor diesem Hintergrund ihren Spielraum nutzt.»

Wie lange die Duldung dauert, ist gegenwärtig offen. Ein Termin für die Verhandlungen zwischen der Kirche und den Aktivisten über deren weiteren Verbleib ist noch nicht festgelegt. Roger Thiriet von der reformierten Kirche geht davon aus, dass diese nicht vor Ende der Woche aufgenommen würden.

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