Herr Karatekin, Sie sind der Sekretär der Basler Muslim-Kommission (BMK), dem Dachverband muslimischer Vereine. Sie kennen die Bedürfnisse der Basler Muslime. Findet das von Einzelpersonen lancierte Projekt einer muslimischen Privatschule anklang?

Serhad Karatekin: In der muslimischen Bevölkerung gibt es seit geraumer Zeit das Bedürfnis nach einer Privatschule. Die BMK als Dachverband islamischer Organisationen in den Kantonen beider Basel beschäftigt sich seit einiger Zeit mit diesem Anliegen. Etwas Konkretes liegt jedoch nicht auf dem Tisch. Es wäre falsch, ein Schulprojekt als Reaktion auf eine Repression der Politik zu reduzieren. Wir befürworten stets die Zusammenarbeit mit dem Erziehungsdepartement und der Politik.

Wie schätzen Sie generell die Situation der Muslime an den öffentlichen Volksschulen ein?

Allgemein sind uns keine Auffälligkeiten bekannt. Es gibt jedoch einige Fälle, bei denen es aufgrund mangelnder sprachlicher Kenntnisse oder mangelnder Kompetenz über das hiesige Schulsystem, und den daraus resultierenden Lernplan 21, zu Problemen kommt oder kommen wird.

Muslime werden von der Schule, der Regierung und der Verwaltung also nicht diskriminiert?

Die heutige Praxis führt leider zu Konflikten. Sicherlich möchten wir den Schulbetrieb nicht negativ beeinflussen. Dennoch befürworten wir die Möglichkeit, muslimische Kinder optional und auf eigene Kosten der Eltern bei anerkannten Schwimminstitutionen schwimmen zu lassen.

Familien, die ihre Kinder nicht in den Schwimmunterricht schicken, sind aber Einzelfälle.

Es sind Einzelfälle. Doch gibt es auch viele, die es bevorzugen würden, ihre Kinder geschlechtergetrennt in den Schwimmunterricht zu schicken, es aber aufgrund der jetzigen Bundesgerichtspraxis nicht können.

Die MBK will die ihr unbekannten Initianten nicht öffentlich kritisieren (bz von gestern). Wieso tut sich die MBK schwer, deutlich Stellung zu beziehen?

Die Muslime aus der Region Basel kommen aus verschiedenen Schichten und Nationalitäten. Einige engagieren sich politisch, andere nicht, einige sind zufrieden, andere nicht. Diese sozio-kulturellen Unterschiede machen deutlich, dass wir mit einer Vielzahl unterschiedlicher Lebensrealitäten leben. Wir als BMK müssen als Vermittlerin aus dieser Vielzahl einen Einklang finden, und für alle Mitglieder das gemeinsame Wohl hervorheben.

Und eine Privatschule als Reaktion auf «staatliche Diskriminierung» könnte das gemeinsame Wohl hervorheben?

Die Motivation für eine islamische Privatschule basiert nicht auf einer Reaktion gegen die Schwimmbussen. Es geht auch nicht darum, dass muslimische Kinder an solchen Schulen zum Imam heranwachsen. Vielmehr geht es darum, muslimische Kinder und Eltern intensiver, als es in öffentlichen Schulen möglich ist, zu betreuen und zu fördern. Damit sie zukünftig eine erfolgreiche Ausbildung absolvieren können. Genauso wie in anderen Privatschulen auch.

Aber ist das in Bezug auf die Integration nicht problematisch?

Wir sind davon überzeugt dass eine höhere Bildung, eine intensivere Betreuung und die stärkere Einbindung der Eltern, die Integration erleichtert. Dazu kommt, dass sich die meisten Eltern in Bezug auf die öffentlichen Schulen benachteiligt fühlen. Dies, weil sie durch ihren migrationsbedingten Hintergrund wenig zur Erziehung der Kinder beitragen können. An der Privatschule muss der staatliche Lehrplan natürlich übernommen werden und die Schulleitung sowie die Lehrerschaft müssen integrierend wirken.