Lange haben sie geschwiegen. Nun äussern sich die Direktoren der fünf staatlichen Museen erstmals zur neuen Basler Museumsstrategie, welche Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann kurz vor Weihnachten veröffentlicht hatte. Die Direktoren sind vor allem eines: froh, dass das seit Jahren überfällige Papier endlich vorliegt. Zwar bietet es für Josef Helfenstein «wenig Überraschendes». Dennoch verspricht sich der Direktor des Kunstmuseums Verbesserungen. Zumindest seien nun keine Verzögerungen mehr zu befürchten bei Lösungen, die aus Sicht des finanzgeplagten Kunstmuseums hohe Dringlichkeit hätten.

Die Töne bleiben diplomatisch

«Sehr froh» ist auch Co-Direktor David Alder. Wegen der Boykottdrohung des Grossen Rates sei die Strategie gerade für das Naturhistorische Museum wichtig. «Die Pläne für unseren Neubau wurden in Geiselhaft genommen.» Gleich zwei Grossratskommissionen hatten beschlossen, keine Regierungsvorlagen zu den Basler Museen mehr zu verabschieden, bis die Strategie endlich vorliegt. Das Naturhistorische Museum brauche den Neubau aber dringend, weil sich der heutige Standort in einem desolaten Zustand befinde.

Noch zeigen sich die Direktoren sehr zurückhaltend. Gerade Kritik an dem Strategiepapier wird nur hinter vorgehaltener Hand geäussert. Die Töne bleiben diplomatisch. Das zuständige Präsidialdepartement soll offensichtlich nicht unnötig verärgert werden. Lieber kehren die Betroffenen positive Aspekte hervor: «Wenn ich zwischen den Zeilen lese, lässt die Strategie auf mehr Mittel hoffen», sagt Andrea Bignasca. Der Direktor des Antikenmuseums stellt klar, dass auch sein Haus mit knappen Mitteln zu kämpfen habe. Zudem war letztes Jahr bekannt geworden, dass sowohl das Kunstmuseum als auch das Historische Museum unterfinanziert sind.

Mit der Museumsstrategie hatte Regierungspräsidentin Ackermann angekündigt, dass mit Betriebsanalysen von sämtlichen staatlichen Museen geprüft werden soll, ob diese über genügend Mittel verfügen. Das lässt auch Alder hoffen. «Die Situation ist auch für uns sehr eng», sagt er. «Es gibt keinerlei Spielraum.»

Keine Wunder zu erwarten

Positiv heben die Direktoren vorab das geplante 4-Jahres-Globalbudget hervor. So seien auch Rückstellungen möglich. Die Museen würden selbstständiger. «Das bedeutet mehr Freiheit, aber auch mehr Verantwortung», betont Alder. Heute würden sämtliche Steuergelder für die gebundenen Kosten benötigt, ergänzt Bignasca: «Sonderausstellungen werden grösstenteils über Drittmittel finanziert.» Das werde sich auch mit einem Globalbudget kaum ändern. «Wunder sind deshalb nicht zu erwarten», stellt er klar. Das Antikenmuseum müsse die Sponsorensuche denn auch weiter professionalisieren. «Das darf nicht alles von mir abhängen.»

Allerdings sei bei einigen Punkten der Strategie nicht ganz klar, was sie bedeuten könnten, schränkt Anna Schmid vom Museum der Kulturen ein, ohne ins Detail gehen zu wollen. Erst kommende Woche werden sich die Museumsdirektoren über das Strategiepapier austauschen. Gleichzeitig räumen die Museumsdirektoren auch ein, dass die Strategie noch sehr viele Fragen offenlasse. Erst die angekündigten Betriebsanalysen würden in den kommenden Jahren die nötigen Grundlagen schaffen.

So seien die notwendigen Ressourcen heute nicht abschliessend zu beziffern. Auch Standortfragen bleiben offen. So ist weiter unklar, wie der Berri-Bau nach dem Auszug des Naturhistorischen Museums genutzt werden soll. Sobald die Betriebsanalysen vorliegen, müssten denn auch weitere Diskussionen folgen, sind sich die Direktoren einig. «Wichtig ist aber, dass nun endlich Entscheide gefällt werden», resümiert Bignasca.