Hans-Rudolf Hagemanns reiches und und andere bereicherndes Leben ist am 17. November 2018 mit 91 Jahren in Basel zu Ende gegangen. Begonnen hat es in Basel am 19. November 1927. Hier hat er seine humanistische Bildung am Gymnasium am Münsterplatz erworben, hier hat er Rechtswissenschaft studiert, hier ist er akademischer Lehrer geworden und zweimal als Dekan der Juristischen Fakultät tätig gewesen. Und hier hat er einen Teil seines Lebens der zwar nicht gesuchten, aber verantwortungsvoll übernommenen Aufgabe der Verlagsleitung der «Basler Zeitung» zur Verfügung gestellt.

Mit diesem Basler Curriculum verband sich aber grosse Offenheit für die Welt, konkret mit einem Studienaufenthalt in Oxford und mit der Wahrnehmung einer Professur in Erlangen-Nürnberg; ideell im lebhaften kulturellen Interesse. Besonders verbunden fühlte er sich mit der Antike. In seinem, wie man sagt, geschmackvoll eingerichteten Heim auf dem Bruderholz war jedoch auch moderne Kunst präsent. Mit seiner Frau Daisy Hagemann-Lerch war er dort seiner Familie und seinem Freundeskreis ein grosszügiger Gastgeber. Von einer wichtigtuerischen Teilnahme an Basels mondäner Geselligkeit sah er jedoch entschieden ab. Hans-Rudolf Hagemann war, wie man mit Blick auf seinen sozialen Status hervorheben kann, ein bescheidener, höflicher und zugleich ausgesprochen freundlicher Mensch.

Das Interesse der grösseren Öffentlichkeit dürfte vor allem Hagemanns Rolle als Verleger der «Basler Zeitung» und der um sie gescharrten anderen Blätter gelten, und da insbesondere der Fusion von «National-Zeitung» und «Basler Nachrichten» im Jahr 1977 sowie seiner Haltung beim Verkauf der «BaZ» 2010 an den Financier Tito Tettamanti und an den Anwalt Martin Wagner. Ohnehin stets ein diskreter Patron, stand er damals nicht mehr in der formellen Verantwortung, 1997 hatte er diese der dritten Generation (Matthias Hagemann und Ruth Ludwig-Hagemann) übergeben.

Hans-Rudolf Hagemann war 1964 nach dem plötzlichen Tod seines Bruders Max Hagemann, der ebenfalls eine Rechtsprofessur innehatte, aus Erlangen nach Basel zurückgekehrt, um die Leitung des Familienblattes zu übernehmen. Wichtig war ihm, dass er neben dieser wichtigen Aufgabe seiner wissenschaftlichen Neigung entsprechend an der Universität Basel seine Lehr- und Forschungstätigkeit im Bereich der Rechtsgeschichte fortsetzen konnte.

Hagemann hat zur Basler Geschichte, eine Reihe wichtiger rechtshistorischer Publikationen erarbeitet. Dabei vermittelte er ein anschauliches Bild der mittelalterlichen und humanistischen Rechtskultur und Rechtspraxis. Seine Studien zu den Rechtsgutachten des Basilius Amerbach (1997/2001) galten einem Gelehrten, von dem er sagen konnte, dass er ein «überaus gewissenhafter und selbstkritischer Mensch» gewesen sei. Damit hat er, wie bemerkt wurde, nicht ganz zufällig etwas von seiner eigenen Art zu erkennen gegeben.
Die rechtshistorische Forschung bedeutete aufwändige Entzifferungsarbeit im Staatsarchiv und auf der Universitätsbibliothek und setzte ausser der akademischen Neugierde die Bereitschaft voraus, auf schnelle und spektakuläre Resultate zu verzichten. Neben der verantwortungsvollen Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben und der Pflege der Familie war das wissenschaftliche Erkenntnisinteresse eine wichtige Dimension in Hans-Rudolf Hagemanns Leben.

* Georg Kreis ist meritierter Professor für Geschichte der Universität Basel.