Ende der Fastenzeit
Basler Muslime demonstrierten Einigkeit beim Öffentlichen Fastenbrechen

Beim 9. Öffentlichen Fastenbrechen am Donnerstagabend wurden Neuerungen begrüsst und Konflikte dementiert.

Delphine Conzelmann
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Die Trägerschaft der Basler Muslim Kommission verabschiedete gemeinsam die abtretende Koordinatorin für Religionsfragen, Lilo Roost Vischer.

Die Trägerschaft der Basler Muslim Kommission verabschiedete gemeinsam die abtretende Koordinatorin für Religionsfragen, Lilo Roost Vischer.

Martin Töngi

Mit Wort und Tat nahm die Basler Muslim Kommission (BMK) am vergangenen Donnerstagabend das 9. Öffentliche Fastenbrechen im Union Basel zum Anlass, Berichte über eine zerfallende muslimische Gemeinschaft in Basel zu dementieren. Genauso, wie man nun zusammen esse, so wolle man auch weiterhin zusammen arbeiten. Das war die Botschaft des BMK-Präsidenten Sohail Mirza. «Die Einheit der Muslime im Raum Basel ist exzellent, trotz der einen oder anderen Berichterstattung», beteuerte Mirza, dessen Worte die aktuelle Missstimmung innerhalb der BMK zwar preisgaben, der jedoch auf die konkreten Vorwürfe nicht eingehen wollte.

Neuer Ansprechpartner bekannt

Vor allem die Zusammenarbeit des Präsidialdepartements (PD), namentlich der bisherigen Koordinatorin für Religionsfragen Lilo Roost Vischer, mit den muslimischen Gemeinschaften geriet in letzter Zeit öffentlich in die Kritik. Die Moscheen sollen sich von der BMK nicht angemessen vertreten und von der Religionsbeauftragten nicht ausreichend beachtet gefühlt haben. In ihrer Ansprache betonte Roost Vischer die gute Zusammenarbeit in der Vergangenheit.

Eine Antwort auf die Vorwürfe drang dennoch durch: «Wir können schliesslich nicht Schnüffeln», sagte sie und rechtfertigte so Ihren Appell an die Gemeinschaften, bei Fragen und Problemen eigenverantwortlich auf die Behörde zuzugehen. Künftig werden die Moscheen ihre Anliegen allerdings an Roost Vischers Nachfolger, David Atwood, richten müssen.

Der Assistent für Religionswissenschaft an der Uni Basel wird ab August die Stelle im 40%-Pensum antreten. Erst seit Februar 2017 ist Atwood als Wissenschaftlicher Praktikant in der Koordination für Religionsfragen tätig. Die Nachfolge wurde etwas unorthodox beim Öffentlichen Fastenbrechen bekannt gegeben.

Beim Abschied Roost Vischers, die ihre Funktion offiziell am kommenden Montag ablegen wird, haben dann auch alle Träger des BMKs die davor bekannte Einheit gemeinsam auf einer Bühne demonstriert. Auch Vertreter der Merkez-Moschee und der Saidi Nursi Stiftung, die in Medienberichten der letzten Woche als die beiden grössten Kritiker der BMK genannt wurden, waren anwesend. Letztere wollten mit den Medien nicht über die Vorwürfe sprechen, stellten sich jedoch hinter das offizielle Einheitsstatement.

Politische Konflikte dementiert

Akif Özcelik, Sohn des Präsidenten der Merkez-Moschee, stellte gegenüber der Schweiz am Wochenende aber klar, dass der Austritt der Moschee aus der BMK nichts mit Unstimmigkeiten zu tun hat: «Die Kündigung unserer Mitgliedschaft erfolgte bereits vor fünf Jahren. Grund dafür waren damals finanzielle und personelle Gründe», sagte er. Der Kontakt mit der BMK sei danach aber nicht abgebrochen, gemeinsame Sitzungen fänden nach wie vor statt und nach Möglichkeit unterstütze man die Ziele der Kommission.

Die politische Neutralität, die der Merkez-Moschee besonders wichtig ist, teile man auch in der BMK beteuert entgegen der jüngsten Kritik ihr Sprecher Selim Karatekin: «Wir wissen um verschiedene politische Einstellungen unter unseren Mitgliedern. Sobald man die Schwelle zur BMK betritt, muss man diese jedoch ablegen». Dass der Putschversuch in der Türkei jüngst für interne Konflikte gesorgt hätte, sei absurd, meint er.

«Unsere Mitgliedsvereine setzen sich ja auch aus Muslimen verschiedenster Nationalitäten zusammen. Wenn wir anfangen, einen innertürkischen politischen Diskurs zu führen, fallen wir schnell auseinander». Diskussionen gäbe es zwar immer wieder, an der Einheit halte man jedoch fest. Um diese Botschaft deutlich zu machen, war das Fastenbrechen, das die Veranstalter das «Wahrzeichen friedlichen Zusammenlebens in Basel» nannten, sicherlich die richtige Gelegenheit und das «Union» der richtige Ort.